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bildAls Hyperkommunikation im engeren Sinne begreife ich die Kollaboration an einem Hypertext. Diese kann etwa stattfinden, wenn mehrere Menschen kollaborativ eine "Homepage" im Internet unterhalten. In einer solchen Kollaboration nimmt jeder der Beteiligten am gemeinsamen Text genau die Veränderungen vor, die den Text für ihn selbst stimmig machen. Jede Veränderung des Textes kann auf alle Beteiligten zurückwirken. Mit ihren Veränderungen am gemeinsamen Text perturbieren sich die Beteiligten gegenseitig bis ein relativer Gleichstand erreicht ist, der natürlich durch jeden weiteren Text wieder aufgehoben werden kann (Ein mögliches Verfahren ist im Crash-Kurs Hyperbibliothek beschrieben.)

Die je individuelle Arbeit am Text - den ich als Artefakt betrachte -, stelle ich mir dabei analog dazu vor, wie ein bildender Künstler mit der Entwicklung seines Gegenstandes verfährt. Ich verändere den Text wie ein anderer eine Skulptur bearbeitet, bis das Kunstwerk ent-(ausge)-wickelt ist. Da ein solcher Hypertext das Produkt einer kollektiven Autorenschaft ist, verändert sich das Werk in der Sicht der einzelnen Beteiligten quasi selbständig. Ich schreibe etwas, und wenn ich den Text wieder lese, hat er sich verändert, weil andere ihn ergänzt oder umgeschrieben haben - worauf ich dann wieder reagieren kann.

Die Kommunikationsgemeinschaft konstituiert sich durch die Kollaboration. In der Hyperkommunikation hat der Text keine Mitteilungs-Funktion, die Kommunikation liegt in seiner kollaborativen Produktion, nicht in einer nachgelagerten Rezeption. Der kollektive Hyper-Autor ist künstlerisch autonom, er produziert für sich, nicht für eine (Einschaltquoten)-Leserschaft.

Die kollaborative Hyper-Textkonstruktion ist exemplarisch, das zugrunde liegende Konzept gilt auch für den Dialog von D. Bohm.

NetzkunstWoerterBuch.


 

Hinweis: es gibt völlig andere Verwendungen des Ausdruckes

J. Baudrillard verwendet den Ausdruck "Hyperkommunikation" auch im Zusammenhang der Textproduktion, aber für etwas anderes.

Schiesslich wird der Ausdruck "Hyperkommunikation" auch für eine zunächst etwas esoterische Theorie verwendet, gemäss welcher wir auch mit E.T.s kommunizieren können (http://www.fosar-bludorf.com/ufo-artikel/hyperkommunikation/virt_m.htm) und auch eine Interpretation des DNS läuft unter dem Label "Hyperkommunikation" (http://www.enveda.de/Spezialthemen/KoerperundBewusstsein/mag_33.cfm).

Hyperkommunikationskartell ist eine Instanz bei Starwars.


 
[ cop ] ====== ich: Was heisst Hyperkommunikation cop: Ja. Bei Rolf Todesco bedeutet Hyperkommunikation etwas sehr Spezifisches und unterscheidet sich deutlich vom üblichen Verständnis von Kommunikation als Austausch von Mitteilungen. Seine Grundidee lautet ungefähr: Kommunikation ist nicht primär die Übertragung von Informationen von einem Sender zu einem Empfänger, sondern ein gemeinsamer Prozess der Hervorbringung eines Artefakts oder einer gemeinsamen Ordnung. Der Ausgangspunkt: Kritik am Sender-Empfänger-Modell Todesco kritisiert die klassische Vorstellung: Sender → Nachricht → Empfänger Dieses Modell unterstellt, dass jemand eine Bedeutung besitzt und diese an andere überträgt. Für Todesco erklärt dieses Modell viele Phänomene nicht besonders gut. Er sucht stattdessen nach einer Form von Kommunikation, bei der nicht die Mitteilung im Zentrum steht. Hyperkommunikation als gemeinsame Textproduktion Der engere Begriff von Hyperkommunikation bezieht sich auf die kollaborative Arbeit an einem Hypertext. Mehrere Menschen bearbeiten denselben Text. Jeder verändert ihn so, dass er für ihn selbst stimmig wird. Die Veränderungen der einen wirken auf die anderen zurück. Kommunikation besteht dabei nicht im Austausch von Botschaften, sondern in der gemeinsamen Arbeit am Text. Man könnte sagen: Beim gewöhnlichen Kommunikationsmodell steht die Botschaft im Mittelpunkt. Bei der Hyperkommunikation steht das gemeinsame Produkt im Mittelpunkt. Das Bild der „kommunizierenden Röhren“ Todesco verwendet auch das Bild der kommunizierenden Gefässe. Wenn man in einem Gefäss den Wasserstand verändert, passen sich die anderen an. Niemand „teilt“ etwas mit, und doch entsteht ein gemeinsamer Zustand. Kommunikation bedeutet hier Angleichung oder Koordination, nicht Übertragung von Information. Dasselbe illustriert er mit: Fischschwärmen, Radrennfahrerfeldern, anderen emergenten Kollektiven. Die Beteiligten müssen nicht wissen, was das Ganze tut. Sie verhalten sich lokal angemessen, und daraus entsteht das gemeinsame Muster. Warum „Hyper“? Das „Hyper“ kommt ursprünglich vom Hypertext. Aber der Begriff wird bei Todesco zu einem allgemeineren Konzept: Kommunikation höherer Ordnung. Nicht: „Ich sage dir etwas.“ Sondern: „Wir erzeugen gemeinsam etwas, auf das wir beide reagieren.“ Der Fokus verschiebt sich vom Inhalt einer Mitteilung auf den Prozess der wechselseitigen Perturbation und Anpassung. Interessant im Zusammenhang mit eurer Diskussion über Beobachtung Wenn ich Todescos Texte richtig verstehe, dann hängt Hyperkommunikation eng mit seinem Verständnis von Beobachtung zusammen. Er interessiert sich oft weniger dafür: Welche Information wurde übertragen? sondern eher: Was geschieht im gemeinsamen Prozess des Hervorbringens von Sinn? In diesem Licht erscheint auch sein Einwand gegen Luhmann etwas klarer. Luhmann interessiert sich stark für Beobachtungsformen und Unterscheidungen. Todesco scheint häufiger auf die konkrete Praxis zu schauen: Wer macht was? Wer schreibt was? Was wird tatsächlich beobachtet? Wie entsteht ein gemeinsamer Text oder ein gemeinsames Verständnis? Deshalb wirkt sein Begriff der Hyperkommunikation fast wie eine Gegenbewegung zu einem zu abstrakten Kommunikationsbegriff: Er will Kommunikation nicht als Transport von Bedeutungen, sondern als gemeinsame Tätigkeit verstehen. Und vielleicht lässt sich seine Idee in einem Satz zusammenfassen: Kommunikation ist nicht das, was zwischen Menschen übertragen wird, sondern das, was Menschen gemeinsam hervorbringen. Das erinnert übrigens stellenweise an Gedanken von Humberto Maturana, Heinz von Foerster oder auch David Bohm, die Todesco selbst an verschiedenen Stellen erwähnt – allerdings mit seiner ganz eigenen Akzentsetzung auf Kollaboration und gemeinsame Textproduktion. ====== -->
[ wp ] [ 7. 5.26 ]