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N. Luhmann ist ein deutscher Verwaltungswissenschaftler, der sich im Anschluss an den sogenannten Posistivismusstreit auf der rechten Seite (hinter K. Popper und H. Albers) gegen T. Adorno und vor allem gegen J. Habermas profilierte (Habermas/Luhmann (1971): Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie, Frankfurt/M.) (siehe dazu (1)).
N. Luhmann beschrieb in der Folge einige "soziale Systeme" unter dem Titel "xy der Gesellschaft" (für xy Kunst, Religion, Wissenschaft, usw) |
Kritik:
In der "Systemtheorie von N. Luhmann wird die Systemtheorie der Kybernetiker invertiert. Bei N. Luhmann heisst es: "Es gibt Systeme", während die Kybernetik 2. Ordnung Systeme als Konstrukte der Beobachtung sieht. In seiner Inversion fasst N. Luhmann Handlungszusammenhänge als "funktionale Systeme" auf, wodurch (auch Kommunikations)Handlungen aus dem Zentrum rücken, resp. nur als Interpretationen (oder Zuschreibungen) erscheinen.
N. Luhmann verwendet für die Kommunikation gleichwohl ein "Mitteilungskonzept". Da aber das System keine Mitteilungen machen oder verstehen kann, delegiert er das in die Umwelt des sozialen Systems, wo er "nicht näher beschriebene "psychische System" verortet.
Die funktionale Systemtheorie (vergleichende Kritik): Einführung - Begriffe - Kybernetische Kritik
Ein Versuch: Informatik als Funktionssystem
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N. Luhmann im Netz:
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Glossare:
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"Ein System „ist“ die Differenz zwischen System und Umwelt." (Einführung in die Systemtheorie: 66)
Aber auch: "Es gibt selbstreferentielle Systeme." (Soziale Systeme:31, siehe auch Die Wissenschaft der Gesellschaft:65).
"Die folgende Ueberlegungen gehen davon aus, dass es Systeme gibt." (Soziale Systeme, 1984:30). ...und auch ...
"Die Aussage 'es gibt Systeme' besagt also nur, daß es Forschungsgegenstände gibt, die Merkmale aufweisen, die es rechtfertigen, den Systembegriff anzuwenden; so wie umgekehrt dieser Begriff dazu dient, Sachverhalte herauszuabstrahieren, die unter diesem Gesichtspunkt miteinander und mit andersartigen Sachverhalten auf gleich/ungleich hin vergleichbar sind." (1984, S.16)
P. Fuchs: Diese Formulierung ist das Gegenteil von Fundamentalismus oder Hermetik. Sie lädt nicht zum 'Glauben' ein, sondern beispielsweise zum Wechsel der Theorie, wenn die Sachverhalte es nicht rechtfertigen, sie für Systeme zu halten.
"Schon Saussure hatte angenommen, dass mit dem, was die Bezeichnungsfunktion erfuellt, mit Toenen oder Bildern, nicht etwa physikalische Substrate gemeint seien, sondern ausschliesslich die Sinneseindruecke, die davon ausgehen." (Zeichen als Form, S. 48)
"Bei binärer Codierung muß der Leitwert des Codes (Wahrheit, Recht, Besitz etc.) darauf verzichten, zugleich als Kriterium der Selektion zu dienen. Das würde der formalen Äquivalenz von Position und Negation widersprechen ... Man kann Kriterien daher nicht in der allgemeinsten Abstraktionslage des Codes festlegen, sie dienen nicht der Einrichtung der Möglichkeit funktionsspezifischer Operationen, sondern sehr viel konkreter der Orientierung richtiger, brauchbarer Operationen. Der Code kann deshalb den Wechsel der Kriterien (und im Prinzip: aller Kriterien) überdauern, obwohl es schwer vorstellbar ist, daß alle zugleich ausgetauscht werden und der Code für einen Moment absoluten Neubeginns im Leeren gehalten werden könnte." (Luhmann 1986, S.82f)
