Struktur beobachte ich in geordneter Inhomogenität Bezüglich Entitäten unterscheide ich verschiedene Ausprägungen von Strukturiertheit, was ich im Falle von Identitäten als Veränderung des Strukturniveaus bezeichne. Beispiele:
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Form ist sinnlich, Struktur ist abstrakt, beim Zeichen fallen die beiden zusammen, ein Signal hat kein Form, sondern nur Struktur, die sich etwa mit einem Oszilographen einer Form zuordnen lässt
"Struktur" ist ein formaler Begriff, der eine Eigenschaft einer komplexen Entität bezeichnet: ihre statische Beschreibbarkeit. Folgende (Struktur-)Parameter können unterschieden werden:
Grösse, Mächtigkeit: eine Entität wächst, indem die Anzahl ihrer Teilentitäten, die wir auch Elemente nennen, grösser wird. Differenziertheit: eine Entität differenziert sich, indem ihre Inhomogenität zunimmt, was einer Spezialisierung ihrer Teilentitäten entspricht.
Ordnung: eine Entität erreicht eine höhere Ganzheitlichkeit oder Individuation, indem ihre Ordnung eindeutiger wird, also durch eine höhere Integration der Sub-Entitäten (Todesco, 1992:93). Das Resultat der Veränderung dieser Eigenschaftsaspekte, sind verschiedene Struktur-Niveaus. Den Prozess der Veränderung in Richtung auf ein höheres Strukturn-Niveau bezeichnen wir als Entwicklung.
Maturana 1982/5:140 Ziemlich kompliziert über Struktur, aber die Unterscheidung zwischen Organisation und Struktur, etwa so wie in diesem Lexikon System und Struktur unterschieden wird.
Vgl. Ciompi, 1988 , 142, der Strukur als Produkt aus Varianz und Invarianz beschreibt.
aus Technische Intelligenz:94:
Der Ausdruck "Struktur" steht also für die geordnete Inhomogenität einer Menge von Teilentitäten, wobei Inhomogenität das Vorhandensein mehrerer und verschiedener Elemente bezeichnet (75). "Verschiedene Elemente" ist eine laxe Formulierung dafür, dass, wenn die Struktur nur ein Elementtyp enthält, quasi Nichtelemente andere Stellen der Anordnung besetzen. "Individuation" bezeichnet hier die Unterscheid- und Erkennbarkeit einer bestimmten Entität unter anderen Entitäten. Struktur ist eine "inhaltsleere" Eigenschaft, die es möglich macht, Entitäten jenseits von Inhalten quasi durch Form zu charakterisieren.
Mit inhaltsleeren Begriffen kann man sich auf beliebige inhaltlich gebundene Dinge beziehen. So erscheint beispielsweise eine Ansammlung von Maschinenteilen wie Schrauben, Gehäuseteile, Dichtungen, Kolben und Stösselstangen - abstrakt - als eine abzählbare Menge von Entitäten. Natürlich gehört zu jeder In/Homogenität eine bestimmte Auflösungsfeinheit. Als Maschinenteile ist die Menge homogen, wenn man die einzelnen Teile unterscheidet, ist sie inhomogen. Die Ganzheitlichkeit oder Individuation einer Entität entspricht dann dem Grad ihrer quantifizierbaren strukturellen Ordnung, nicht mehr ihrem inhaltlichen Gebrauchswert oder Sinn. Für einen bestimmten, relativ unsensiblen Roboter, der beim Bau seiner Nachfolgegeneration Schrauben bestimmter Grösse benötigt, müssen diese so sortiert sein, dass er am selben Ort immer dieselbe Schraubengrösse findet. Wären die Schrauben nicht oder nach einem anderen Kriterium als der Grösse sortiert, erschienen sie dem Roboter als Unordnung. Un-Ordnung bei den Schrauben zeigt sich dem Roboter darin, dass es zufällig ist, ob er jeweils eine richtige oder eine ungeeignete Schraube zieht. Ordnung ist die Negation dieser Zufälligkeit, wo Ordnung ist, zieht auch der relativ einfältige Roboter immer die richtige Schraube. Schliesslich kann das jeweilige Gesamt der geordneten Teile auch, von den einzelnen Teilen aus, als Organisation betrachtet werden. Alle gleich grossen Schrauben sind organisiert, wenn sie unter ihresgleichen in derselben Schachtel sind. Was vom jeweiligen Gesamt, also von der Schachtel her gesehen Ordnung ist, ist für die Teile ihre Organisation. Ordnung ist innen-, Organisation ist aussen-orientiert. Wir sagen umgangssprachlich, erstere hat Sinn, letztere hat Zweck. Die Ordnung einer Organisation ist sinnvoll, wenn die Organisation ihrem Zweck adaptiert ist. Wenn die Schrauben beispielsweise ihrer Grösse nach sortiert sind, ist ihre Organisation an ein bestimmtes Auflösungsvermögen des Roboters adaptiert. Ein Roboter, der ,merkt‘, ob er eine richtige Schraube ergreift oder nicht, ist an eine relative Desorganisation der Schraubenansammlung adaptiert. Abstrakt lässt sich strukturelle Ordnung als Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Variablenwertes bei einer Messoperation, die Qualität und Auflösung festlegt, respektive als das Mass der Wahrscheinlichkeit, mit welcher die Anordnung der Elemente relativ zu anderen Elementen voraussagbar ist, interpretieren. Die Voraussagbarkeit beruht bei dieser Abstraktion auf zwei Ordnungsprinzipien, die durch unseren Roboter veranschaulicht werden. Wir unterscheiden Harmonie oder inneres Gleichgewicht und Organisation oder Adaption, je nach dem, ob die Vorhersage bezüglich der Qualität eines Elementes auf der Anordnung von Elementen innerhalb oder ausserhalb der Struktur beruht:
In einer Sache ist in diesem abstrakten Sinn um so mehr Ordnung, je sicherer sich die Art und die Anordnung der Teile vorhersagen lassen. Deshalb erscheinen beispielsweise symmetrische Figuren als relative Ordnungen. Hohe Ordnung entspricht betreffs des Informationsgehalts hoher Redundanz, sie lässt sich mit einer Formel quantifizieren (76).
Literatur
"Eine Struktur besteht also, was immer sie sonst sein mag, in der Einschränkung der im System zugelassenen Relationen. Diese Einschränkung konstituiert den Sinn von Handlungen, und im laufenden Betrieb selbstreferentieller Systeme motiviert und plausibilisiert der Sinn einer Handlung dann natürlich auch das, was als Verknüpfbarkeit einleuchtet." Luhmann, N., Soziale Systeme, Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt a.M. 1984, S. 384
"Struktur leistet ... die Überführung unstrukturierter Komplexität in strukturierte Komplexität. Unstrukturierte Komplexität wäre entropische Komplexität, sie würde jederzeit ins Unzusammenhängende zerfallen. Die Strukturbildung benutzt diesen Zerfall, um daraus Ordnung aufzubauen." a.a.O.:383