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Latour, Bruno: Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften. Berlin 1996.

Volltext

„Betreibt man Technologie, findet man sich als Soziologe wieder. Betreibt man Soziologie, wird man zwangsläufig zum Technologen. […] Mit den Mittlern fangen nämlich immer die Ketten von Mittlern an, auch Netzwerke genannt. Man kommt nie an ein Ende mit ihnen. Soziologen und Technologen, diese verfeindeten Brüder, glauben jedoch, an ein Ende zu kommen, die einen beim Gesellschaftlichen, die anderen bei den Gegenständen. Das einzige, was sie nicht beenden können, ist ihr Bruderkrieg, ein Krieg, der uns daran hindert, die Welt zu verstehen, in der wir leben.“ (S. 169)

"Auf diesem Stich aus dem Scientifi.c American von 1885 ist eine andere Sammlung zu sehen, eine Sammlung von Maschinen aus der Ingenieursschule an der Cornell-Universität in den Vereinigten Staaten.Auch hier wieder machen Ordnung, Zusammenstellung und Klassifizierung den Vergleich möglich.W ie soll man eine Taxonomie von Maschinen aufstellen, wenn diese nicht gleichzeitig mit einem Blick erfaßbar sind? Mit Worten lassen sich Maschinen nie beschreiben. Und die wirklichen Maschinen sind riesig und abstoßend. Auch hier finden wir wieder eine Zwischenlösung: verkleinerte Modelle, die sorgfältig gepflegt und geordnet sind. Es handelt sich nicht um ein Museum. Die Technologie, d. h. die Wissenschaft von de􀂂 Techniken ist, angefangen bei der Bibliothek von Alexandria, nur unter der Bedingung möglich, daß man solche Arrangements herstellt. (Eugene Ferguson)“ (S. 50/51)

"Eine Maschine, die rechnet, schreibt, liest, visualisiert und kombiniert, liefert den Materialisten nicht wenig Argumente. Das Denken hat hier nicht nur Gestalt gewonnen, sondern wird hier auch produziert und kalkuliert. Was mit der Informationstheorie begonnen hat, hat die Praxis der Informatik vollendet: Die Information ist zu einem Bestandteil der physischen Welt geworden. Wenn Philosophen und Sekretärinnen mit Bytes und Bauds rechnen, können sie keine Idealisten mehr sein. Die immer häufigere Verwendung des Worts ),Technologien der Intelligenz« weist auf diesen neuen, vor kurzem noch undenkbaren Hybriden hin.“ (S. 175)

Anmerkung von RT:
Die meisten Soziologen, die ich kenne, verwenden das Wort Technologie nicht für eine Logie. Es muss ihnen deshalb komisch vorkommen, dass Technologie und Soziologie verglichen werden (können). Soziologen sind schliesslich Menschen mit einem Diplom in Soziologie, während es Technologen in diesem Sinne gar nicht gibt. Latour macht da soziologisch gesehen ein eigenartiges Gemenge?