Die "Differenz von Code und Kriterien für richtige Operationen (oder von Codierung und Programmierung) ermöglicht eine Kombination von Geschlossenheit und Offenheit im selben System. In bezug auf seinen Code operiert das System als geschlossenes System, indem jede Wertung wie wahr/unwahr immer nur auf den jeweils entgegengesetzten Wert desselben Codes und nie auf andere, externe Werte verweist. Zugleich aber ermöglicht die Programmierung des Systems, externe Gegebenheiten in Betracht zu ziehen, das heißt die Bedingungen zu fixieren, unter denen der eine oder der andere Wert gesetzt wird. Je abstrakter und je technischer die Codierung, desto reicher die Vielfalt der (stets natürlich internen!) Operationen, mit denen das System geschlossen und offen zugleich operieren, also auf interne und externe Bedingungen reagieren kann. Man kann dies auch als Steigerung der Resonanzfähigkeit bezeichnen."(S.83)
"Die Unterscheidung von Risiko und Gefahr liegt ein Attributionsvorgang zugrunde, sie hängt also davon ab, von wem etwaige Schäden zugerechnet werden. Im Falle von Selbstzurechnung handelt es sich um Risiken, im Falle von Fremdzurechnung um Gefahren. Nur für Raucher ist Krebs ein Risiko, für andere ist er nach wie vor eine Gefahr. Wenn also etwaige Schäden als Folge der eigenen Entscheidung gesehen und auf diese Entscheidung zugerechnet werden, handelt es sich um Risiken, gleichgültig, ob und mit welchen Vorstellungen von Rationalität Risiken gegen Chancen verrechnet worden sind. Man nimmt dann an, daß die Schäden nicht eintreten könnten, wenn eine andere Entscheidung getroffen worden wäre. Von Gefahren spricht man dagegen, wenn und soweit man die etwaigen Schäden auf Ursachen außerhalb der eigenen Kontrolle zurechnet. Das mögen unabwendbare Naturereignisse sein oder auch Entscheidungen anderer Personen, Gruppen, Organisationen." (Risiko und Gefahr, S. 148/149; In: Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven. Opladen. S. 131-169)
"Es wird nicht behauptet, dass das System durch die Umwelt nicht beeinflusst werden oder dass es keine Auswirkungen auf die Umwelt haben könne. Wir müssen also den Begriff der autopoietischen Operation vom allgemeinen Begriff des Kausalnexus unterscheiden; und dies, ohne zu bestreiten, dass die Operation selbst kausal wirkt. Das ist bereits mit dem Begriff der poesis oder der Produktion/Reproduktion gesagt. Denn dieser Begriff setzt nicht voraus, dass das System über alle Ursachen seiner Produktion selber verfügt. [...] Es genügt, dass das System über genügend eigene Ursachen verfügen kann, dass es die Selbstreproduktion unter angenommenen, weitgehend konstanten oder wiederholt vorkommenden Umweltbedingungen durchführen kann." (Probleme mit operativer Schließung, S. 15)
"‘Die These des operativen Konstruktivismus führt [...] nicht zu einem ‚Weltverlust', sie bestreitet nicht, dass es Realität gibt. Aber sie setzt die Welt nicht als Gegenstand, sondern im Sinne der Phänomenologie als Horizont voraus. Also unerreichbar. Und deshalb bleibt keine andere Möglichkeit als: Realität zu konstruieren und eventuell: Beobachter zu beobachten, wie sie Realität konstruieren."
