Kraft        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]         [ Meine Bücher ]

Kraft ist ein Erklärungsprinzip: Kraft steht als Ur-Sache für die Tat-Sache, die ich als Prozess wahrnehme. Massenanziehungskraft etwa steht für die Erfahrung, dass Materie zusammenstrebt.

Die Physik bietet verschiedene Formulierungen und Vorstellungen: M. Faraday bezeichnet Kraft als Effekt im Kraftfeld, das A. Einstein als Eigenschaft des Raumes bezeichnete. Die Physik quantifiziert Kraft: F = m (Masse) . a (Beschleunigung) [ kg . m/s2 ]

Die Kraft erklärt nichts, sondern ist Bestandteil der ursächlichen Beschreibung meiner Erfahrung. Wenn ich sage, dass die Schwerkraft einen Stein nach unten zieht, sage ich mit anderen Worten, dass ein Stein (immer) nach unten fällt. Die Formulierung mit "Schwerkraft" entspringt lediglich einer bestimmten Perspektive auf das Phänomen. Die Beschreibung, in welcher die Schwerkraft verwendet wird, hat eine lange Geschichte.

Erläuterungen: Reproduzierbare und quantifizierbare Erfahrung
In meiner Erfahrung oder Wahrnehmung verändert eine Sache sich selbst oder ihren Ort. Beispielsweise fällt ein Stein zu Boden. Ich beschreibe diese Tatsache damit, dass ich sage: Ein Stein fällt zu Boden. Ich beschreibe diese Tatsache ein zweites Mal, indem ich sage, dass der Stein durch die Schwerkraft zum Boden bewegt wird. In einem Fall spreche ich von fallen, im anderen Fall spreche ich von einer durch Kraft versursachten Bewegung. Ich meine aber in beiden Fällen dasselbe.
In meiner Erfahrung oder Wahrnehmung fällt der Stein jedesmal und immer gleich schnell zu Boden, ich kann ihn immer wieder fallen lassen. Das beschreibe ich dadurch, dass ich sage, die Schwerkraft ist permanent vorhanden und von einer permanenter Stärke, die ich der Masse zuordnen kann. Da nicht nur Steine fallen, kann ich sagen, dass die Kraft nicht nur auf Steine wirkt, sondern auch auf andere Dinge.
In dem ich in meine Beschreibung ein Kraft einfüge, sage ich, wie ich mir Veränderungen und Bewegungen vorstelle. Und umgekehrt kann ich mittels Kräften Veränderungen und Verhaltensweisen sehr gut darstellen. In diesem Sinne sind Kräfte ein rhetorisches Mittel. Als Erklärung bezeichne ich in ...

... systemtheoretische Perspektive: etwas ganz anderes:

In der Systemtheorie bezeichne ich das System als Erklärung. Kraft ist etwas völlig anderes.
Im Alltag werden oft Ursachen als Erklärungen bezeichnet - das ist natürlich nicht falsch, aber einfach eine ganze andere Redeweise oder Wortverwendung ;-))


Vier Grundkräfte sind bisher bekannt: die starke Kernkraft, die für den Zusammenhalt der Atome sorgt, die schwache Kernkraft (sie ist wichtig für radioaktive Zerfallsprozesse und die Kernfusion), die Gravitation und die elektromagnetische Wechselwirkung.


Nicht physkalische Kräfte:
Überzeugungskraft, Waschkraft, politische Kraft, ...

Physikalische Kräfte:

  • Angabe der Ursache einer Kraft
    Muskelkraft
    Magnetische Kraft
    Elektrische Kraft
    Motorkraft
  • Angabe der Wirkung einer Kraft
    Beschleunigungskraft
    Bremskaft
    Hubkraft
    Dehnungskraft

    Merke: Kräfte erkennt man an ihren Wirkungen. Sie können den Bewegungszustand eines Körpers ändern oder den Körper verformen.


