Galileo Galilei        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]         [ Meine Bücher ]
 

Literatur

Unterredungen (Discorsi)
Dialog über Weltsysteme
Il Sidereus Nuncius e le scritture ad esso attinenti. []
Il Saggiatore.
Discorsi e demostrazioni matematiche intorno à

Literatur über Galilei

Brecht: Galilei
Der Papst: Galilei

zitiert in:

Ernst von Glasersfeld: Galilei als Erfinder der Wissenschaft, der nicht das Experiment, sondern das Arbeiten mit Hypothesen erfunden hat, etwa in der Fiktion des freien Falls, der nicht beobachtbar war. Galilei war der erste, der bewusst fiktive, ideale Gesetze erfand (15).
Kardinal Bellarmino sagte: Sei vernünftig: Bezeichne deine Theorien als Hypothesen, sonst sind sie Ketzerei. (14)

Verbreitet ist und wird (etwa in Meyers Lexikon) die Vorstellung, dass G. Galilei durch die Einführung des (quantitativen) Experimentes der Begründer der modernen Naturwissenschaft sei. Mir scheint dagegen, dass I. Newton die Naturwissenschaft beegründete, in dem er die Gesetze von G. Galilei in einen theoretischen Zusammenhang stellte.

Rolf Todesco: Hyperkommunikation

Zur Person

Galilei, Galileo (1564-1642) studierte zunächst Medizin in Pisa, dann wechselte er nach Florenz, wo er Ingenieur (Mathematik und Mechanik) studierte. Er war Professor in Pisa (1589-92) und Padua (1592-1610), ab 1610 Hofmathematiker in Florenz. Er leitete die Pendelgesetze ab und erfand einen Proportionalzirkel und leitete in reinen Gedankenexperimenten die Gesetze des freien Falls her. Mit dem von ihm nach niederländischem Vorbild konstruierten Fernrohr entdeckte er unter anderem die Phasen der Venus, die vier ersten, von ihm ›Mediceische Gestirne‹ genannte Monde des Jupiter sowie die Saturnringe und erkannte, dass die Sternhaufen und die Milchstraße aus Einzelsternen bestehen. Durch seine Fernrohrbeobachtungen und den 1610 veröffentlichten Sidereus Nuncius wurde er berühmt. Seine Planetenbeobachtungen machten ihn zum Vorkämpfer der heliozentrischen Lehre des Kopernikus. Sein Eintreten für Kopernikus veranlaßte die Index-Kongregation 1616 ein Dekret zu erlassen, welches verbot, das kopernikanische System als Wahrheit - nicht als bloße Hypothese - zu verbreiten. ies führte zu Auseinandersetzungen mit der römischen Kirche und zu einem Prozess, der mit seiner Abschwörung und Verurteilung am 22.6.1633 endete. 1624 - 1629 schrieb Galilei den Dialog. Darüber kam es zum Konflikt mit der Inquisition. 1633 wurde Galilei der Prozeß gemacht und er zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, die später in Hausarrest umgewandelt wurde. G. Galilei wurde zu unbefristeter Haft verurteilt, die er (ab 1637 erblindet) mit kurzer Unterbrechung in seinem Landhaus verbrachte. Seine Rehabilitierung durch die katholischen Kirche erfogte erst 1992. Legende ist der Ausspruch ›Und sie (die Erde) bewegt sich doch‹. Im Hausarrest verfaßte er 1634 seine ›Unterredungen und mathematische Demonstrationen über zwei neue Wissenszweige, die Mechanik und die Fallgesetze betreffend‹, sein für den Fortgang der neuen Physik wichtigstes Werk. 1638 erblindete er. In diesem Jahr erschienen die Discorsi sein bedeutendstes physikalisches Werk. Mit dem Übergang von den Gedankengängen des Aristoteles zu denen Galileis wurde der Naturwissenschaft eine ihrer bedeutendsten Grundpfeiler gesetzt (Einstein/Infeld, 1936). Galilei fragte nicht mehr nach der Ursache der Erscheinungen, sondern suchte die Vorgänge selbst so exakt wie möglich zu beschreiben. Dazu bot sich die Mathematik an und er entdeckte dabei die Relativität der Bewegung.

