Den Ausdruck Ur-Sache verwende ich homonym für zwei ganz verschiedene Zusammenhänge:
Differenztheoretisch begreife ich Ursache die Differenz zwischen der Ursache und dem, was ich als Ursache bezeichne. Wenn ich die Schwerkraft als Ursache für einen fallenden Gegenstand bezeichne, mache ich etwas analoges, wie wenn ich die Gier der Banker als Ursache für eine Finanzkrise bezeichne: ich stelle ein diskursives Verhältnis her. Die Schwerkraft ist eine ursache-stiftende Antwort auf die Frage, warum Gegenstände fallen. Ich erkenne aber, dass Gegenstände fallen, nicht dass es Kräfte gäbe. Die Ursache ist Fiktion (Kausalität als kognitive Leistung).
Begriffliche Konfusionen:
Eine grosse Konfussion besteht darin, dass Ursachen oft als Erklärungen verstanden werden. H. von Förster und G. Bateson problematisieren den Effekt dieser Verwechslung, indem sie die Verwechslung selbst reproduzieren:
Heinz von Foerster schreibt: "Erklärungen sind semantische Verbindungen von Beschreibungen" (Wie wir uns erfinden:222). (Explanations semantically link descriptions)
Beide sprechen über Ursachen, sagen stattdessen aber Erklärung. Ursachen sind diskurvise Verhältnisse, in welchen zwei Sachen verknüpft werden. Erklärungen aber sind etwas ganz anderes.
Natürlich sind die beiden mit ihrer Konfusion nicht allein:
"Er isst und er ist hungrig beschreiben ein und dieselbe Tatsache. (...) Die Gewohnheit, eine Feststellung durch eine andere zu erklären, ist insofern gefährlich, als sie den Eindruck erweckt, dass wir der Ursache auf die Spur gekommen sind und deshalb nicht weiter zu suchen brauchen." (B. Skinner: Wissenschaft und menschliches Verhalten
Vom Ursache werden oft Grund, Anlass und Bedingung (Voraussetzung) unterschieden