toolmaking animal
Werkzeughersteller
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"toolmaking animal" Werkzeugherstellung als das Wesens der Gattung Mensch gesehen werden. Man kann sich dazu fragen, was den Menschen von andern Lebewesen unterscheidet und dabei mehr oder weniger zufällig "Werkzeugherstellung" als Kriterium wählen. Dieses Kriterium hat etwa K. Marx im Kapital von B. Franklin übernommen und dazu geschrieben, dass dieses Kriterium für einen Yankee typisch sei, während es den alten griechischen Sklavenhaltern kaum in den Sinn gekommen wäre.
"Der Gebrauch und die Schöpfung von Arbeitsmitteln, obgleich im Keim schon gewissen Tierarten eigen, charakterisieren den spezifisch menschlichen Arbeitsprozeß, und Franklin definiert daher den Menschen als "a toolmaking animal", ein Werkzeuge fabrizierendes Tier" (MEW 1867:194).
Interessant, was K. Marx hier den Tieren zugesteht !


Quelle

"toolmaking animal" interpretiere ich als konstruierendes Subjekt im Sinne des Radikalen Konstruktivismus. Und bei K. Marx lese ich "toolmaking animal" als Schlüssel zum Verständnis seines sogenannten Materialismus's.

Werkzeugherstellung, Extelligenz, Technik

Götterdämmerung aus der Space Odysee


Wenn ich Schreiben als Handwerk bezeichne, bezeichne ich in gewisser Hinsicht einen spezifischen Moment einer logisch dort geteilten Entwicklung. Zunächst geht es um die Autopoiese der Schrift, das heisst darum, dass Schreiben überhaupt als Tätigkeit entstanden ist. Danach geht es darum, wie sich diese Tätigkeit ausdifferenziert. Wenn ich beispielsweise von der Entwicklung des Menschen spreche, unterscheide ich in diesem Sinne eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Menschen kann ich beispielsweise – wenn mir das gefällt – als toolmaking animals sehen. Dann beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge entwickeln.

Wenn ich mich in diesem Sinne als schreibendes Tier begreife, unterscheide ich eine quasi naturhistorische Entwicklung, welche mit der Verwendung von Symbolen abgeschlossen ist, und sozialhistorische Entwicklung, in welcher Symbole sich als Gegenstand der gesellschaftlichen Produktion entwickeln. Schrift-Sprache


Literatur / Links

toolmaking animal: Kapital S.194
(13) Aristoteles' Definition ist eigentlich die, daß der Mensch von Natur Stadtbürger. Sie ist für das klassische Altertum ebenso charakteristisch als Franklins Definition, daß der Mensch von Natur Instrumentenmacher, für das Yankeetum (Marx, Kapital, 346)

K. Marx lächelt hier darüber, wie die Leute in ihrer Zeit befangen sind. Ich dagegen wäre in seinen Augen wohl ein Yankke, weil ich immer noch keine wesentlichere Charaterisierung als die eines toolmaking animal erkennen. Allerdings geht es mir nicht um die Charaterisierung des Menschen, sondern um die Charakterisierung meines begrifflichen Beobachtens. Ich finde es ziemlich unsinnig (oder historisch befangen) zu sagen, dass DER Mensch "von Natur, wenn nicht, wie Aristoteles meint, ein politisches, jedenfalls ein gesellschaftliches Tier ist. (Marx, Kapital, 346)

Wikipedia:
Als Werkzeughersteller bezeichnet die Klassifizierung (Industrienorme NACE) Personen, die in der Entwicklung und Herstellung von Werkzeugen tätig sind. Dabei kann grob unterschieden werden zwischen den Herstellern von Produktionswerkzeugen im Werkzeugbau (z. B. Formen für das Spritzen von Kunststoffsteilen), den Herstellern von Handwerkzeugen (z. B. Zangen), den Herstellern von Maschinenwerkzeugen (z.B. Fräser, Maschinenbohrer) und den Herstellern von Elektrowerkzeugen (z. B. Bohrmaschinen).
Das Handwerk der Werkzeughersteller wie Werkzeugschmiede wurde durch die im 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung zunehmend durch größere Industriebetriebe verdrängt.

