"Grammatologie, als Lehre von der Schrift, ist in diesem emphatischen Sinne wohl ein fast ausschließlich von J. Derrida verwandter Begriff. (Dieser weist selbst darauf, daß auch I..J Gelb sich 1952 in "A Study of Writing. The Foundations of Grammatology" sich des Ausdrucks bedient, dabei aber, wie es heißt "dem Modell klassischer Darstellung der Geschichte der Schrift verpflichtet bleibt"). Bei Derrida ist eigentlich von Anfang an die Unmöglichkeit einer solchen Wissenschaft von der Schrift mitgedacht, insofern als die Herangehensweise der "Wissenschaft "schon einen bestimmten Begriff des Zeichens voraussetzt Man könnte sagen, sie setzt einen Logos voraus, der seiner Bestimmung nach das gramma, den Zeichenkörper in seiner "Materialität" gerade unterdrückt, bzw für sekundär und abgeleitet erklärt. Gramma steht also hier, würde ich sagen, für "materiellen" Zeichen"körper" als Markierung, also schon gleich als Unterscheidung, die raum-zeitlich "aufspannt" und dabei "vor" dem Sinn gedacht werden muß, der als ihr "Effekt" erscheint. Insofern sich das Wort von gr. graphein ableitet läßt sich hier natürlich die Beziehung zum "draw a distinction" leicht herstellen. Aber auch der Übergang zur "bildenden Kunst", wie ich meine. (Überhaupt müsste man über das Verhältnis von Schrift und Bild, Graphik und Gramma in diesem Zusammenhang mal nachdenken.) "Symbol" ist hier schon auf symmetrischen Tausch angelegtes bedeutsames Sprach- (nicht mehr Schrift-) zeichen,und, würde ich sagen, teleologisch auf sein sich erfüllen oder sättigen in dem von ihm bezeichneten ausgreichtet."A. Luthardt
" Es geht vielmehr darum, einen neuen Schriftbegriff zu schaffen. Man kann ihn gramma oder différance nennen."
"Das gramma ist alsdann der allgemeinste Begriff der Semiologie - die auf diese Weise zur Grammatologie wird - und entspricht nicht allein dem Bereich der Schrift im engeren und klassischen Sinn, sondern auch dem der Linguistik." (beides in: J. Derrida, Positionen)
J. Derrida hat auf die philosophischen Implikationen der Schrift verwiesen - eine Temporalisation und Verhandelbarmachung der - scheinbar - unmittelbar und unschuldig ihr Signifikat bezeichnenden Begriffe. Damit ist die Schrift in Spannung zu den Konzepten des Logo- und Phonozentrismus; dies mit Auswirkungen insbesondere für Metaphysik, Ontologie und Theologie.