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Homonym: Das Wort Sprachentwicklung verwende ich umgangssprachlich mehrdeutig sowohl für Spracherwerb von Kleinkindern als auch für Sprachwandel, also Veränderungen in einer Sprache. Hier meine ich aber die Entstehung der Sprache.

Als Sprachentwicklung bezeichne ich die Entwicklung der Sprache in der Phylogenese des Menschen. Dabei unterscheide ich Keimformen der Sprache in der Stammesgeschichte und eine eigentliche Sprache in der Homogenese oder Hominisation.


 
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Wenn ich von einer Autopoiese spreche, bezeichne ich in gewisser Hinsicht einen spezifischen Moment einer dort geteilten Entwicklung. Wenn ich beispielsweise von der Entwicklung des Menschen spreche, unterscheide ich in diesem Sinne eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Menschen kann ich beispielsweise - wenn mir das gefällt - als toolmaking animals sehen. Dann beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge entwickeln.
FN: In naturhistorischen Zeiträumen mag sich unter evolutionstheoretischen Gesichtspunkten natürlich auch der Mensch weiterentwickeln, aber im historischen Zeitraum kann ich keinerlei Entwicklung des Menschen als biologisches Wesen erkennen. Ich wüsste nicht, inwiefern ich „entwickelter“ sein sollte als beispielsweise die „alten Griechen“, deren Philosophen auch zeigen, dass nicht ernsthaft von einer geistigen Weiterentwicklung gesprochen werden kann. Was wir früheren Generationen voraus haben, sind Maschinen wie das Internet. (Todesco, R: Geld:41)

Natürlich (im Sinne von naturgemäss) lässt sich über die Sprachentwicklung in diesem Sinn nur spekulieren. Nicht spekulativ ist aber der dabei verwendete Sprach-Begriff:
Sehr oft wird Sprache diffus mit "Kommunikation durch Laute und Gesten" gleichgesetzt. Dann ist häufig von Tiersprachen die Rede, die den Anfang der Entwicklung darstellen sollen. Verbreitet sind damit Vorstellungen verbunden, die biologische Voraussetzungen thematisieren, einerseits "Sprachgenen" (FOXP2) und andrerseits ein artikulationsfähiger Sprechapparat (Zunge, Kehlkopf). Ein Mensch kann nicht sprechen, wenn er entsprechende Genschäden oder keine Zunge hat, aber ein Gen oder eine Zunge sind sicher nicht Ursache der Sprache.

Wenn Sprache dagegen - mit welche Definitionen auch immer - den Menschen vorbehalten ist, beginnt sie natürlich auch erst mit den Menschen, wobei dann noch zu klären wäre, wo das Menschsein beginnt.

Wenn Sprache noch spezifischer bestimmt wird, kann man deren Entwicklung in einer Homogenese verorten, in welcher Menschen ihre Sprache erst entwickeln, also nicht schon haben, bloss weil sie Menschen sind.


 
[Dreistufenmodell der Sprachentwicklung]
[Flintknapper - Sprache als Mittel der Werkzeugherstellung]
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