Toolmaking animals (aus Blog kybernetiks)

ich lese von Tierfreunden immer wieder mal den Verweis auf Werkzeugherstellung bei Tieren. Zum einen soll das beweisen, dass Tiere intelligent oder uns in dieser Hinsicht evolutionär sehr verwandt sind. Zum andern soll das beweisen, dass die Menschen nicht so einzigartig sind, wie sie dies anthropozentrischerweise oft annehmen oder gar behaupten.

Ich unterscheide beispielsweise Katzen, Schlangen, Fische und Menschen als verschiedene Arten in der Fauna, die ich von der Flora unterscheide. Diese Unterscheidungen sind für mich praktisch, aber nicht wesentlich. Ich sage damit nichts über das Wesen von Katzen. In vielen Zusammenhängen verhalte ich mich verschiedenen Arten von Lebewesen gegenüber verschieden. Und indem ich sie als Arten unterscheide, erkenne ich auch, dass sie als “animals” zusammengehören oder unter einen gemeinsamen Oberbegriff fallen.

Aristoteles, von welchem ich nicht annehme, dass er je gelebt hat, soll Menschen von anderen Tieren dadurch unterschieden haben, dass sie die einzigen ungefiederten Zweibeiner sind. Er bezeichnete dieses Abgrenzungs- oder Definitionskriterium als zufälliges, also als nicht wesentliches Kriterium, weil er meinte, damit nicht das Wesen des Menschen getroffen, sondern einfach ein beliebiges Merkmal gefunden zu haben, um Menschen nicht nur sicher von anderen Tieren unterscheiden zu können, sondern überdies auch sagen zu können, wie er es macht. Ich selbst besitze keine Sklaven und habe deshalb auch nicht das Bedürfnis zu sagen, wie ich Menschen von anderen Lebewesen unterscheide. Wie auch immer, schon Aristoteles zählte die Menschen zu den Tieren.

Mit “toolmaking animals” bezeichne ich weder eine zufällige noch eine wesentliche Charakterisierung des Menschen. Mit toolmaking bezeichne ich einen generativen Prozess, dessen Produkte Werkzeuge sind. Es spielt keine Rolle, wer die Werkzeuge produziert. Animal ist ein Platzhalter für einen Verursacher, der durch das “Making” im umgangssprachlichen Sinn hinprojiziert wird. Der Focus der Beobachtung liegt aber auf der autopoietisch gedachten Hervorbringung und Entwicklung der Werkzeuge.

Autopoiese kann man – ich glaube, dass H. Maturana das tut – auf Lebewesen beziehen, die sich in dem Sinne selbst machen, als sie nicht gemacht werden. Man kann Autopoiese aber auch – und ich tue es – als Theorie auffassen, also als Anschauungsweise, in welcher den beobachteten Gegenstände keine Macher zugeschrieben werden. Die Unterscheidung Natur/Kultur im Sinne von selbstorganisiert versus hergestellt bezieht sich dann darauf, ob ich den beobachteten Gegenstand – prinzipiell und in einem spezifischen Sinn – herstellen kann oder nicht. Als herstellen bezeichne ich das bewusste Formen von Material. Was ich herstellen kann, bezeichne ich als Artefakt.

Als tools oder Werkzeuge bezeichne ich Artefakte, die ich evolutionstheoretisch rückwärts blickend als noch nicht entwickelte Maschinen erkenne, wobei Maschinen noch nicht entwickelte Automaten sind. So wie der Mensch dem darwinistischen Evolutionstheoretiker der Schlüssel zum Verständnis des Affen ist, ist mir der Automat der Schlüssel zum Verständnis des Werkzeuges. Mit toolmaking bezeichne ich die Verwendung dieser spezifischen Perspektive. Ob und inwiefern irgendein wirkliches Wesen Werkzeuge herstellt ist dabei nicht relevant. Relevant ist die Beobachtung, die die Entwicklung der Werkzeuge als Technik beobachtet und in einer Technologie beschreibt.


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