Konstruktion        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

Konstruktion heisst der Prozess, in welchem Artefakte zu einem Artefakt höherer Ordnung zusammengefügt werden und das Artefakt, das aus diesem Prozess hervorgegangen ist.

Im Artefakt ist das Herstellen noch ganz allgemein gemeint. Wenn ich einen Hammer oder einen Faustkeil herstelle, antizipiere ich - wenn auch sehr sehr unvollständig - , was ich später mit diesen Werkzeugen machen kann und will. Dabei antizipiere ich Handlungen von mir, weil das Werkzeug selbst nicht operiert. Wenn ich dagegen entwickeltere Werkzeuge, also Maschinen und Automaten herstelle, antizipiere ich Operationen, die objektiv, also unabhängig von mir sind. Bei solchen Artefakten bekommt das Herstellen einen spezifischen Charakter, den ich mit dem Ausdruck Konstruieren eigentlich meine.

Konstruierierbar sind Artefakte, also Tat-Sachen im eigentlichen Sinne des Wortes. Re-Konstruierbar ist, was sich als Artefakt konstruieren lässt.

Beispiele:

Erläuterung:
Die innerste Formgebung, etwa das Herstellen eines Bleches, das beim Konstruieren verwendet wird, heisst nicht konstruieren. Konstruieren ist konventionellerweise mit technischen Zeichnungen verbunden (vgl. Todesco 1992, S.197).

                          

Hinweise:
Laut Duden "ist ein Konstrukt eine Arbeitshypothese oder eine gedankliche Hilfskonstruktion für die Beschreibung von Dingen oder. Erscheinungen, die nicht konkret beobachtbar sind, sondern nur aus anderen beobachtbaren Daten erschlossen werden können".
In dieser Formulierung ist aufgehoben, dass Konstruktionen als Erklärungen von Phänomenen dienen.


Konstruktionen im Konstruktivismus

In unserer Auffassung von Konstruktivismus ist das Nomen Konstruktion Omen. Wir sprechen - und wähnen uns dabei im common sense der engineering-Welt - von eigentlicher Konstruktion, wo Artefakte höherer Ordnung produziert werden. Der Eifelturm ist eine Konstruktion aus Profileisen, die ihrerseits keine Konstruktionen, sondern elementare Artefakte sind.

Die Konstruktionen, für die wir uns in unserer Forschung hauptsächlich interessieren, auch weil wir sie systemtheoretisch sinnvoll beschreiben können, sind die kybernetischen Maschinen (Automaten), die wir selbst konstruieren (MailTack).

Halbwegs entwickelte Konstruktionstätigkeit produziert Konstruktionszeichnungen (Pläne), also Beschreibungen von den Artefakten, die hergestellt werden. (the map is not the territory). Auf der entwickelten Stufe der Konstruktionstätigkeit, auf der Ebene der Programmierung wird die Unterscheidung zwischen dem Konstruktionsplan und dem refenzierten Produkt hinfällig (the map is the territory).

Im biologischen Konstruktivismus von Piaget und im epistemologischen Radikalen Konstruktivismus wird der Ausdruck "Konstruktion" nicht explizit refelektiert, sondern als unproblematische Metapher für eine nicht nährer beschriebene geistige oder mentale Tätigkeit verwendet. (Allemfalls bei Sivio Ceccato, einem Vorläufer des Radikalem Konstruktivismus, lassen sich Hinweise darauf finden, dass Konstruktion technologisch gesehen wird, weil er seine Ueberlegungen mit dem Bau von intelligenten, wahrnehmungsfähigen Maschinen motiviert).

ausführlicher in: Rolf Todesco: Hypertext oder Was heisst Konstruktion im konstruktivistischen Diskurs?


Eifelturm https://www.google.at/search?q=eiffelturm+im+bau&safe=off&rlz=1C1RNAN_enAT449AT449&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=f32vUcSnOoqQtAbTqYGgBA&ved=0CAcQ_AUoAQ&biw=1360&bih=653


 
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