      

G.Gallilei hat nicht das Experiment erfunden, sondern die Fiktion: Luftleerer Raum, freier Fall, was er gar nicht zeigen konnte:
"Best known for dropping stones from the leaning tower of Pisa and saying the earth went round the sun, Galileo Galilei was the first to insist on experiment as the only way of discovering truth. But colleagues of the seventeenth-century Italian physicist had considerable difficulty in reproducing some of his results - because this colourful character tended to carry out experiments in his head, rather than in his laboratory. In one instance he graphically described the motion of a ball dropped from the mast of a moving ship. Challenged, Galileo admitted he had not actually carried out the experiment ‘I do not need to,’ he explained ‘I can affirm that it is so because it cannot be otherwise.’"

"Ich will dazu noch eine Geschichte erzählen. Im aufgeklärten Mittelalter wurden hypothetische Konstruktionen wie etwa jene von Kopernikus als System bezeichnet. System hiess eine ausgedachte Erklärung, die man nicht beweisen konnte, weil sie auf Hypothesen, also auf angenommenen Unterstellungen beruhte. Im Streit über das heliozentrische Planetensystem sagte der Kardinal Bellarmino sagte zu G. Galilei: "Sei vernünftig: Bezeichne deine Ideen als Hypothesen, sonst sind sie Ketzerei". Man kann den Rat des Kardinals so interpretieren, wie es offenbar G. Galilei auch getan hat: Hätte G. Galilei seine Ideen als Hypothesen bezeichnet, hätte er zugegeben, dass er nicht weiss und nicht wissen kann, ob er recht hat. Sein ganzes System wäre nur eine Denkmöglichkeit gewesen - was es in meinen Augen tatsächlich ist. N. Kopernikus und G. Galilei benutzten das heliozentrische Planetensystem als Erklärung für bestimmte Phänomene am Sternenhimmel, die sich natürlich - wie jedes Phänomen - auch anders erklären liessen. Der üblichen Geschichte zufolge meinte G. Galilei, die Wahrheit zu kennen, auch wenn er sich dafür nicht verbrennen lassen wollte. Er schwor nur ab, um später zu sagen: "Und sie dreht sich doch!" K. Popper sagte viel später als der Kardinal nochmals, dass man Hypothesen nur falsifizieren, nie aber verifizieren kann. Deshalb bleibe die Wissenschaft immer hypothetisch. Dass sich die Erde dreht, und dass sie sich um die Sonne dreht, sind - wissenschaftlich gesehen - noch nicht einmal Hypothesen.

J. Konorsky verdeutlicht mit seinem Experiment auch, dass es dem Kardinal Bellarmino wohl nicht um die Falsifizierbarkeit von Hypothesen ging - denn G. Galileis Hypothesen sind so schwer zu falsifizieren wie jene von I. Pawlow. Wenn man die entsprechenden Versuche macht, wird man ziemlich sicher auch die prognostizierten Resultate erhalten. Der Kardinal wollte lediglich, dass G. Galilei seine Konstruktion als eine mögliche Erklärung bezeichnete. Der Kardinal wusste eben, was Erklärungen und was Hypothesen im Sinne der Systemtheorie sind, auch wenn er von Systemtheorie wohl noch nie gehört hatte. I. Newton sagte explizit, was G. Galilei vielleicht schon meinte: "Hypothesis non fingo" (Ich erfinde keine Hypothesen). A. Einstein zeigte, dass I. Newton nur nicht merkte, auf welchen "Erfindungen" er sein System aufbaute. G. Galilei und I. Newton sahen ihre blinden Flecken nicht. G. Galilei sah nicht, wo er steht (Perspektive) und I. Newton sah nicht, dass er im absoluten Raum und in der Zeit argumentierte" (Todesco, Systemtheorie-Vorlesung).