„Ich finde, daß man mit dem Theoriekonzept der ‚Frankfurter Schule’, wenn es ein solches überhaupt gibt, wissenschaftlich nicht arbeiten kann. Das ist eine Position, die nicht kompliziert genug, nicht variantenreich genug ist […] um etwas anderes als ein protestierendes oder resignatives Verhalten zu provozieren. Der Ausweg, den Habermas geht, verschiedene Theorien zu diskutieren und zu synthetisieren, hat bisher nicht zu einer eigenen systematischen Position geführt. […] Das Problem von Habermas besteht darin, daß sein Denken um eine moralische Verpflichtung von Gesellschaftstheorie organisiert ist. Das gibt dieser Theorie zwar eine besondere Attraktivität, zeigt zugleich aber auch ihre Grenzen an.“
Luhmann konsequent weiterdenken:
P. Fuchs (vor allem in der experimentellen Luhmann-Liste) zeigt, wie man die Luhmannsche Systemtheorie radikal weiterdenken kann (oder vielleicht sogar muss): Radikal heisst hier das Programm auszuloten, ohne Konsequenzen zu bedenken. (Im Radikalen Konstruktivismus hat E. von Glasersfeld das Programm von J. Piaget zu Ende geführt und dabei die Wirklichkeit aufgegeben). P. Fuchs nimmt die Luhmannsche Beobachtung als formalen Prozess ernst. Dabei verschwindet nicht nur der Prozessträger (was eben die Formalisierung leistet), sondern auch die Idee, dass der Prozess einer Instanz zugeschrieben werden kann.
Der Beobachter verschwindet (eine Formulierung dafür ist das Un-jekt anstelle des Sub-jektes).
In der Kybernetik hat H. von Foerster diesen Ansatz als "Errechnung von Realität" verfolgt. Allerdings hat er weiterhin am Beobachter festgehalten (H. Maturana tat dies extrem, indem er von Menschen gesprochen hat). Das führt oft zum Missverständnis, der kybernetische Ansatz sei biologisch, weil das sogenannte Eigenverhalten als Verhalten von JEMANDEM gesehen wird. P. Fuchs macht diesen jemanden dadurch zur Konstruktion, dass er Adressierbarkeit als Konzept einführt. Der Jemand ist eine Adresse, der das Verhalten zugeschrieben wird. Der Beobachter ist also die Adresse, welcher die Beobachtung zugeschrieben wird. Diese formale "Nur-Adresse" ermöglicht dann naiv irgendwelche Beobachter einzusetzen, und reflektiert - in der zweiten Ordnung - die Beobachtung, welche Adressen verwendet werden.
Ich kann beispielsweise das Eigenverhalten des Nervensystems beschreiben, was H. von Foerster's Lieblingsbeispiel ist. Dieses Eigenverhalten produziert Gegenstände in seiner Umwelt. P. Fuchs kann dann beobachten, dass ich ein Nervensystem (oder sogar einen Menschen) erfunden, das heisst adressiert habe, womit ich mir natürlich Begrenzugen (Limitationen) eingehandelt habe.
Abstract:
Die fuktionale Systemtheorie macht ernst mit dem das spukende Haus des Kybernetiker's Ashby, W. Ross, das dafür steht, dass Systemtheorie einen vollständig ideellen Mechanismus beschreibt. Systemtheorie ist in diesem Sinne reine Mathematik. Während in der Kybernetik Maschinen als Träger fungieren, fungieren in der Soziologie "Kommunikationen" als Träger des Systems. Diesen Zeitgeist nenne ich Informatik oder das Jahrhundert der Information. Die Informatik behandelt Computer, aber nicht solche, die an Materie oder Energie gebunden sind, sondern solche, die Information verarbeiten. Dass Computer aus irgendwelchen Materialien bestehen und Energie verbrauchen, ist irrellevant, für das, was in der Informatik beschrieben wird: Information.
In der funktionalen Systemtheorie fungieren Kommunikationen für Sinn, so wie in der Informatik Prozesse (Veränderungen von Variablen) für Information fungieren. Kommunikation beinhaltet Information neben Mitteilung und Verstehen, aber das Entscheidende (die Unterscheidung) besteht darin, Kommunikation jenseits von Träger (die hier Medien) heissen zu sehen. Zwar braucht es Medien, aber sie sid für die Sache, die behandelt wird auf die gleiche Art irrelevant, wie die konkreten Maschinen für die Turingmaschine.
