Der Radikale Konstruktivismus ist eine "Variante" des Konstruktivismus, die auch als Systemtheorie 2. Ordnung bezeichnet wird (siehe Crashkurs).
there is a paper of 1974 by Ernst von Glasersfeld that could provide a good historical background for answering the question. In that paper the term "radical constructivism" has been used for first the time in history: "Piaget and the radical constructivist epistemology". In C.D.Smock & E. von Glasersfeld (Eds.), Epistemology and education. Athens, GA: Follow Through Publications, 1-24. The same paper has been reprinted 1988 in a collection of von Glasersfeld's articles (chapter 6): The construction of knowledge -- Contributions to conceptual semantics. Salinas, CA: Intersystems Publications.
Wir verstehen den Radikalen Konstruktivismus als eine Theorie des Wissens, die Ernst von Glasersfeld aus Theorieansätzen von Jean Piaget entwickelt hat. Der Ausdruck "Konstruktivismus" stammt in diesem Kontext von J. Piaget, der untersuchte, wie sich ein Kleinkind die Wirklichkeit "konstruiert" (u.a. La construction du réel che l' enfant (1937)). Der Ausdruck "Radikal" bezeichnet, die Radikalität des Ansatzes von E. von Glasersfeld, zu welcher J. Piaget sich nicht entschliessen konnte: nämlich dass jedes Wissen eine Konstruktion ist, weil das wissende Subjekt keine Möglichkeit hat, sein Wissen jenseits seiner Erfahrungswelt zu verifizieren. (Der Ausdruck "Konstruktion" wird dabei sehr eigen verwendet, soll sagen, dass keine Naturgebenheit vorhanden sei). Natürlich - quasi im Sinne der Anwendung der konstruktivistischen Theorie auf sich selbst - besitzt jeder Mensch seinen eigenen Konstruktivismus. Wir entfalten unsere Vorstellungen und unsere Perspektiven zum Radikalen Konstruktivismus auf dieser Site allgemein und speziell im Crashkurs Systemtheorie 2. Ordnung.
Wir sprechen - und wähnen uns dabei im common sense der engineering-Welt - von eigentlicher Konstruktion, wo Artefakte höherer Ordnung produziert werden. Der Eifelturm ist eine Konstruktion aus Profileisen, die ihrerseits keine Konstruktionen, sondern elementare Artefakte sind. Die Konstruktionen, für die wir uns in unserer Forschung hauptsächlich interessieren, auch weil wir sie systemtheoretisch sinnvoll beschreiben können, sind die kybernetischen Maschinen (Automaten). Halbwegs entwickelte Konstruktionstätigkeit produziert Konstruktionszeichnungen (Pläne), also Beschreibungen von den Artefakten, die hergestellt werden (the map is not the territory). Auf der entwickelten Stufe der Konstruktionstätigkeit, auf der Ebene der Programmierung wird die Unterscheidung zwischen dem Konstruktionsplan und dem refenzierten Produkt hinfällig (the map is the territory).
Konstruktivismus ist eine ausführlich dokumentierte Anleitung dafür, wie man für Metaphern eine zweite Redeweise generiert. (Das ist eigentlich keine These, weil E. von Glasersfeld seinen Konstruktivismus genau so - nämlich zur Lösung von Problemen, die einer falsch verstandenen Semantik geschuldet sind - eingeführt hat).
Hinweis:
Weder bei J. Piaget noch bei E. von Glasersfeld wird der Ausdruck "Konstruktion" explizit reflektiert. Beide verwenden ihn als unproblematische Metapher für eine nicht nährer beschriebene geistige oder mentale Tätigkeit verwendet. (Allemfalls bei Sivio Ceccato, einem Vorläufer des Radikalem Konstruktivismus, lassen sich Hinweise darauf finden, dass Konstruktion technologisch gesehen wird, weil er seine Ueberlegungen mit dem Bau von intelligenten, wahrnehmungsfähigen Maschinen motiviert).
Grundlagen-Literatur:
H. Maturana: Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit
E. von Glasersfeld: Wissen, Sprache, Wirklichkeit
H. von Förster: Wissen und Gewissen
Geraffte Darstellung: (Henk Goorhuis: Abschied von der Wirklichkeit: Von der Objektivität über die Subjektivität zum Konstruktivismus. In: Ueber die Grenzen des Planbaren hinaus, Ifi, 1995)

Site von Josef Größchen
www.univie.ac.at/constructivism