Niklas Luhmann        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

Funktionale Systemtheorie von N. Luhmann (Einführung - Begriffe - Kybernetische Kritik)

Literatur:

Soziale Systeme

Die Gesellschaft der Gesellschaft
Die Wirtschaft der Gesellschaft (1988)
Die Wissenschaft der Gesellschaft (1990)
Das Recht der Gesellschaft (1993)
Die Kunst der Gesellschaft (1997)
Die Religion der Gesellschaft (2000)
Die Politik der Gesellschaft (2000)
Das Erziehungssystem der Gesellschaft (2002)
Die Moral der Gesellschaft (2008)
 
mit Habermas:
Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie

Einführung in die Systemtheorie (2002)
Einführung in die Theorie der Gesellschaft (2005)
Probleme der theoretischen Soziologie
Funktionen und Folgen formaler Organisation
Soziologie des Risikos
Ökologische Kommunikation (1986)
Was ist Kommunikation?
Organisation und Entscheidung
Paradigm lost: Über die ethische Reflexion der Moral
Unbeobachtbare Welt
Zweckbegriff und Systemrationalität
Soziologische Aufklärung 1
Soziologische Aufklärung 3
Soziologische Aufklärung 5
Soziologische Aufklärung 6
Wie ist soziale Ordnung möglich?
Liebe als Passion

Gesellschaftsstruktur und Semantik
Erkenntnis als Konstruktion
Die Realität der Massenmedien
Zeichen als Form
Ideenevolution
Die neuzeitlichen Wissenschaften und die Phänomenologie
Theorie der Verwaltungswissenschaft
Aufsätze und Reden
Kausalität im Süden
Beobachter. Konvergenz der Erkenntnistheorien?
Politische Soziologie
Die Zukunft der Demokratie
Soziologie und der Mensch, Band 7
Reden und Schweigen
Politische Soziologie
Vertrauen (1973)
Kommunikation mit Zettelkästen

Aufsätze / Vorträge:

Wirtschaftsethik
Kausalität im Süden in: Soziale Systeme 1

Zeichen der Freiheit - oder Freiheit der Zeichen
Interview mit Luhmann über Liebe als Passion
youtube-Vortrag 1 Stunde über alles

über Luhmann:

wikibooks Luhmann
voutube Vorlesung Gibt es in unserer Gesellschaft noch unverzichtbare Normen ? 1/5
Luhmann-Lexikon von Detlev Krause

Zur Person


Bildquelle: Wikipedia

N. Luhmann (1927-1998) war ein deutscher Verwaltungswissenschaftler, der sich im Anschluss an den sogenannten Posistivismusstreit auf der rechten Seite (hinter K. Popper und H. Albers) gegen T. Adorno und vor allem gegen J. Habermas als und Gesellschaftstheoretiker profilierte (Habermas/Luhmann (1971): Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie, Frankfurt/M.) (siehe dazu (1)).
N. Luhmann, der vom Bürgerblock um H. Schelskyprotegiert wurde, stand zunächst in der Tradition der funktional-strukturalistischen Schule um T. Parsons, dessen "Systemtheorie" funktionierende Strukturen betonte. N. Luhmann focusierte dann aber die Funktion anstelle der Struktur.
1984 publiziert N. Luhmann sein Hauptwerk Soziale Systeme, in welchem er - in einer von H. Maturana nicht geteilten Anlehnung - seine Theorie der "Autopoiese sozialer Systeme" entwickelte, in welcher soziale Systeme sich als fortgesetzte Kommunikation hervorbringen, während die Soziologie Beobachtungen 2. Ordnung macht, in welcher sie (nur noch) beobachtet, wie die Systeme sich selbst beobachten. N. Luhmann beschrieb in der Folge einige "soziale Systeme" unter dem Titel "xy der Gesellschaft" (für xy Kunst, Religion, Wissenschaft, usw).

Die funktionale Systemtheorie von N. Luhmann (vergleichende Kritik):

In der Luhmannschen Konzeption besteht IST die Gesellschaft ein autopoietisches System, dessen Operation(sweise) darin besteht, Kommunikationen durch Kommunikationen zu produzieren - so wie der biologisch gesehenen Organismus (H. Maturana) im Metabolismus seinen Körper autopoietisiert (die Zellen produziert, aus welchen er besteht). N. Luhmann beobachtet als in seine Soziologie keine Menschen, sondern eben Kommuikationen. Menschen kommen in seiner Theorie nicht vor; die Theorie beschreibt vielmehr, wo und wie Menschen in der Kommunikation vorkommen, etwa wenn in einer Kommunikation vom "ich" oder von "Herrn Meier" usw. die Rede ist.

N. Luhmann rückt die Kommunikation, die das Wesen des Systemtheorie ist, durch eine Inversion ins Zentrum. Er folgt damit dem Informationszeitalter-Mainstream, der "Information" - seit A. Turing's universieller Maschine - als primär modelliert. Entsprechend ist seine Theorie an der Mechanik der Informationsverarbeitung orientiert, die wesentlichen Begriffe sind: System, Kommunikation, Operation, Programm, Code (also in etwa die zentralen Begriffe der Informatik).

