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==> Mein Projekt Theorie

Ich unterscheide Theorie und Theorien im Sinne von Objekt und Instanz. Theorien befassen sich normalerweise nicht mit Theorie, sondern mit der Plausibilisierung von Erklärungen.

Hier geht es um Theorie überhaupt. Was ich als meine Theorie bezeichne, steht unter meine Theorie.

Als Theorie bezeichne ich eine explizite Reflexion (Widerspiegelung) der Kategorien, die ich beim Beobachten von Sachverhalten verwende.

Als "gesunden Menschenverstand" bzeichne ich die Vorstellung, wonach ich meine Anschauung nicht reflektieren muss, weil ich immer die Wirklichkeit oder Tatsachen sehe.
Der gesunde Menschenverstand bezieht sein Plausibilität vor allem daraus, dass meinen Anschaungen sehr verschiedenen Theorien folgen, die überdies nicht leicht zu beobachten sind.

Weltanschauung setzen anstelle von Theorie geteilte Wahrheiten.


 

Verschiedene Anmerkungen

In der Wissenschaftstheorie (etwa beim theorielosen K. Popper) gelten oft auch auf Hypothesenbündel abgespeckte Beschreibungen als Theorien. A. Rapoport macht dazu einen präziseren Vorschlag: Theorie: Menge von theoretischen Aussagen, so dass die Fasifikation einer Aussage die ganze Menge betrifft. Beispiel: Ein defektes Rädchen in einer Maschine kann diese stoppen, nicht aber eine defekte Anzeige-Lampe. Nach Rappoport können theoretische Aussagen unter bestimmten Umständen falsifiziert werden. (Allgemeine Systemtheorie, 1988, 14)

Ingenieure entwickeln keine Theorien, sondern Methoden, weil ihre Konstruktionen nicht für etwas anderes stehen, also nicht erklären sollen.

Kalküle sind keine Theorien, sondern Mechanismen: Wenn sie hergestellt sind, kann man damit rechnen, wenn sie nur beschrieben sind, dienen sie als Anweisungen beim Rechnen.

Etymologie:
Das Wort Theorie (griech 'theorein) steht für beobachten, betrachten, schauen; (theoría: das Anschauen, ''wörtlich:'' „die Schau des Göttlichen“, ''theos''; die Betrachtung oder Wahrnehmung des Schönen als moralische Kategorie) bezeichnete ursprünglich die Betrachtung der Wahrheit durch reines Denken, unabhängig von ihrer Realisierung. Vermutlich deshalb wird der Begriff alltagssprachlich auch unbestimmt als Gegenteil] von Praxis benutzt.

Literatur:
J. Searle: Metapherntheorie (98ff). Ich glaube, Searle vermischt Theorie und Erklärung. Er macht eine fliessenden Uebergang, der ihm kaum bewusst ist.

Zitate:

.. dahinter steckt eine der zentralen Theorietechniken: Hochgeneralisierung plus Rekombination (Konkretion), oder anders gesagt: die Eröffnung eines Vergleichsbereiches (einer Äquivalenzzone), durch die sich die Deutbarkeit eines Phänomens inszenieren läßt. (P. Fuchs, 17.8.08)

Goethe rügt die Sucht, mit Erscheinungen sogleich durch subjektive Wirkungen Folgerungen zu verbinden, mit den schärfsten Worten, so «Sprüche in Prosa»; Natw. Schr., 4. Bd., 2. Abt., S.375: «Es ist eine schlimme Sache, die doch manchem Beobachter begegnet, mit einer Anschauung sogleich eine Folgerung zu verknüpfen und beide für gleichgeltend zu achten», und: «Theorien sind gewöhnlich Übereilungen eines ungeduldigen Verstandes, der die Phänomene gern los sein möchte und an ihrer Stelle deswegen Bilder, Begriffe, ja oft nur Worte einschiebt. Man ahnet, man sieht wohl auch, dass es nur ein Behelf ist; liebt nicht aber Leidenschaft und Parteigeist jederzeit Behelfe? Und mit Recht, da sie ihrer so sehr bedürfen.» (Ebenda S.376)

Beispiel einer Theorie-Praxis-Differenz:
„Man nennt einen Inbegriff selbst von praktischen Regeln alsdann Theorie, wenn diese Regeln, als Prinzipien, in einer gewissen Allgemeinheit gedacht werden, und dabei von einer Menge Bedingungen abstrahiert wird, die doch auf ihre Ausübung notwendig Einfluss haben. Umgekehrt heißt nicht jede Hantierung, sondern nur diejenige Bewirkung eines Zwecks Praxis, welche als die Befolgung gewisser im allgemeinen vorgestellter Prinzipien des Verfahrens gedacht wird“. (Immanuel Kant, Über den Gemeinspruch, S. 127).

[Principia Cybernetica Web]
THEORY
An imaginative formulation of apparent relationships or underlying principles of certain observed phenomena. It may have been verified to some extent, or it may be pure hypothesis or conjecture. (Iberall)

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