Norbert Wiener        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]         [ Meine Bücher ]

siehe auch ==> Kybernetik und Crash-Kurs Systemtheorie


Literatur

Kybernetik
Mensch und Menschmaschine
Futurum Exaktum
mit J. Bigelow, A. Rosenblueth: Behaviour, Purpose and Teleology
Ich bin ein Mathematiker (Biographie)
Die Versuchung (literarische Biographie (Roman))

bild

über N. Wiener:
Die Magie der Roboter

Geplauder auf youtube

zur Person

bild bild

Norbert Wiener (1894-1964) war ein amerikanischer Mathematiker. Er ist als Begründer der Kybernetik bekannt, ein Ausdruck, den er in seinem Werk Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine (1948) prägte.

Ein Aspekt der Kommunikation

"Es kann nicht gut sein, diese neuen Kräfteverhältnisse in den Begriffen des Marktes abzuschätzen, des Geldes, das sie verdienen. Wenn man sich diese Revolution abgeschlossen denkt, hat das durchschnittliche menschliche Wesen mit mittelmäßigen oder noch geringeren Kenntnissen nichts zu verkaufen, was für irgendjemanden das Geld wert wäre. Die Antwort ist natürlich, daß wir eine Gesellschaft haben müssen, die auf menschliche Werte gegründet ist und nicht auf Kaufen und Verkaufen." (Norbert Wiener, Kybernetik,s.49f

Anerkungen und Zitate

[wikiquote]

N.Wiener untertitelte 1948 die erste Auflage seines Buches Kybernetik, in welchem der Begriff "Kommunikation" wissenschaftlich relevant eingeführt wurde (Technisch eingeführt wurde der Begriff ”Kommunikation” um 1729 (!) durch den Elektrizitätsforscher Stephen Gray) mit Regelung und Kommunikation im Tier und in der Maschine. Bereits ein gutes Jahr später veröffentlichte N.Wiener eine populärere Variante seines Werkes unter dem Titel Die menschenwürdige Verwendung des Menschen (Die deutsche Übersetzung trägt den sinnigen Titel Mensch und Menschmaschine (Wiener,1952)) und schrieb im Vorwort nochmals explizit, dass die Theorie für tierische Mechanismen und Maschinen entworfen wurde, die eben gerade nicht das Wesen des Menschen, sondern nur "tierische", respektive biologisch-maschinelle Aspekte des Menschen betreffen (Wiener, 1952,11) (Später, 1962 im Vorwort zur zweiten Auflage, wurde der Mechanismuscharakter des Kommunikationsmodell-Gegenstandes nochmals sehr extrem hervorgehoben: ”Da nun der Begriff lernende Maschinen auf jene Maschinen anwendbar ist, die wir selbst gebaut haben, ist er auch auf die lebenden Maschinen anwendbar, die wir Tiere nennen, so das wir die Möglichkeit haben, die biologische Kybernetik in einem neuen Licht zu sehen” (Wiener,1963,19)). Wo das Kommunikationsmodell beispielsweise auf telefonierende Menschen projiziert wird, resultieren korrekterweise Aussagen wie: "Das Hirn sendet dem Sprechapparat Nervensignale, die vom Sprechapparat in Schallwellen, die dann ihrerseits vom Mikrofon des Telefons in elektrische Signale verwandelt werden." Als C.Shannon 1948 seine Informationstheorie veröffentlichte, hat sein Co-Autor W.Weaver diese Problematik vollständig ausgedrückt. Er schrieb, dass nicht nur sein Telefonapparat ein Transmitter von Signalen sei, sondern auch sein Sprechapparat: "Im mündlichen Gespräch ist das Gehirn die Informationsquelle, der Stimm-Mechanismus, der die Schallwellen, die durch die Luft (Kanal) übermittelt werden, produziert, ist der Transmitter. (...) Wenn ich mit Ihnen spreche, ist mein Hirn die Informationsquelle, mein vokales System der Transmitter" (Shannon/Weaver,1948, 98f). Dementsprechend müsste ein telefonierender Mensch auf sich selbst bezogen sagen: "Nicht ich spreche mit meinem Gesprächspartner, sondern mein Hirn kommuniziert über diverse tierische und maschinelle Kommunikationsmittel mit dem Hirn meines Gesprächspartners." Denn vom "ich" zum Hirn führen ja bekanntlich keine - oder wenigstens keine bekannten - signalleitende Verbindungen.

Die Schiffssteuerung ist wissenschaftshistorisch bedeutungsvoll. Die Kybernetik (die manchmal auch Automatik heisst) erhielt ihren Namen in Anlehnung an das von C. Maxwell 1868 beschriebene Beispiel für Rückkoppelungsmechanismen, einen Fliehkraftregler, den C.Maxwell ”Governor” nannte, weil er im Prinzip einen Schiffssteuermann ersetzen konnte (Wiener,1963,39). ”Governor” seinerseits wurde bereits von A. Ampère im Sinne von Plato für die politische Steuerung verwendet. Bei Plato, der den Staat mit einem Schiff verglich, hiess der Steuermann Kybernetes (Ilgauds,1980,58f).

