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bildHomonyme: für Schriftbild (Typografie, "ich kann deine Schrift nicht lesen“)

Den Ausdruck "Schrift" verwende ich homonym für Schrift (ohne Plural) und für je bestimmte Schriften:

Als Schrift überhaupt bezeichne ich einen Handlungszusammenhang, in welchem ich bestimmte Verhaltensweisen als Schreiben deute. Schrift definiert - in diesem operativen Verständnis - die Form von Text, der als geschriebenes Zeichen aus endlich vielen Zeichen besteht, und unendlich viele Zeichen möglich macht.

Erläuterungen:
Texte bestehen aus Schriftzeichen, die ihrerseits wie etwa Buchstaben keine Zeichen sein müssen, aber wie etwa chinesischen Ideogramme Zeichen sein können.
Schrift definiert die Konstruktion der Zeichen, aber in keiner Weise, wie die Zeichen gedeutet werden (Dekonstruktivismus).
Schrift ist typografieabstrakt generalisiert, sie differenziert die Schriftzeichen ohne deren konkrete Form (Glyphe) festzulegen, was für Handschriften zwingend ist und die Typografie, die sich mit der Form von konkreten Schriftzeichen befasst, möglich macht.

Anmerkung zur Differenz zwischen Schrift und Text
Ein Text kann "gut sein" (viel ausdrücken), ein guter Brief oder ein guter Roman. Schrift kann "gut sein" (typographisch schön, praktisch, lesbar).
Schrift ist eine Erfindung, Text dagegen wird hergestellt, Text wurde nicht erfunden. Ein Text ist ein Schrift-Stück. Ein Text liegt materiell vor. Schrift ist ein Handlungszusammenhang.
Text im hier gemeinten eigentlichen Sinn ist ein Ausdrucksmittel, Schrift im hier gemeinten eigentlichen Sinn ist das Medium des Textes. Würde es keine Schrift geben, könnte ich keinen Text schreiben.

bild bild
Quelle: Wikipedia

siehe auch Erläuterungen zum Blog Schrift-Sprache oder den Blog: Schrift-Sprache

Schrift(um)Steller, Schriftkritik Platons, Ideographie
Blindenschrift, Zahlschrift, Notenschrift
Literalität, Text
Chinesische Schrift
Chinesische Programmiersprache

Und ein bisschen Quasietymologie:
Schriftstücke wurden meist nach dem Stoff benannt, aus dem sie bestanden: das Papier nach der Papyrusstaude, lat. "liber" (Buch) bedeutet ursprünglich "Bast" (abgeschälte Baumrinde) und lat. "codex" gehört zum Verb "cudere" (schlagen) und bezeichnet das vom Stamm abgeschlagene Holzbrett. Das Buch schließlich trägt seinen Namen vom Buchenholz, aus dem die ersten Schreibtafeln gefertigt wurden. Diese Tafeln (lat. tabellae / tabulae) wurden mit Lederschnüren zu "Büchern" (got. bokos) zusammengeheftet. Der Ausdruck "Buch" findet sich in allen germanischen Sprachen, so dass bereits sehr früh auf Holztafeln geschrieben worden sein muss. Aus engl. "book" hat sich das Verb "to book" entwickelt, das im 18. Jahrhundert als "buchen" (in die Rechnungsbücher eintragen) verdeutscht wurde. Noch älter ist der "Buchhalter", der eine Lehnübersetzung aus dem Italienischen darstellt (tenere i libri) und mit anderen Begriffen des Handels und des Bankwesens schon im 15. Jahrhundert ins Deutsche kam. ... "? (Redensarten)



 
[in Arbeit]

Ein terminologisches Problem ergibt sich daraus, dass Schrift lange als sekundär von der gesprochenen Sprache abgeleitet wurde, so dass viele Einteilungen die gesprochenen Sprachen betreffen, zB Sprachfamilien die dann eben nicht zu Schriftfamilien passen ...

Seit der Grammatologie wird die Schrift oft automom betrachtet, aber Ordnung kann ich keine finden, weil auch paralell die Zeichen beobachtet werden, die wiederum einen andere Ordnung haben.

Zeichen verwende ich allgemeiner als Schrift. Bei den Zeichen - die ich von Anzeichen unterscheide - unterscheide ich

die Zeichenkörper das verwischt mit Anzeichen: blaue Agen = Nordländer
Spuren im Schnee = Hase war hier
ein Bild = Monalisa zeigt Monalisa
ein Verkehrsschild = Roter runder Rand = Verbot

die Art des Verweisens analog
digital
Ikon zeigt, was es zeigt
Index zeigt per Logik was es zeigt
Symbol vereinbart was es zeigt

Was der Beobachter zusammen als ein Zeichen nimmt Peirce Interpretans-Terminologie:

Rhema eine Entität ein Kreuz (nur das Kreuz)
Dicent zwei oder mehr Entitäten in einer Relation (ein Kreuz auf einem Gebäude = Kirche)
Argument Verknüpfung von Deutungen von Zeichen (kombinierte Verkehrsweichen, Kinder und
Tempobeschränkung = Kinder passen nicht auf

ausgewählte Zeichentypen bei Peirce:
1. das rhematisch-iconische QualiZeichen;
2. das dicentisch-indexikalische SinZeichen;
3. das argumentisch-symbolische Legi-Zeichen.

Die Frage ist jetzt: Welche Zeichen sind Schrift oder Schriftzeichen



Literatur

zur Geschichte der Schrift
Robinson, Andrew: Die Geschichte der Schrift; Stuttgart 1966
Jean Georges: Die Geschichte der Schrift; Ravensburg 1991
Faulmann, Carl: Schriftzeichen und Alphabete; 1880, Neuauflage Augsburg 1995
Kapr, Albert: Fraktur: Form und Geschichte der gebrochenen Schriften, Mainz 1993
Wilson, Hilary: Hieroglyphen lesen; München 2000

"Im Hinblick auf die elementarsten Informationsprozesse in der lebenden Zelle spricht auch der Biologe heute von Schrift und Pro-gramm. Und endlich wird der ganze, vom kybernetischen Programm eingenommene Bereich- ob ihm nun wesensmäßig Grenzen gesetzt sind oder nicht- ein Bereich der Schrift sein. Selbst wenn man annimt, daß die Theorie der Kybernetik sich aller metaphyischen Begriffe - einschließlich jener der Seele, des Lebens, des Wertes, der Wahl und des Gedächtnisses - begeben kann, die noch bis vor kurzem dazu dienten, die Maschine dem Menschen gegenüberzustellen, (Fussnote 3: Norbert Wiener, der völlig auf die "Semantik" verzichtete und den Gegensatz zwischen Belebtem und Unbelebtem für zu grob und zu allgemein hielt, gebrauchte trotz allem zur Kennzeichnung einzelner Maschinenteile Ausdrücke wie "Sinnesorgane", "Gliedmaßen" usw.) so wird sie dennoch am Begriff der Schrift, der Spur, des Gramma oder Graphems so lange festhalten müssen, bis schliesslich auch das, was an ihr selbst noch historisch-metaphyisch ist, entlarvt wird." (Derrida, Grammatologie, Frankfurt am Main 1974, S.21)

Yuval Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit mit der Unterscheidung Vollschrift/Partialschrift und über die Organisation der Schrift.


 
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