Beobachtung, beobachten        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Ich verwende den Ausdruck „beobachten“ für die Differenz zwischen gezieltem Wahrnehmen oder aufmerksamem Schauen und dem Berichten darüber, wie ich was beobachte.

Beobachtung heisst das Verhalten des Beobachters, das Phänomene konstituiert.

ausführlicher in: Beobachten als Phänomen

Hinweis: "zweitbeobachten": als eigentümliche (paradoxe) Form einer ideologischen Forderung nach Ideologiefreiheit


Beobachtung 1. Ordnung und 2. Ordnung

Die genannten Theorien unterscheiden zwei Beobachtungsebenen: eine Ebene der Beobachtung 1. Ordnung und eine der Beobachtung 2. Ordnung. Nach Bardmann/Lamprecht (1999: Beobachtung) zeichnet sich die Beobachtung 1. Ordnung durch die Beantwortung der Fragen „Was beobachte ich?“ oder „Was ist der Fall?“ aus. Die Antwort (in unserem Fall: Prävention) entspricht der Bezeichnung der einen Seite der Unterscheidung, wobei die nicht bezeichnete Seite als blinder Fleck des Beobachters erscheint. Mit dem Begriff des „blinden Flecks“ bezeichnet Heinz von Foerster (vgl. dazu Bardmann, 1999: 17) den Umstand, dass beim Beobachten die Unterscheidung nicht im Auge hat, die seiner Beobachtung zugrunde liegt. Er kann also nur sehen, was er sieht, und nicht, was er dabei nicht sieht.

Dieser „blinde Fleck“ Fleck kann nur durch eine weitere Beobachtung, eine Beobachtung 2. Ordnung erhellt werden. Es handelt sich dabei um eine Beobachtung, welche die Unterscheidung beobachtet, welche durch den Beobachter 1. Ordnung verwendet wurde – in unserem Fall die Unterscheidung Prävention/Gesundheitsförderung – „... und zwar mit Hilfe anderer Unterscheidungen (zum Beispiel der von wahr und unwahr)“ (Luhmann, 1994: 515). Die Beobachtung 2. Ordnung sieht also nicht mehr nur die eine Seite der vorher gewählten Unterscheidung, sondern beide, also auch das, was der Beobachter 1. Ordnung nicht gesehen hat. Die Vorzugsfragen lauten jetzt: „Wie, d.h. mit welchen Unterscheidungen, beobachtet der Beobachter?“ oder „Warum so und nicht anders?“ (Bardmann, Lamprecht, 1999: Beobachtung).


"Das Beobachten erster Ordnung ist das Bezeichnen - im unerläßtlichen Unterschied von allem[!], was nicht bezeichnet wird" (GdG, 1997, S. 102)

"Wir sagen also: ein Beobachten zweiter Ordnung liegt immer dann vor, wenn auf Unterscheidungsgebrauch geachtet wird; oder pointierter: wenn das eigene Unterscheiden und Bezeichnen auf ein weiteres Unterscheiden und Bezeichnen bezogen wird. [...] [...]" (GdG, 1997, S. 101. 102)

"Was man bezeichnen und unterscheiden kann, das "begreift" man." (F. Nietzsche, Die dionysische Weltanschauung, in: KSA Bd. I, S. 576)


 
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