N. Luhmann denkt aber nicht an Maschinen, sondern an Verhältnisse, die nicht teleologisch gesteuert werden, sondern selbstorganisiert Eigenwerte herausbilden (Autopoiese/Selbstorganisation). In der Gesellschaft und in den funktionalen Subsystemen gibt es keine Maschinenführer und auch kein Ziel, welches angestrebt würde. Die Gesellschaft ist ein Produkt ihrer eigenen Funktionsweise, die eben aus Kommunikationen besteht. Das technische Programm von N. Luhmann produziert deshalb Paradoxien, die er mit dem formalen Appparat von G. Spencer-Brown zu fassen versucht.

"Die beschriebene elementaristische Tendenz Luhmanns ist wahrscheinlich zu einem wesentlichen Teil durch den Einfluß der differenztheoretischen Überlegungen des Mathematikers George Spencer Brown herbeigeführt worden. Aus dessen Buch über die Laws of Form stammt die Idee einer Doppeloperation Unterscheiden/Bezeichnen (distinction, indication), die Luhmann zur Definition seines Beobachtungsbegriffs benutzt, sowie das Konzept des re-entry, des Wiedereintritts einer Unterscheidung in das durch sie Unterschiedene; beides übernimmt Luhmann bereits in den Sozialen Systemen (230, 660). In seinen konstruktivistischen Texten spielen an Spencer Brown angelehnte Überlegungen eine wichtige Rolle" (Zitat, Autor verloren).

Es gibt verschiedene Bezeichnung für die "soziologischen Systemtheorie von N. Luhmann. Ich bezeichne sie als funktionale Systemtheorie.


 

N. Luhmann im Netz: N. Luhmann auf Video
Luhmann-Liste
Luhmann-yahoo-goup (englisch)
www.soziale-systeme.ch - dort die Luhmann-Prominenz
Suhrkamp

N. Luhmann auf youtube N. Luhmann Interview

                 

Glossare:
Koloss & KoWi - Essener Kommunikationswissenschaft
produktive differenzen
Vademecum

Ein Aspekt in der Kommunikationstheorie

Zitate

"Ein System „ist“ die Differenz zwischen System und Umwelt." (Einführung in die Systemtheorie: 66)
Aber auch: "Es gibt selbstreferentielle Systeme." (Soziale Systeme: 31, siehe auch Die Wissenschaft der Gesellschaft: 65).
"Die folgende Ueberlegungen gehen davon aus, dass es Systeme gibt." (Soziale Systeme: 30). ...und auch ...
"Die Aussage 'es gibt Systeme' besagt also nur, daß es Forschungsgegenstände gibt, die Merkmale aufweisen, die es rechtfertigen, den Systembegriff anzuwenden; so wie umgekehrt dieser Begriff dazu dient, Sachverhalte herauszuabstrahieren, die unter diesem Gesichtspunkt miteinander und mit andersartigen Sachverhalten auf gleich/ungleich hin vergleichbar sind." (Soziale Systeme: 16)
P. Fuchs: "Diese Formulierung ist das Gegenteil von Fundamentalismus oder Hermetik. Sie lädt nicht zum 'Glauben' ein, sondern beispielsweise zum Wechsel der Theorie, wenn die Sachverhalte es nicht rechtfertigen, sie für Systeme zu halten.

"Mir ist im Umgang mit Schweizer Bergbauern aufgefallen, dass sie in ihrem Schwyzerdütsch auch Verben und Substantive weglassen, wenn das selbstverständlich ist; wenn man den Rest akustisch überhaupt noch mitbekommt, sind das völlig unvollständige Sätze, die aber offenbar für die Kommunikation untereinander ausreichen. Und dann sieht man, wie über die Schulerziehung - die älteren sind zum Teil kaum zur Schule gegangen, weil sie im Sommer auf der Alm sein mussten - die Schriftkultur auch in die artikulierte Normalsprache eindringt, so dass man auch für Leute, die man nicht kennt, verständlich sein muss und für spätere und fernab existierende Menschen die gleiche Art von Sprache verwendet." Niklas Luhmann: Einführung in die Systemtheorie

[]
[]

Anmerkungen, noch aufräumen:

N. Luhmann spricht von Kommunikation, aber so, dass es irgendwie nicht passt zu dem was in der Umgangssprache als Kommunikation bezeichnet wird. Ich überlege mir, welches andere "Begriffswort" für den Luhmannschen Begriff (Information/Mitteilung/Verstehen) passen könnte.
Mir scheint, dass N. Luhmann an Gespräche denkt, die durch eine Sprache möglich sind und eine Sprache schaffen. Sprache aber erscheint mir als Natur, nicht als etwas, was Menschen geschaffen haben.

"Die Metapher vom 'Staatsvertrag', durch den freie Naturmenschen sich selbst oder dem eingesetzten Souverän Vertrauen gewähren, entspricht keine Wirklichkeit. Gewiß: der Staatsbürger wählt. Aber die politische Wahl ist keine Beauftragung mit Interessenvertretung. Der deklarierte Leitgedanke dieser Institution lautet, daß die gewählten Volksvertreter nach Kriterien des Gemeinwohls zu entscheiden haben. Aber sie beanspruchen souveräne Entscheidungsgewalt, und einem Souverän kann man nicht vertrauen.
N. Luhmann: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität, Stuttgart 2000, S. 71 (erste Auflage 1968)
[]
[]
[]
[Zettelkasten]
[Weitere Sichten auf Luhmann]
[noch mehrSekundärliteratur] []
[Habernas]
[Maturana]
[N. Luhmann Requisite Variety]
[wp]