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Ich verwende den Ausdruck "Funktion" homonym, einerseits für eine Zweckrelation und andrerseit für die mathematische Funktion.
Hier geht es nur um ersteres.

Als deutender Beobachter bezeichne ich den Zweck, der in einem übergeordneten Zusammenhang erfüllt wird, als Funktion.

Beispiel:
Das Herz pumpt Blut durch den Organismus, eine Oelpumpe pumpt Oel zum Brenner der Heizung.
Das Herz hat den Zweck Blut zu pumpen, die Funktion des Herzen ist den Körper mit Blut zu versorgen.

Paraphrase:
Die Funktion eines Mechanismus ist die Relation zwischen Input und Output (x = f (y)) und die Deutung dieser Relation in einem Deutungszusammenhang

Als Funktion eines Objektes bezeichne ich die Aufgabe, die es zu erfüllen hat. Die Funktion stellt neben Form, Material, Struktur usw. ein wesentliches Charakteristikum eines Objektes dar, das in irgendeiner Form ge- oder benutzt wird.

In der Umgangssprache - die in diesem Zusammenhang sehr weit in die Wissenschaften hineinreicht - lautet die Frage nach der Funktion generell: Wozu ist "es" gut? Und als Sinn der Frage erscheint, dass es Alternativen gibt, eine Funktion zu realisieren.
Wenn man verstanden hat, wozu ein Herz gut ist, kann man es durch eine Pumpe ersetzen.

Bei hergestellten Gegenständen weiss der Hersteller vorab, wozu er sie herstellt - auch wenn sie später eine ganz andere Verwendung finden, Artefakte haben einen Zweck, der die Wozufrage beantwortet (vergleiche dazu Gegenstandsbedeutung).
Bei nicht hergestellten Gegenständen liegt die Funktion nicht in den Gegenständen, sondern in deren Verwendung. Ein Mensch oder ein Baum hat keine Funktion, aber wenn ich einen Menschen als Sklaven und einen Baum als Werkstoff verwende, ordne ich ihnen innerhalb meiner Verwendung eine Funktion zu. Der Sklave, der mir mit Bäumen ein Haus baut, erfüllt eine Funktion, in welcher er und die Bäume ihre entsprechende Funktion erst durch diese Verwendung bekommen. Der Sklave erscheint in dieser Verwendung als Organ, weil er etwas tut, der Baum dagegen ist kein Organ, weil er (hierbei) nichts tut, das ich als Funktionsweise begreifen kann.

Differenztheoretisch unterscheide ich Funktion und Funktionsweise, wobei die Funktionsweise als Menge von Funktionen erscheint.


 

Ein paar Anmerkungen:

Ich unterscheide in Anlehnung an P. Achinstein drei Funktions-Typen:
Konstruktionsfunktionen, Gebrauchsfunktionen, Dienstfunktionen [ ]

Natürlich kann man für jede Funktion verschiedene Maschinen bauen, Fliegen kann man mit einem Ballon, einem Flugzeug oder einem Helikopter. Jede einzelne Maschine repräsentiert dann eine Methode (vergl. Konstruktives Wissensmanagement)

"Wenn wir x = F(y) schreiben, steht 'F' für den abstrakten Aspekt des Automaten, den wir Funktion nennen" (Todesco 1992:223)

"Funktionen haben keinerlei Erklärungswert" (Maturana: Erkennen:191). Erklärungen beschreiben immer eine Funktionsweise. [ ]

"Generell kann man sagen, dass Funktionen beschreiben, wie ein technisches System auf Einwirkungen des Menschen oder Signale und Impulse anderer technischer Systeme reagiert. Die Gesamtheit der Funktionen gibt also an, welche Einwirkungen bzw. Eingaben insgesamt zulässig sind; die Funktionalität ist somit das wesentliche Merkmal im Hinblick auf die zweckbestimmte Verwendung" (Keil-Slawik, 1990 , 81).

"Zunächst müssen wir uns also über den Gebrauch des Begriffs der Funktion verständigen. Wir abstrahieren diesen Begriff sowohl von mathematischen als auch von teleologischen oder empirisch-kausalwissenschaftlichen Verwendungen. In der Abstraktion bleibt als Funktion ein Bezugsproblem zurück, das mehrere Lösungen annehmen kann. Da es anderenfalls kein Problem wäre, kann man eine Funktion auch als Einheit der Differenz von Problem und mehreren, funktional äquivalenten Problemlösungen definieren, gleichviel ob eine oder mehrere Problemlösungen schon bekannt sind oder nicht. Die Problemlösung kann im Erreichen eines Zwecks bestehen oder auch in der Konkretisierung von mathematischen Gleichungen (=Variationskonditionierungen) oder im Finden einer Antwort auf eine Was- oder Wie-Frage. Der mit Funktionalisierung angestrebte Gewinn liegt nicht in der Problemlösung selbst (denn es kann sich ja auch, ja es wird sich zumeist um längst gelöste Probleme handeln), sondern im Hinweis auf eine Mehrheit von funktional äquivalenten Problemlösungen, also in der Etablierung von Alternativität oder funktionaler Äquivalenz."(Luhmann, Religion der Gesellschaft, 116f)

siehe auch Funktionalismus


 
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