Ludwig von Bertalanffy        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Literatur

mit Beier, W. / Laue, R.: Biophysik des Fliessgleichgewichts
Das biologische Weltbild
... aber vom Menschen wissen wir nichts
Handbuch der Biologie
Das Gefüge des Lebens

     

Auf den Pfaden des Lebens
Vom Molekül zur Organismenwelt
Perspectives on General System Theory
Freiheit der Persönlichkeit
Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie

Zur Person

      

Karl Ludwig von Bertalanffy, österreichischer Biologe, 1901(Wien) -1972. Er gehörte in die 2. Generation des Wiener Kreises. Begründer der "theory of stationary open systems" und der "General System Theory", die er "Allgemeine Systemlehre" nannte (vergl. Systemtheorie). Er entwickelte die "organismischen" Auffassung der Lebenserscheinungen und darin die zentrale Idee des Fliessgleichgewichtes, was er als wesentliche Differenz zur Mechanik sah. Von Bertalanffy begriff sein Theorie als Theorie des Lebendigen (wie viel nach ihm es Maturana mit seiner Autopoiese tat), die er scharf abgrenzte von Wieners Kypernetik, die er eine Maschinen-Theorie nannte.

Die Konzepte von L. von Bertalanffy sind der Sache nach (Fliessgleichgewicht) nicht die gleichen, wie jene der Kybernetik von N. Wiener. Aber gerade durch den formalen Anspruch auf "Allgemeinheit", der sich in einer mathematischen Darstellung niederschlug, die mit jener der Kybernetik identisch war, wuchsen die Systemlehre und die Kybernetik zusammen. Das war für von Bertalanffy ein Greuel, weil er ja insbesondere eine Theorie des Lebendigen wollte, die nicht mechanistisch war. Wiener hatte Erfolg (nicht zuletzt, weil er in der aufstrebenden Technologie zitiert wurde), von Bertalanffy ist nur historisch interessant (darin wiederspiegelt sich auch, dass die Deutschen auch einen Erfinder des Computers haben (K. Zuse), während die wirklichen Computer aus Amerika (von Neumann) kommen. "Deutschland" hat eben nicht nur den Blitz-Krieg, sondern auch die Schlacht um das dominante Denken verloren - oder kennen Sie einen Amerikaner, der deutsch spricht?

Die unverstandene Abstraktheit der allgemeinen Systemlehre führte in einen "philosophischen" Diskurs bis hin zu Luhmann, in welchem buchstäblich alles System genannt wird. In diesem Kontext wird die Kybernetik als mechanistische Systemtheorie aufgefasst, während im amerikanischen Einflussgebiet Kypbernetik als Eigenname der Systemtheorie verstanden wird. Heinz von Foerster berichtet, wie an eine Macy-Konferenz der Name zu Ehren von Norbert Wiener - nach dessen Buchtitel - gewählt wurde. In der konstruktiven Systemtheorie ist die Unterscheidung aufgehoben. Konstruktiv kann überhaupt nur über Konstruktionen gesprochen werden.

L. von Bertalanffy publizierte seit 1928, im Buch Theoretische Biologie (1932) führte er den Begriff "offenes System" ein, den Ausdruck "System" verwendet er 1940 im Titel: Der Organismus als System betrachtet und 1945 (also quasi mitten im verlorenen Krieg) publiziert er Zu einer allgemeinen Systemlehre. Danach folgen seine einschlägigen Publikaionen Schlag auf Schlag: Das biologische Weltbild (1949), An Outline of General System Theory und The Theory of Open Systems in Physics and Biology (1950), Biophysik des Fliessgleichgewichts (1953) und schliesslich General System Theory (1968).

Der Organismus ist nach L. von Bertalanffy ein "offenes" System, weil er Materie aus der Umwelt einverleibt (Stoffwechsel). Die spezifische Eigenschaft des Organismus ist, dass er den Stoffwechsel als Fliessgleichgewicht (staedy state) vollzieht. Der Begriff "staedy state" stammt von Hill 1931. Maschinen werden dagegen einmal hergestellt und haben dann - in der Vorstellung von L. von Bertalanffy - keinen sie betreffenden Austausch mehr mit ihrer Umwelt.

Das, was L. von Bertalanffy "staedy state" nennt, ist bei H. Maturana - entsprechend verschoben - die (Identität konstituierende) Organisation. Eine Organismus ersetzt ununterbrochen sämtliche seiner "Bausteine" (sic) und bleibt dabei doch derselbe. Während bei L. von Bertalanffy technologisch noch die Energiemaschine (Verbrennung von Materie) den Diskurs beherrschte, ist es bei Maturana die Steuerung (Computer). Deshalb spricht L. von Bertalanffy hauptsächlich von den Operationen, die die Materialität des Organismuses (Wachstum, Stoffwechsel) betreffen, und H. Maturana von der operationellen Organisation der Steuerung (Kognition), die er - wie die amerikanische Kybernetik seit W.R. Ashby - als geschlossen betrachtet.

H. Maturana nannte seine Theorie "Autopoiese", was man als Eigenname einer speziellen "Systemtheorie" auffassen kann. L. von Bertalanffy nannte seine spezielle Theorie des offenen Organismus "Allgemeine Sysrtemtheorie". Und N. Luhmann holte - zum Missfallen von H. Maturana - nach, die Autopoiese als allgemeine Theorie zu verstehen. (Alle Verallgemeinerungen sind falsch.)

mehr unter: Anhang: Biographie und Anhang: Biographie.

zitiert in:

Ausführlich in: Arthur Koestler in: Der Mensch-Irrläufer der Evolution

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