Das Kritikschema (die Beobachtung 2. Ordnung): Daraus, dass es egal ist, wie und woraus Computer konstruiert werden, wird gefolgert, dass Computer jenseits von "wie und woraus" bestehen. Das ist die generelle Abstraktion, die ich in der Mathematik sehe, es scheint mir deshalb kein Zufall, dass N. Luhmann G. Spencer-Brown's schräge Mathematik (das re-entry) aufgegriffen hat.
Ein Aspekt in der Kommunikationstheorie
Das"Funktionale System" ist ein Konzept der funktional-strukturalisten Systemtheorie, in welcher (bei T. Parsons) die Gesellschaft und deren funktional bestimmten Institutionen einfach gegeben waren. Diese Soziologie (darum ging es im Positivismusstreit) ist reaktionär, sie hat kein Erneuerungspotential, weil sie Strukturen der gesellschaftlichen Realität untersucht und damit ganz wesentlich zur Stabilisierung der etablierten Herrschaftssysteme beiträgt - oder schwächer formuliert, keine neuen Systeme hervorbringen will. Systemenginieering dagegen ist eine konstruktive "Wissenschaft", die laufend neue Konstruktionen erfindet. Vordergründig liegt das Reaktionäre bei N. Luhmann darin, dass er mit Wissenschaft, Religion, Wirtschaft usw. genau das reproduziert, was der Fall ist. Er ist dieser Einteilung ausgeliefert, er kann sie nicht durchschauen. Er kann sie nicht auflösen.
Das konzeptionell reaktionäre liegt aber in einer bestimmten Anwendung der (kybernetischen) Systemtheorie:
Wenn man nun wie Luhmann verallgemeinert, dass das rufen subjektlos ist, gibt es keine politische Wahl mehr. Wir können dann genau deshalb (also weil wir SO beobachten, nur feststellen was ist.
Genau das wir als wissenschaftlich kaschiert, wo von Sozialwissenschaft im popperschen Sinn die Rede ist.
Nachdem Luhmann seine autopoietische Redeweise entwickelt hatte, erschien die Gesellschaft als emergentes Wesen, dass sich durch seine funktionalen Subsysteme selbstorganisiert. Die "funktionalen Systeme" erfüllen keine vor ihnen exstierende Funktion, sondern sie erzeugen die "Funktion", die sie erfüllen.
"Funktionale Systeme" sind keine Systeme im Sinne einer Technologie - wie sie auch in H. Maturana's Biologie aufscheint. H. Maturanas lebende Systeme haben eine "Haut", Artefakte kann man lackieren. Funktionale Systeme
definieren ihre Grenze sellbst. Von einem "sozialen Systemen" - und nur die interessieren den Soziologen - spricht er, wenn das System unterscheiden kann, ob etwas zum "System" gehört oder nicht.
Theoretisch interessant ist natürlich, inwiefern soziale Systeme beobachten, sprechen, zuordnen können.
N. Luhmanns "soziale Kommunikationssysteme" sind Institutionen und Gesellschaften, die nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikationen bestehen, in welchen Menschen quasi als Trägermaterial fungieren. Diese Kommunikationen einer Gesellschaft beinhalten insbesondere auch Gesellschaftsbeschreibungen, unter anderen auch jene, die N. Luhmann als Medium der Gesellschaft geschrieben hat. Deshalb kann N. Luhmann schreiben, dass sich die Gesellschaft selbst beschreibe. Natürlich tut sie das nicht in der ich-Form, weil sie sich ja durch Medien beschreibt. Gott und die Gesellschaft sprechen quasi durch autorisierte Statthalter, die sich Autoren nennen. Das Verfahren "es schreibt durch mich" finde ich im Zentrum jeder Esoterik.
Das was Luhmann "funktionale Systeme" nennt, nenne ich Handlungszusammenhang, ein Bespiel dafür ist Kunst.
Ich deute N. Luhmann's Werk als soziologische Gesellschaftstheorie, die in einem bestimmten Sinn systemtheoretisch argumentiert. Im Focus seines Interessens steht die Gesellschaft, die Systemtheorie ist für ihn eine Art, über Gesellschaft nachzudenken. Die vorliegende Systemtheorie focusiert die Systemtheorie. Gesellschaft wäre darin also ein beliebiges Beispiel für einen Gegenstand, den man allenfalls systemtheoretisch begreifen könnte.