    System-Wiki:
    "Das Wort Kraft ist altgermanischen Ursprungs. Im Deutschen bezeichnet Kraft eine körperliche oder geistige Voraussetzung zu bestimmten Handlungen (Muskelkraft; Geisteskraft; Manneskraft), die Ausführung der Tätigkeit selbst (eine Kraft ausüben; unter der Kraft zusammenbrechen) oder einzelne Akteure (Arbeitskraft, Schreibkraft, Streitkraft, die fortschrittlichen Kräfte). In der Rechtssprache bedeutet Kraft auch Gültigkeit (in Kraft setzen, rechtskräftig). Als physikalischer Fachbegriff wurde Kraft von Archimedes eingeführt und von Galileo Galilei aufgegriffen. Bis weit ins 19te Jahrhundert benutzten Physiker das Wort Kraft jedoch auch im Sinne von Energie (bewegende Kraft, lebendige Kraft). Diese Bedeutung lebt heute noch in vielen Begriffen weiter (Kraftwerk, Kraftstoff, Kraftfutter).

    Die Systemphysik gibt eine zeitgemässe Definition des klassischen Kraftbegriffs: Eine Kraft ist eine Impulsstromstärke oder eine Impulsquellenstärke bezüglich eines ausgewählten Systems. Eine Kraft verändert den Impulsgehalt eines Körpers und damit auch seinen Bewegungszustand, die Geschwindigkeit seines Massenmittelpunkts. Aus dieser Definition sind alle anderslautenden, korrekten Definition der klassischen Mechanik ableitbar."

    Meine Re-Formulierung:
    Ein Wasserrad steht zunächst still, dann kommt Wasser, dann dreht sich das Wasserrad mit zunehmender Geschwindigkeit, dann bleibt die Geschwindigkeit bei konstanter Wassermenge gleich.
    Das Wasserrad wird also beschleunigt, wozu eine Kraft notwendig ist.
    Wie aber ist diese Kraft als verursachende vorstellbar?
    Das Wasser fällt von der Gravitation gezogen runter auf das Wasserrad. Die Gravitation dreht das Rad aber nicht, das Rad wird vom Wasser gedreht. Also muss etwas vom Wasser auf das Rad übertragen werden. Natürlich nicht vom Wasser, sondern vom fallenden Wasser.
    Im fallenden Wasser ist die Kraft einerseits aufgehoben, und die Wirkung der Kraft wird andrereseits weitergegeben. Wir brauchen also ein neues oder ein weiteres Konzept. Wir nennen es "Impuls", weil es als Wucht im Wasser aufgehoben ist, und wir nennen es "Strom", weil es vom Wasser auf das Rad fliesst: Impulsstrom.
    Eine - typische - Form des Impulses ist ein Schlag, beispielsweise mit dem Hammer auf den Nagel. In der Zeitlupe sehe ich, wie der Nagel beschleunigt wird, während der Hammer gebremst wird. Der Hammer ist im Unterschied zum Wasser kein kontinuierlicher Strom. Es gibt nur den Moment des Schlages, weil danach keine Kraft mehr auf den Hammer einwirkt.
    Beim Wasserrad entspricht das dem Fall, wo das Wasser als ein einzelner Eiswürfel auf das Wasserrad fällt. Das erklärt auch das Wort "imPuls", wo das Herz immer wieder einen "Puls" in den Blutkreislauf schickt, also keinen kontinuierlichen Fluss erzeugt.
    Das Wasserrad wird durch einzelne Schläge angetrieben, wie etwa die Kurbelwelle eines Benzinmotors durch einzelne von einander getrennte Explosionen angetrieben wird. (W. Maurer spricht teilweise von einer ImpulsMENGE, ich spreche von einem ImpulsGEHALT)
    Vorläufige Interpretation: Impuls ist eine Redeweise für Energie, die nicht kontinuierlich sodern diskret gespiesen wird - wie bei einem Eiswürfelrad.


     
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