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Als Code bezeichne ich eine Tabelle, in welcher Zeichenkörper aus einem Alphabet Zeichenkörpern eines anderen Alphabetes zugeordnet werden.

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Codieren bedeutet nicht einen Code herzustellen, sondern einen Code anzuwenden. Ich kann einen Text codieren, indem ich dessen Zeichen gmäss dem Code (gemäss der Tabelle) durch andere Zeichen ersetze, etwa Buchstaben durch Morse-Zeichen und ich kann ihn dann wieder de-codieren, was einem Codieren in die andere Richtung entspricht.

Differenztheoretisch kann man Code für eine Differenz zwischen einer Zuordnungstabelle von zwei Zeichensätzen und einem zum Lesen von Texten notwendigen Entschlüsselungsmechanismus verstehen. Der Decodiermechanismus kann im ersetzt im einfachsten Fall die Zeichen, im umfassenderen Fall selegiert er die Zeichen als solche (filtert sie aus dem Rauschen heraus) und im umfassensten Fall verwendet der Mechanismus Sinn bei der Selektion (wo etwa nur im Sinnzusammenhang klar ist, was eine Zeichen ist und wofür es stehen soll).

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Bildquelle: Doebeli, B: Stromlos
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Der sinnhafte (performative) Decodierungsmechanismus nimmt Codierungen wahr: Ein Mensch etwa kann ein beliebiges Geschehen als codierte Mitteilung auffassen.

Die Vorstellung einer "Entschlüsselung" wird sogar auf Maschinen projiziert, wo Programmiersprachen als Sprachen gedeutet werden. Als Codierung erscheint dann die sogenannte Maschinensprache (Maschinencode).

Erläuterungen:

Andere Wortverwendungen:

- Code wird oft für Text verwendet, etwa im Ausdruck Programm- oder Quellcode
- Codieren wird oft für Verschlüsseln verwendet

Völlig andere Wortverwendungen:

In einer bestimmten Vorstellung ist jeder Ausdruck codiert. Das gesprochene Wort wird als codierte Version eines anders codierten Gedankens verstanden. Diese Vorstellung passt zur Vorstellung, in welcher der sogenannte Maschinencode von programmierbaren Maschinen (zb Computern) ein durch einen Code entwickelter Text darstellt. Der Maschine scheint das Prgramm zu dekodieren. Und der sprechende Mensch scheint das, was er im Kopf hat zu codieren.

In einer bestimmten Vorstellung, die unter anderen auch N. Luhmann vertritt, ist der Code der Kommunikation nicht vorgängig, sondern wird in jedem Akt der Kommunikation konfirmiert und variiert. Die Kommunikation erschafft den Code, der aus Formationen Botschaften lesen kann; in der menschlichen Kommunikation kondensieren Codes.
„Kondensierung soll dabei heißen, dass der jeweils benutzte Sinn durch Wiederbenutzung in verschiedenen Situationen einerseits derselbe bleibt (denn sonst läge keine Wiederbenutzung vor), sich aber andererseits konfirmiert und dabei mit Bedeutungen anreichert, die nicht mehr auf eine Formel gebracht werden können. Das legt die Vermutung nahe, dass der Verweisungsüberschuss von Sinn selbst ein Resultat der Kondensierung und Konfirmierung von Sinn ist und dass Kommunikation diejenige Operation ist, die sich damit ihr eigenes Medium schafft." (Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft: 409).
Im Verhältnis Assimilation/Akkommodation nehme ich zunächst an, dass der Ausdruck so verwendet wird, wie ich ihn zuvor "kondensiert" habe, dann aber merke ich, dass ich kon-firmiert werde, weil der Ausdruck aufgeladen ist, das heisst ich führe meinen Code nach, wobei ich die aktuelle Verwendug dadurch verstehen kann, dass ich die vorherige Verwendung verwerfe: mich für das Aktuelle eines bessern belehren lasse.

“Ein Code besteht aus zwei entgegengesetzten Werten und schließt auf dieser Ebene (nicht natürlich “im Leben”) dritte und weitere Werte aus. Damit wird die unbestimmte, tendenziell zunehmende Möglichkeit der Ablehnung des kommunizierten Sinnvorschlags in ein hartes Entweder/Oder überführt, also eine ‘analoge’ Situation in eine ‘digitale’ transformiert; und gewonnen wird damit eine klare Entscheidungsfrage, die für Alter wie für Ego dieselbe ist. Nicht deren Meinungen werden codiert, sondern die Kommunikation selbst, und dies in einer Weise, die auf Lernfähigkeit angewiesen ist, nämlich auf Spezifikation der Kriterien für eine richtige Zuordnung des positiven bzw. negativen Wertes (während aus der uncodierten Ausgangssituation nur zunehmende Enttäuschung, Verhärtung, Konflikte resultieren könnten). Codes fungieren, wie andere Unterscheidungen auch, als Zwei-Seiten-Formen, die ein Beobachter benutzen oder nicht benutzen kann. Sie haben die Eigenart einer Unterscheidung auch insofern, als sie jeweils nur auf der einen und nicht zugleich auf der anderen Seite bezeichnet werden und nur so als Anschluß- und Ausgangspunkt einer weiteren Operation dienen können. Mit der Gleichsetzung des Unterschiedenen würde der Beobachter eine Paradoxie (nämlich die Paradoxie der Selbigkeit des Verschiedenen) erzeugen und sich selbst darauf hinweisen, dass es so nicht geht. Die Besonderheit der Codes, verglichen mit anderen Unterscheidungen, besteht darin, dass der Übergang von der einen zur anderen Seite, also das Kreuzen der Grenze erleichtert wird. Das Kreuzen der innern Grenze des Codes wird vor allem dadurch erleichert, dass es von moralischen Konsequenzen entlastet wird. Es hat nicht zur Folge, dass man vom Guten zum Schlechten übergeht oder gar böse wird. Dies zu lernen, erfordert allerdings einen langen Prozess” Luhmann (GdG, S. 360)


