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"Beobachter" nennt ein deutender Beobachter ein System, dessen Verhalten er als "Aussagen machen und auf Aussagen reagieren" deutet. Natürlich ist das Beobachter-System eine Blackbox. Der Beobachter beschreibt, was er wahrnimmt, in zwei Hinsichten oder Beobachter-Perspektiven, nämlich als deutender Beobachter oder als konstruierender Beobachter.

(Mehr über Beobachter in Crash-Kurs Systemtheorie)

Erläuterungen:
"Jede Aussage stammt von einem Beobachter" (Maturana)
Wenn man den Beobachter verschwinden lässt, entstehen Zeno's Paradoxien
Wenn man den Aussagenden verschwinden lässt, entsteht die Kreter-Paradoxie

Paraphrase: Der "Beobachter" ist ein Agent, der eine Entität in seiner Umwelt beschreibt.

Anmerkung:
Der Beobachter ist kein Organismus, sondern eine Instanz mit einem Organismus, die Aussagen machen kann. Diese Bedingungen erfüllen Menschen. Der Beobachter kann insbesondere auch Teile und Prozesse seines eigenen Organismuses wahrnehmen. Beobachter ist kein Synonym zu Mensch. Es geht hier also nicht um "den" Menschen schlechthin, sondern nur um Menschen in einer bestimmten Haltung, die man auch aufgeben kann.

H. Maturana grenzt Organismen durch eine Haut von deren Um-Welt ab (skin-encapsled system), N. Luhmann spricht im Unterschied zu Maturana beim Beobachter von einer abstrakten Instanz, die man gerade nicht als Mensch verstehen sollte, weil nach Luhmanns Auffassung nicht Menschen sondern soziale Syssteme handeln, für welche Menschen nur als Trägersubstanz fungieren.

Manchmal ist von "Beobachter beobachten" die Rede. Damit ist im Konstruktivismus eine rekursive Selbstbeobachtung gemeint, und in einem realistischen Verständnis das Beobachten anderer Beobachter: vergleiche Escher, wo sich der Junge im Museum sieht, während der Bildbetrachter den Jungen sieht.

Wenn man den Standpunkt des Beobachter verschwinden lässt, entstehen Zeno's Paradoxien, wenn man den Aussagenden verschwinden lässt, entsteht die Kreter-Paradoxie


Literatur:

Jede Aussage stammt von einem Beobachter. (Maturana:34, 148). Man kann - und ich tue es - diese Aussage in einem strengen Sinn lesen. Dann können nur Menschen als Beobachter fungieren, da eine Institution oder ein "soziales System" keine Meinung haben kann.

"Ein Beobachter ist ein menschliches Wesen, eine Person, jemand, der Unterscheidungen machen und präzise angeben kann, was er als eine von ihm selbst verschiedene Entität (ein Etwas) betrachtet, der dies hinsictlich seiner eigenen Handlungen und Gedanken in rekursiver Weise tun kann, und der stets imstande ist, all dies so zu tun, als ob er ausserhalb der gegebenen Situation stünde (bzw. von dieser getrennt wäre)" (Maturana:139)

F. Dürrenmatt: Der Auftrag, mit Untertitel: Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter.

Schroedinger: Geist und Materie über den verobjektivierenden Beobachter

OBSERVER
(l) One who watches without participating. (2) The source of factual evidence; a person who communicates his sense impression of the external environment. (3) Everything said is said to an observer. (Witz, in Von Foerster, 1974) (4) Observer dependence - the concept that knowledge of reality is dependent upon the perceptions of the observer. (5) Observer inseparability - the concept that observation or measurement affects the state of the object being observed, that is, objective measurement or observation from outside a system is not possible, and the act of observing makes the observer part of the system under study. Therefore, the observer or measuring device should be included in the definition of the system. (Weinberg) (6) A system which, through recursive interactions with its own linguistic states, may always linguistically interact with its own states as if with representations of its interactions. (Maturana and Varela, 1979) ([Principia Cybernetica Web])

D. Baecker: Beobachter unter sich - eine Negation des Beobachters als blosse Zurechnung auf eine Beobachtung.


 
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die erste Unterscheidung ist wohl, welche Systemtheorie ich wähle. Ich unterscheide dabei Systemtheorien, die sagen, dass es Systeme GIBT und dann auch noch, WAS Systeme SIND (und was nicht) - das bezeichne ich als alte ontologische Schule, die zurückreicht zu Hegel und Linne und Konsorten. Und andererseits "operative" Systemtheorien, die als Kybernetik auf die Welt gekommen sind und es dem Beobachter überlassen, was er als System bezeichnet - und dann auch dem Beobachter überlassen, wozu er Systeme abstrahiert. H. Maturana hat das auf den Punkt gebracht: Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt - was natürlich nur innerhalb der letzteren Systemtheorien sagbar ist, die erste Unterscheidung also bereits gemacht ist. "Zurechnung treffen" heisst in der kybernetischen Systemtheorie die Frage stellen: wer spricht? Wer hat gesprochen oder geschrieben? Und dabei kommen natürlich nur Instanzen ins Spiel, die sprechen können. PS Ich lese gerade wieder in Luhmanns Einführung und staune darüber, wei er Maturana liest. Maturana verlangt vom Beobachter, dass er sprechen kann und Luhmann liest, dass Maturana ein biologisches Bild hat, weil er offenbar an Menschen denke.


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