Nassehi, Armin (1998), Gesellschaftstheorie und empirische Forschung. Über die "methodologischen Vorbemerkungen" in Luhmann Gesellschaftstheorie. Soziale Systeme, 4, 199-206.
Besio, Cristina; Andrea Pronzini (1999), Die Beobachtung von Theorien und Methoden. Antwort auf A. Nassehi, Soziale Systeme, 5, H. 2, 385-397.
Nassehi, Armin (2000), Theorie und Methode. Keine Replik auf, sondern eine Ergänzung zu C. Besio und A. Pronzini. Soziale Systeme, 6, 195-201.
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"Habermas: Herr Luhmann, Sie behaupten, daß meine Theorie gar keine Soziologie sei, da ich für meine Gesellschaftsanalyse einen idealen Maßstab, wie eine gute Gesellschaft aussehen sollte, brauche. Wie aber, frage ich sie, will man denn überhaupt Wissenschaft betreiben, wenn man seine normative Basis nicht reflektiert und offenlegt? Es gehört doch inzwischen unbestritten zum wissenschaftlichen Anstand, seinen Maßstab zu bennen, [...] An der Schwierigkeit, sich über den eigenen Maßstab Rechenschaft zu geben, hat die alte Kritische Theorie von Anbeginn laboriert. Ich habe es einerseits als meine Aufgabe angesehen, das Defizit der alten Kritischen Theorie zu beheben. Ich war immer der Auffassung, daß die normativen Gehalte einer Theorie zur Theorie selbst gehören müssen. Darum muß jeder Wissenschaftler seinen normativen Maßstab rekonstruieren. Andererseits wollte ich die Kluft zwischen gesellschaftlicher Realität und Idealen verringern. Ideale muß man als konstitutive Ideen verstehen, die ihres >fundamentum in re< nicht entbehren, und die politische Anstrengung der Menschen muß sich darauf richten, die Abweichungen von ihren lebensorientierenden Idealen zu verringern. In diesem Sinne ist das Projekt der Aufklärung erst noch zu vollenden.
Luhmann: Sehen Sie, an dieser Stelle habe ich bereits meine Schwierigkeiten. Als Soziologe kann man eine Gesellschaftstheorie so nicht einführen. Das könnte man als Philosoph oder als normativ orientierter Politikwissenschaftler, wobei ich auch dabei meine Bedenken anmelden würde. Die hatte ja auch Ihr Ziehvater Adorno schon, der sagt, daß sich das abstrakte Aufklärungsziel Gerechtigkeit in der gesellschaftlichen Realität zur Ungerechtigkeit wandelt. Adorno war in vieler Hinsicht realistischer als Sie. Ich habe ganz zu Beginn meiner Gellschaftstheorie im Jahre 1968 bereits gesagt, daß es um eine nüchterne, unbefangene Würdigung der Wirklichkeit gehen muß. ich bin zwar kein empirischer Forscher, doch basiert meine Theorie auf Milieukenntnis. [...] Als Jurist ist man immer mit Problemen konfrontiert und muß diese Probleme lösen. [...] Sieht man irgendwann einmal über den Rand seines Juristenhorizontes hinaus, entdeckt man, daß die Gesellschaft insgesamt doch ganz ordentlich funktioniert. Dann fragt man sich, wie trotz aller Probleme gesellschaftliche Ordnung möglich sei. Bei Ihnen ist eine gesellschaftliche Ordnung schon vorher da, und dann weiß man auch, wie die funktioniert. Bei mir stellt sich die Frage, wie es denn überhaupt zu einer Ordnung kommen kann. Ihr Ausgangspunkt ist die heile Welt, meiner die Probleme."
Zitiert nach: "Jürgen Habermas zur Einführung" von Detlef Horster, Seiten 33/34; Junius Verlag, Hamburg (1999); Zweite Auflage; ISBN 13 978-3-88506-630-9.