Beobachtung, beobachten        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

"beobachten" ist das Verb zum Substantiv Beobachtung, ich bezeichne damit eine Tätigkeit und ein Resultat dieser Tätigigkeit. Als Beobachten bezeichne ich die Tätigigkeit eines Beobachters (ausführlicher in: Beobachten als Phänomen)

Ich verwende den Ausdruck „beobachten“ für die Differenz zwischen gezieltem Wahrnehmen oder aufmerksamem Schauen und dem Berichten darüber, wie ich was beobachte.
Terminologisch gebunden bezeichne ich mit Beobachten das Bezeichnen einer Unterscheidung, was im einfachsten Fall durch das Bezeichnen einer Seite der Unterscheidung geschieht.

Beispiel:
Wenn ich "oben" sage, habe ich (vermutlich oder vielleicht) oben und unten unterschieden und eine Seite der Unterscheidung gekennzeichnet.

Beobachtung 2. Ordnung

Als Beobachtung 2. Ordnung bezeichen ich das Beobachten meines Beobachtens.
Ich mach mir meine implizite Unterscheidung bewusst, indem ich den nichtbezeichneten Teil bezeichne. Dabei kann ich - D. Baecker folgend - auch den Raum bezeichnen, in welchem die Unterscheidung getroffen wird.

Beispiel:
Wenn ich "oben" sage, kann ich beobachten, dass ich oben und unten beispielsweise in einer Hierarchie unterschieden habe, und als Unterscheidungskriterium beispielsweise das Einkommen verwendet habe.

Eine spezifische Beobachtung 2. Ordnung, in welcher die verwendeteten Kategorien beobachtet werden, bezeichne ich als Theorie (mehr dazu unter Projekt Theorie)


 

In der Commonsense-Soziologie wird "Beobachtung 2. Ordnung" fast immer für das Beobachten von anderen Beobachtern verwendet, was aber eine Beobachtung 1. Ordnung ist. [ ]


 

Textstellen

"Das Beobachten erster Ordnung ist das Bezeichnen - im unerläßtlichen Unterschied von allem, was nicht bezeichnet wird" (Luhmann, GdG: 102)
"Wir sagen also: ein Beobachten zweiter Ordnung liegt immer dann vor, wenn auf Unterscheidungsgebrauch geachtet wird; oder pointierter: wenn das eigene Unterscheiden und Bezeichnen auf ein weiteres Unterscheiden und Bezeichnen bezogen wird. [...] [...]" (Luhmann, GdG: 101)
"Was man bezeichnen und unterscheiden kann, das "begreift" man." (F. Nietzsche, Die dionysische Weltanschauung, in: KSA Bd. I, S. 576)


 
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