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Homonyme: a) für Schriftbild (Typografie, "ich kann deine Schrift nicht lesen“),
b) für Werke ("Goethes Schriften zur Farbenlehre“ oder "Die Heilige Schrift")

Den Ausdruck "Schrift" verwende ich homonym für die Schrift (ohne Plural) und für eine Schrift/Schriften:

  • Die kyrillische und die lateinische Schrift sind Schriften, die verschiedene Schriftzeichensätze haben. Die lateinische und die chinesische Schrift sind verschiedene Schrifttypen, die verschiedene Schriftzeichenprinzipien haben. Lateinische Schriften beruhen auf einem Alphabet, das heisst, sie haben wenige Schriftzeichen, die verschieden kombiniert werden, während chinesische Schriften sehr viele Schriftzeichen haben.
     
  

A, B, C, D ... H-A-U-S, S-C-H-I-L-D-K-R-O-E-T-E

  • Als Schrift bezeichne ich einen Handlungszusammenhang, in welchem ich bestimmte Verhaltensweisen als schreiben deute. Konstitutiv für Schrift ist - in diesem operativen Verständnis - die Verwendung von geschriebenen Zeichenkörpern.

siehe auch Schriftzeichen (Ideogramm), Ideographie, Schreiben, Schrift(um)Steller, Schriftkritik Platons
Blindenschrift, Zahlschrift, Notenschrift
Literalität, Text

Literatur

"Im Hinblick auf die elementarsten Informationsprozesse in der lebenden Zelle spricht auch der Biologe heute von Schrift und Pro-gramm. Und endlich wird der ganze, vom kybernetischen Programm eingenommene Bereich- ob ihm nun wesensmäßig Grenzen gesetzt sind oder nicht- ein Bereich der Schrift sein. Selbst wenn man annimt, daß die Theorie der Kybernetik sich aller metaphyischen Begriffe - einschließlich jener der Seele, des Lebens, des Wertes, der Wahl und des Gedächtnisses - begeben kann, die noch bis vor kurzem dazu dienten, die Maschine dem Menschen gegenüberzustellen, (Fussnote 3: Norbert Wiener, der völlig auf die "Semantik" verzichtete und den Gegensatz zwischen Belebtem und Unbelebtem für zu grob und zu allgemein hielt, gebrauchte trotz allem zur Kennzeichnung einzelner Maschinenteile Ausdrücke wie "Sinnesorgane", "Gliedmaßen" usw.) so wird sie dennoch am Begriff der Schrift, der Spur, des Gramma oder Graphems so lange festhalten müssen, bis schliesslich auch das, was an ihr selbst noch historisch-metaphyisch ist, entlarvt wird." (Derrida, Grammatologie, Frankfurt am Main 1974, S.21)

Anmerkung zu Schrift / Text

Ein Text kann "gut sein" (viel ausdrücken), ein guter Brief oder ein guter Roman. Schrift kann "gut sein" (typographisch schön, praktisch, lesbar). Schrift ist eine Erfindung, Text dagegen wird hergestellt, Text wurde nicht erfunden. Ein Text ist ein Schrift-Stück. Ein Text liegt materiell vor. Schrift ist ein Handlungszusammenhang.
 
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