1543 N. Kopernikus veröffentlicht seine Planetentheorie
1609 G. Galilei >De revolutionibus orbium coelestium libri VI< (Sechs Bücher über die Kreisbewegungen der Weltkörper) erscheint
1588 T. Brahe veröffentlicht seine Planetentheorie
1609 G. Galilei richtet zum ersten Mal ein Fernrohr gegen den Himmel und entdeckt u. a. die Mondgebirge, vier Jupitermonde und die Sonnenflecken
1609 J. Kepler veröffentlicht seine Planetengesetze
1643-1727 Isaac Newton

Zitate

Schiff-Metapher (Relativitätstheorie)


[ ]

aus der WP: http://de.wikipedia.org/wiki/Betrug_und_F%C3%A4lschung_in_der_Wissenschaft

Galileo Galilei wurde wiederholt vorgeworfen, einige der von ihm beschriebenen und als Beleg für die Korrektheit seiner Theorien ausgegebenen Experimente niemals selbst durchgeführt zu haben. Federico Di Trocchio etwa schrieb über das Experiment mit der schiefen Ebene:

„Entweder hatte Galilei das Experiment nie durchgeführt, oder er hatte seine Ergebnisse nicht mit der nötigen Genauigkeit wiedergegeben.“[41]

Der Wissenschaftshistoriker Alexandre Koyré, der durch seine Études galiléennes als Galilei-Kenner ausgewiesen ist, hat behauptet, dass viele Experimente Galileis mit den Anfang des 17. Jahrhunderts verfügbaren Mitteln gar nicht zu realisieren gewesen seien. Er weist darauf hin, dass Galilei in seinen Schriften kaum jemals einen konkreten Wert angibt, und wenn doch – wie im Dialog – er jedes Mal völlig falsch liegt. So soll eine Kugel innerhalb einer Sekunde vier Ellen tief gefallen sein, das ist weniger als die Hälfte des Wertes, der nach dem Fallgesetz zu erwarten gewesen wäre. Koyré führt das Problem auf die Messmethoden zurück; um etwa die Zeit zu messen, wog Galilei die in einem bestimmten Zeitraum aus einem Gefäß abgeflossene Wassermenge mit einer Goldwaage (es gab noch keine mechanische Uhren, mit denen man Sekunden messen konnte). Nach Alexandre Koyré sind solche Messmethoden zu ungenau, um die gefundenen Gesetze abzuleiten:

„So befindet sich die moderne Naturwissenschaft in ihren Anfängen in einer ziemlich seltsamen und sogar paradoxen Lage: Ihr Prinzip ist die Genauigkeit, sie behauptet, daß die Wirklichkeit in ihrem Wesen geometrisch und folglich Gegenstand strenger Determination und Messung ist […]; sie entdeckt und formuliert (mathematisch) Gesetze, welche es erlauben, die Lage und die Geschwindigkeit eines Körpers an jedem Punkt seiner Flugbahn und in jedem Augenblick seiner Bewegung abzuleiten und zu berechnen, und ist außerstande, sie zu benutzen, weil sie keine Mittel hat, eine Zeitdauer zu bestimmen oder eine Geschwindigkeit zu messen.“[42]

Dem hat Stillman Drake widersprochen.[43] Er hat handschriftliche Notizen analysiert, in denen Galilei zum Beispiel ein Experiment zur Flugbahn einer fallenden Kugel mit unterschiedlichen anfänglichen Horizontalgeschwindigkeiten aufgezeichnet hat. Dabei notiert Galilei den von ihm erwarteten Wert für die Flugweite der Kugel sowie den gemessenen Wert, wobei die größte Abweichung knapp vier Prozent beträgt. Zumindest in diesem Fall sieht alles danach aus, dass Galilei den Versuch tatsächlich durchgeführt hat. Der Eindruck der Fälschung mag auch damit zusammenhängen, dass Galilei später in den Discorsi nur noch die gefundenen Gesetze, aber nicht mehr die zugrunde liegenden Versuchsergebnisse veröffentlicht hat.
[ ]
[g+]
[Rede des Papstes 1992]
[wp]