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Als Kategorienfehler bezeichne ich ein Ausdruck auf eine Weise verwendet, die nicht dem logischen Typ des Ausdrucks entspricht. Der logische Typ eines Ausdrucks ist die Klasse seiner logisch richtigen Verwendungsweisen. Diese Klasse kann als eine Menge von Sätzen betrachtet werden, die einen Rahmen für die Einsetzung sprachlicher Ausdrücke bilden. Ein solcher Rahmen kann etwa die Form haben: "Aristoteles war ein griechischer …". Mögliche Einsetzungen in die mit "…" gekennzeichnete Leerstelle sind z.B. "Philosoph", "Dichter", "Bildhauer", "Politiker" usw. Auch wenn nicht alle dieser Einsetzungen wahre Sätze ergeben, sind es doch sinnvolle Sätze. Einsetzungen wie "Planet", "Syllogismus" oder "Gedanke" dagegen führen zu unsinnigen Sätzen. Ausdrücke, die bei Einsetzung in verwandte Satzrahmen sinnvolle Sätze ergeben, gehören einer Kategorie an, sie sind vom gleichen logischen Typ. Dass ein Kategorienfehler begangen wurde, lässt sich daran erkennen, dass die Einsetzung eines Ausdrucks einen unsinnigen Satz produziert.

In seiner Bestimmung der Kategorie als logischer Typ eines sprachlichen Ausdrucks und dem Vorschlag, Kategorien als eine Menge von Satzrahmen zu definieren,[3] lassen sich jedoch deutliche Anleihen bei den Untersuchungen Bertrand Russells erkennen.
 

Eine Geschichte von G. Ryle (The Concept of Mind):
"Demnach wird ein Besucher durch die Universität Oxford geführt, ihm werden Colleges, Büchereien, Sportplätze, Seminar- und Bürogebäude gezeigt. Am Ende der Tour fragt der Besucher: „Aber wo ist die Universität?“ Für Ryle ist dies ein klassischer „Kategorienfehler“ – die Gebäude sind nicht die Universität, diese „besteht“ vielmehr in der internen Organisation all des Gesehenen. Ryle führte dieses Beispiel an, um darauf hinzuweisen, dass auch der menschliche Körper oder dessen Geist eine komplex organisierte Einheit sei - und folglich nicht durch additive Erklärungen seiner Bestandteile erklärbar sei. S. Beck: Digitale Praxen S.5


 
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