strukturelle Koppelung        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]         [ Meine Bücher ]

Systeme nenne ich strukturell gekoppelt, wenn ich sie als interagierend oder als "gemeinsam reagierend" wahrnehme.

Die strukturelle Koppelung ist eine Beobachterleistung. Systeme nehmen nur ihr Milieu wahr. Als Beobachter kann ich verschiedene Systeme unterscheiden und Wechselwirkungen zwischen ihnen (und zwischen ihnen und dem von mir wahrgenommenen Milieu) wahrnehmen . Wenn ich sehe, dass die Systeme von einander oder von ihrem Milieu abhängig sind, spreche ich von struktureller Koppelung.

ausführlicher in: Rolf Todesco: Wie G. Bateson Hunde informiert

Beispiel:
In einem gegebenen Milieu sind die Populationen von Jäger- und Beutetieren strukturell gekoppelt.Wenn die einen aussterben, sterben die andern auch aus. Für die Jäger sind die Beutetiere Milieu, das heisst, in der Umwelt der Jäger gibt es Futter oder eben nicht.
Im Milieu, in dem ich mich erlebe, bin ich unter anderem mit sauerstoffproduzierenden Pflanzen strukturell gekoppelt. Ich brauche - in dieser Hinsicht (!) - den Sauerstoff, nicht die Planzen. Die Pflanzen produzieren den Sauerstoff nicht für mich.

Einen speziellen Fall der strukturelle Koppelung bezeichne ich als Co-Evolution.

Literatur:
"...die Abfolge von Störungen, die das Medium in der Geschichte der Interaktion einer gegebenen Einheit auslöst, wirkt als Selektor der Abfolge oder des Verlaufs struktureller Veränderungen, der die Einheit in dieser Geschichte folgt. Daraus resultiert die Einrichtung einer strukturellen Uebereinstimmung zwischen der jeweiligen Einheit und dem Medium, in dem sie operiert, die einem Beobachter als Anpassung oder strukturelle Kopplung erscheint." (H. Maturana, Kognition: 1992/102 in: Schmidt, S.J., Der Diskurs: 102),

Hinweise:
Bei N. Luhmann hiess es vergleichbar: "Von Penetration wollen wir sprechen, wenn ein System die eigene Komplexität (und damit: Unbestimmtheit, Kontingenz und Selektionszwang) zum Aufbau eines anderen Systems zur Verfügung stellt. [...] Im Falle von Interpenetration wirkt das aufnehmende System auch auf die Strukturbildung der penetrierenden Systeme zurðck; es greift also doppelt, von aussen und von innen, auf dieses ein" (Soziale Systeme: 1993/290).

"Strukturelle Kopplungen sind Beschränkungen des Bereichs möglicher Strukturen, mit denen ein System seine Autopoiesis spezifizieren kann. Sie setzen voraus, dass jedes autopoietische System als strukturdeterminiertes System operiert, also eigene Operationen nur durch eigene Strukturen determinieren kann. Strukturelle Kopplung [...] bestimmt nicht, was in einem System geschieht, sie muss aber vorausgesetzt werden, weil sonst die Autopoiesis zum Erliegen käme und das System aufhören würde zu existieren. Insofern ist jedes System an seine Umwelt angepasst (oder es existiert nicht), aber innerhalb des damit gegebenen Rahmens hat es alle Möglichkeiten, sich unangepasst zu verhalten [...]"(Gesellschaft der Gesellschaft: 100f) [ ]
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