 
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Hinweise auf Variationen:
Flusser (1998:75) schreibt: "Ein Code ist ein System, welches die Manipulation von Symbolen ordnet."
Diese Definition paraphrasiert hier Grammatik. Unter Grammatik kann ich mir eine Maschine vorstellen, unter Code dagegen nur eine Maschinensteuerung. Flusser sagt leider nirgends, was er unter System versteht, obwohl er den Ausdruck für fast alles gut findet.

H. von Foerster: "Indifferente Codierung"

H. Maturana: 2 x das gleiche Haus bauen mit 2 verschiedenen Codierungen (S. 77f).

In der Bielefelder Systemtheorie werden alle kybernetischen Begriffe aufgehoben und in eine Differenz-Form übergeführt. Code ist dort ein zentrales Konzept:

"Genau besehn, ist der Ausdruck ‚Code’ der Ausdruck eines Beobachters, der dieses Sortieren registriert. Vgl. dazu (sehr klar) die entsprechenden Ausführungen in Luhmann, N., Ökologische Kommunikation, Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einlassen?, Opladen 1986, S.266 et passim." (P. Fuchs, (7)

"Wie auch bei anderen Codes ist die Einheit der Unterscheidung prekär. Sie ist ersichtlich ‚Risiko’, denn nur ‚Risiko’ ist definiert als Differenz Risiko/Gefahr. Da aber das zu Definierende (Risiko) im Definiendum wieder auftaucht (Risiko = Risiko/Gefahr), entspricht die Einheit der Unterscheidung einem imaginären Wert. Das System rettet sich dann aus dieser Imaginarität seines Leitwertes, indem es sich nur auf das ‚Risiko’ in der Unterscheidung bezieht und nicht auf die Einheit des Schemas. Auch das ist ein typisches Merkmal von Codes, das sie ausschließlich wirksam sind im re-entry. Es geht um ein Entweder/Oder. Die Referenz auf die Einheit dieser Opposition würde das Entweder/Oder in ein ‚Und’ umwandeln und muß deshalb invisibilisiert werden. Die Referenz auf die Einheit der Unterscheidung findet nach dem re-entry statt, in gewisser Weise zu spät und nur deswegen produktiv.(P. Fuchs, (8)

"Die "Differenz von Code und Kriterien für richtige Operationen (oder von Codierung und Programmierung) ermöglicht eine Kombination von /Geschlossenheit und Offenheit im selben System/. In bezug auf seinen Code operiert das System als geschlossenes System, indem jede Wertung wie wahr/unwahr immer nur auf den jeweils entgegengesetzten Wert desselben Codes und nie auf andere, externe Werte verweist. Zugleich aber ermöglicht die Programmierung des Systems, externe Gegebenheiten in Betracht zu ziehen, das heißt die Bedingungen zu fixieren, unter denen der eine oder der andere Wert gesetzt wird. Je abstrakter und je technischer die Codierung, desto reicher die Vielfalt der (stets natürlich internen!) Operationen, mit denen das System geschlossen und offen zugleich operieren, also auf interne und externe Bedingungen reagieren kann. Man kann dies auch als Steigerung der Resonanzfähigkeit bezeichnen." Luhmann 1986, a.a.O., S.83." (P. Fuchs, (8)

"Bei binärer Codierung muß der Leitwert des Codes (Wahrheit, Recht, Besitz etc.) darauf verzichten, zugleich als Kriterium der Selektion zu dienen. Das würde der formalen Äquivalenz von Position und Negation widersprechen ... Man kann Kriterien daher nicht in der allgemeinsten Abstraktionslage des Codes festlegen, sie dienen nicht der Einrichtung der Möglichkeit funktionsspezifischer Operationen, sondern sehr viel konkreter der Orientierung richtiger, brauchbarer Operationen. Der Code kann deshalb den Wechsel der Kriterien (und im Prinzip: aller Kriterien) überdauern, obwohl es schwer vorstellbar ist, daß alle zugleich ausgetauscht werden und der Code für einen Moment absoluten Neubeginns im Leeren gehalten werden könnte." (Luhmann 1986, S.82f)

Codes sind zweiwertige Beobachtungsschemata, die eine – klassisch interpretiert – nur einmal gegebene, im Prinzip ‚ein-fache’ Welt, die so ist, wie sie ist, die so geschieht, wie sie geschieht, mit Bewertungen beobachtet, die immer zugleich den genau entgegengesetzten Wert als Komplement mitaufrufen. (Peter Fuchs (Manuskript aufgeschaltet am 3. November 2007) Ereignis, Welt und Weltereignis. Entwurf einer Heuristik, www.fen.ch)


 
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