Materialismus        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Als "Materialismus" bezeichne ich eine Auffassung, nach welcher die konstruktive Tätigkeit (die im Konstruktivismus gemeint ist), zwei Unterscheidungen verwendet: Form ud Material. Wenn ich ein Artefakt herstelle, muss ich Material formen. Material ist in diesem Sinne aber nicht Materie, die vorhanden ist, sondern etwas, was sich durch die herstellende Formgebung konstituiert. Wenn ich ein Schwert oder eine Sichel schmiede, forme ich etwas, was ich als Materiel bezeichne.

"Materialismus" bezeichnet so gesehen, eine operative Sicht, in welcher bestimmte Unterscheidungen gemacht werden. Das hat nichts mit einer wirklichen Beschaffenheit einer gegeben Welt zu tun, sondern etwas damit, wie man sich die Aneignung der Welt vorstellt.

Zu "Materialismus" gibt es beliebig viele Auffassungen. Verbreitet sind Vorstellungen, die an ein naives Naturwissenschaftsverständnis anschliessen, in welchem man sich die Welt als Materie vorstellt, die beispielsweise aus Atomen und dergleichem besteht.


In der Dialektik von K. Marx lese ich, dass sich Materialisten widersprechen, weil sie beim Tausch Gewinn machen wollen, den sie "materiell" in Geld ausdrücken. Die Monetaristen, die Geld voraussetzen, kümmern sich nur noch um Formen.


W. Haug bezeichnet den Historischen Materialismus als Philosophie der Praxis (im Argument 236:387f und unterscheidet einen "anschaulichen Materialismus" von einem Materialismus wie ihn Marx in den Feuerbach-Thesen vorgeschlagen hat (den Haug bei Gramsci (und bei Brecht) wiederfindet. Bezüglich der traditionellen Unterscheidung schreibt Haug: "Er (Gramsci) hat wohl gespürt, dass die materialistische Entscheidung der Grundfrage der Philosophie eben eine Entscheidung ist, also eo ipso ein Bewusstsein oder Subjekt in eine im Doppelsinn entscheidende Position rückt. Sèves 'ferme affirmation' des Primatesder Materie ist in der Tat bei aller Entschlossenheit und Festigkeit ein subjektiver Akt. Das nichtprimäre anerkennt den Primat; der Primat dieses Akts liegt bei der Instanz, die ihn sich abspricht. Sie tut es, aber sie weiss es nicht. Dies ist der Dezionismus der ontologischen Widerspiegelungstheorie. Ihr Bekenntnis zum hilosophischen Materialismus ist also von der ironischen Dialektik heimgesucht, unwillentlich eine subjektivistische und idealistische Note zu tragen. ....
Marx, der in der ersten Feurbachthese das Innenwelt-Aussenwelt-Schema des anschaulichen Materialismus verwirft und verläst und sogar den Idealismus bei aller Kritik bevorzugt, weil dieser das Subjekt wenigsten tätig denkt, wenn auch nur mental und nicht materiell. ... Brecht: wir können letztlich nur erkennen, was wir verändern können.

Ein spezifische Form des Materialsimus ist mein Konstruktivismus: Konstruktionen sind geformte Materie.


LexiRom (wie üblich unreflektiert, nur populäre Gängigkeit):
Materialismus [lat.], Begriff, der seit dem 18.Jh. eine philosophische Grundposition bezeichnet, die im Unterschied zum Idealismus die Materie als das Bestimmende, als Grundlage oder Ursache allen Seins und Bewußtseins begreift. Metaphysische oder theologische Erklärungen werden als nicht überprüfbar abgelehnt: die Materie und ihre Bewegungsgesetze gelten als Kriterien aller Erkenntnis. Insofern ist der Materialismus auch ein Atheismus. Die Gesetze der Veränderungen in Natur, Gesellschaft und Theorie werden v.a. mit Hilfe der Dialektik erklärt. Philosophiegeschichtlich waren v.a. der Atomismus der antiken Philosophen sowie der Mechanismus der frühen neuzeitlichen Naturwissenschaft bedeutend; im 19.Jh. erklärten F. Engels und K. Marx den dialektischen Materialsimus zusammen mit dem histororischen Materialsimus zur Grundlage des Marxismus.
 
Materialist [lat.], 1. Vertreter des Materialismus; 2. jemand, der nur auf Besitz und Gewinn bedacht ist. (c) Meyers Lexikonverlag