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Sehr oft wird in der Alltagssprache zwischen Technik und Technologie kaum unterschieden und wo es doch getan wird, lese ich meistens von Technik, wenn Technik kritisiert wird, und von Technologie, wenn darüber gestaunt wird, was technisch möglich ist. Ich verwende eine andere Unterscheidung:

Differenztheoretisch bezeichne ich als Technologie eine "Differance" zwischen einer Lehre der Technik und einer Weltanschaung, in welcher die Welt - vorab etwa in der Kybernologie - durch die Kategorien der Technologie beobachtet wird, was insbesondere auch in der Vorstellung eines toolmaking animals zum Ausdruck kommt.

Der Ausdruck Technologie wurde wohl zuerst von J. Beckmann (1777) verwendet und bezeichnet dort die Bemühung, Wissen in den Dienst der Technik zu stellen, wobei J. Beckmann zeitgemäss vor allem handwerkliche Verfahren als Technik auffasste. Diese Technologie im ursprünglichen Sinn entwickelt sich mit den in ihr beschriebenen technischen Verfahren, die insbesondere einer stets wachsenden Differenzierung und Arbeitsteilung unterliegen, die immer auch aufgehoben werden. A. Smith beschrieb 1776 die in 18 Teiltätigkeiten aufgeteilten Herstellung von Nähnadeln, die heute wohl aus einer Maschine kommen, bei deren Herstellung nicht mehr ganz 18 Teiltätigkeiten unterschieden werden.
Zur diesem Aspekt der Technologie gehören insbesondere die begriffliche Darstellung der Verfahren und der Artefakte, die in welchen die technischen Verfahren aufgehoben werden, und auch alle Institutionen, die sich mit Technik befassen, insbesondere die Ingenieure und deren Ausbildung.

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Meine Technologie beinhaltet eine Entwicklungsgeschichte

bildWerkzeug (Gerät)
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bildMaschine (Mechanismus)
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bildAutomat
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bildprogrammierbarer
bildAutomat

bild(Prozessor)

Eigentliche Werkzeuge muss ich mit meiner Körperkraft antreiben und mit selbst steuern.


 

In einer Inversion ist Technologie mein begriffliches Wissen schlechthin. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Entwicklung der Technik als eine Entwicklung des Begreifens. Jede Erklärung beschreibt die Funktionsweise eines Mechanismuses.

Technologie erscheint als Diskurs, der sich als "funktionales System" verselbständigt hat. Die Technik dient der Technologie.
Würde die Technik dazu entwickelt, den materiellen Wohlstand der Menschen zu verbessern, hätte die Technik bisher durchwegs versagt: Absolut und relativ verhungern oder verslummen immer mehr Menschen auf der Erde (egal, was welche Statistiken sagen, die von Nichtbetroffenen geschrieben werden).

Auf der Entwicklungsstufe der Kraftmaschinen erscheint die Technologie noch in den sogenannten Naturwissenschaften, etwa in der Thermodynamik aufgehoben. Erst auf der Stufe der Automaten hat sich die Technologie als Engineering – etwa als Informatik – von den Naturwissenschaften getrennt.


 

Noch eine generelle Bemerkung:

Als Technologie verstehe ich eine Auffassung (die ich gerne teile), wonach sich der Mensch als toolmaking animal begreifen lässt, wie B. Franklin und nach ihm K. Marx geschrieben haben, um die Wichtigkeit der der Werkzeugentwicklung in ihren Selbstverständnissen hervorzuheben.

Das Primitive des Neandertalers sind in dieser Sichtweise seine Werkzeuge. Ich kann beim Gattungswesen Mensch (toolmaking animal) keine wesentliche Entwicklung erkennen, ich erkenne aber leicht, dass die Gattung ihre Technik und mithin ihre Technologie entwickelt. Die “alten” Griechen waren wohl mindestens so intelligent und beweglich wie ich, aber sie hatten keine Computer und deshalb natürlich auch kein Wissen über Computer. Ich - und andere Menschen, die nicht im unberührten Urwald oder in sogenannten Entwicklungsländern leben - scheinen allenfalls entwickelter, weil wir eine entwickeltere Technik (zur Verfügung) haben. Insofern die Werkzeugherstellung ein Gattungskriterium ist, hatten (tauto)logischerweise bereits die ersten Menschen Werkzeuge, wenn auch sehr primitive. Die menschliche Gattung enwickelt nur ihre Technik, Tiere entwickeln sich - von Genmutationen abgesehen - gar nicht.

Aristoteles lebte in einer Epoche der antiken Polis, in welcher die Werkzeuge noch von Sklaven benutzt wurden. Aristoteles entwickelt deshalb sein Geschlecht nicht im Umgang mit Werkzeugen, sondern politisch im Umgang mit Sklaven. Deshalb schien ihm der Menschen ein politisches Tier. B. Franklin, dagegen war als einer der Begründer der USA ein Yankee, der Werkzeuge und Maschinen anstelle der Sklavenhaltung setzen wollte, deshalb sah er das toolmaking animal. Und unabhängig von den beiden, neigt die Geschichtsschreibung dazu, ihre Epochen anhand der Entwicklung der Technologie einzuteilen. In diesem – etwas tierischen – Sinne würde ich allenfalls sagen, der Mensch unserer Epoche ist ein systemerzeugendes Tier.


 

Literatur

kybernetics - Blog zu Technik, Technologie und zugehörigen Theorien

Todesco, R.: Technische Intelligenz oder Wie Ingenieure über Computer sprechen

„Betreibt man Technologie, findet man sich als Soziologe wieder. Betreibt man Soziologie, wird man zwangsläufig zum Technologen. […] Mit den Mittlern fangen nämlich immer die Ketten von Mittlern an, auch Netzwerke genannt. Man kommt nie an ein Ende mit ihnen. Soziologen und Technologen, diese verfeindeten Brüder, glauben jedoch, an ein Ende zu kommen, die einen beim Gesellschaftlichen, die anderen bei den Gegenständen. Das einzige, was sie nicht beenden können, ist ihr Bruderkrieg, ein Krieg, der uns daran hindert, die Welt zu verstehen, in der wir leben.“ (Latour, 1996:50/51)

Alan Kay, Erfinder des objektorientierten Programmierens, meinte: „Jede Technologie, die bereits existiert, wenn jemand geboren wird, wird im Leben dieses Individuums als ‚Kultur’ wahrgenommen, alles neu hinzukommende zunächst als ‚Technologie’“.


 
[[Principia Cybernetica Web]]
Literaturverzeichnisse im Netz: http://www.on-line.de/~u.skirke/literat.html
[The top 10 emerging technologies for 2012]
[fb-Gespräch mit HT anfangs 2014]
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