N.Wiener schreibt in seiner Mathematik für Kriegsgeräte, die aus Gründen der militärischen Geheimhaltung lange über das Kriegsende hinaus nicht veröffentlicht wurde (vgl. Ilgauds, 1980,51): ”Dieses Buch stellt einen Versuch dar, (...) zwei Arbeitsgebiete zu vereinigen. (Sie) bilden eine völlig natürliche Einheit, (...), aber (diese) ist verzerrt durch zwei (...) unterschiedliche Traditionen (...) (das) hatte ausgedehnte Unterschiede in ihrem Vokabular (...) zur Folge. Diese zwei Gebiete sind die Zeitreihen in der Statistik und die (technischen) Kommunikationswissenschaften” (Wiener,zit: Ilgauds, 1980,57).

"Die Individualität eines Körpers ist eher die einer Flamme als die eines Steines, eher die einer Form als die eines Teilchens Materie. Diese Form kann übermittelt oder abgeändert oder verdoppelt werden." - nach William Voltz, Alphabet des Schreckens, Pabel, Rastatt, 1980, Seite 104 ("the individuality of the body is that of a flame rather than that of a stone, of a form rather than of a bit of substance. This form can be transmitted or modified and duplicated, [...]" - The Human Use of Human Beings - Cybernetics and Society. 1954- p. 102 books.google) "Es gibt keine Antworten, nur Querverweise" (Wiener's Law of Libraries, original: "There are no answers, only cross references") - Norbert Wiener 1894-1964 (Vita Mathematica), Seite 337, ISBN: 3764322462 "Das Gehirn ist ein Computer" - heise.de "Das menschliche Gehirn mag so weit auf dem Weg zu seiner destruktiven Spezialisierung sein wie die großen Nasenhörner der letzten der Titanotherien." - heise.de "Die Ökonomen haben die Angewohnheit entwickelt, ihre ziemlich unpräzisen Ideen in die Sprache der Integral- und Differentialrechnung zu verkleiden ... Wann auch immer sie vorgeben, exakte Formeln zu verwenden, handelt es sich um Betrug und Zeitverschwendung." - Gott & Golem, Inc. - Econ, Düsseldorf 1965; Seite 120 und 122 - zitiert von Andreas Weber in: 'Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit, Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 3827007925, Seite 71 (Original engl.: "the economists have developed the habit of dressing up their rather imprecise ideas in the language of the infinitesimal calculus. [...] any pretense of applying precise formulae to these loosly defined quantities is a sham and a waste of time." - God & Golem, Inc.: A Comment on Certain Points Where Cybernetics Impinges on Religion. Cambridge M.I.T. Press, 1964. p. 90 - p. 91 books.google) "Information ist Information, weder Materie noch Energie."

(Original engl.:"Information is information, not matter or energy." (Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine, 1948. Seite 166)

Norbert Wiener: »Die automatische Fabrik und das Fließband ohne menschliche Bedienung sind nur soweit von uns entfernt, wie unser Wille fehlt, ein ebenso großes Maß von Anstrengung in ihre Konstruktion zu setzen wie z.B. in die Entwicklung der Radartechnik im Zweiten Weltkrieg. […] Es kann sehr wohl für die Menschheit gut sein, Maschinen zu besitzen,die sie von der Notwendigkeit niedriger und unangenehmer Aufgaben befreien, oder eskann auch nicht gut sein. […] Es kann nicht gut sein, diese neuen Kräfteverhältnisse in Begriffen des Marktes abzuschätzen. […] Es gibt keinen Stundenlohn eines US-Erd-arbeiters, der niedrig genug wäre, mit der Arbeit eines Dampfschaufelradbaggers zukonkurrieren. Die moderne industrielle Revolution ist ähnlicher Weise dazu bestimmt,das menschliche Gehirn zu entwerten, wenigstens in seinen einfacheren und mehrroutinemäßigen Entscheidungen. […] Wenn man sich […] die zweite [industrielle]Revolution abgeschlossen denkt, hat das durchschnittliche menschliche Wesen mit mittelmäßigen oder noch geringeren Kenntnissen nichts zu verkaufen, was für irgend jemanden das Geld wert wäre. […]« (Wiener 1963: 59/60; vgl. auch Wiener 1985a:678)


Die Kybernetik lehrt Kommunikationsprozesse „in the animal and the machine“ als Informationsprozesse zu verstehen und sie verkündet siegessicher eine triadische Metaphysik: „Information is information, not matter or energy. No materialism which does not admit this can survive at the present day.“ (Wiener, Norbert (1961, 132): Cybernetics or control and communication in the animal and the machine. New York/London.

http://46halbe.org/wiener.html
[N. Wiener, elektrische Rechenroboter und Kybernetik im Spiegel 1956]
[ The Eccentric Genius Whose Time May Have Finally Come (Again) ]
[ Kybernetik ]
[Über Informationstheorie Von N. WIENER ]
[ noch verarbeiten ]
[wp]


bild