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Quasi-Homonym:
Ich verwende den Ausdruck "Dialog" in Anlehnung an M. Buber und D. Bohm: ich interpretiere dabei Dialog quasi-etymologisch als "dia logos", was ich mit "durch das Wort" oder "mittels des Wortes" übersetze. Dann stelle ich mir die Frage, was durch das Wort gewährleistet werden soll. Als Dialog bezeichne ich einen in der Schwebe gehaltenen, sprachlichen Kommunikationsprozess, in welchem Vielfalt von Sichtweisen dazu benutzt wird, die Kommunikation in Gang zu halten. Im Dialog ist Kommunikation nicht Mittel, sondern Zweck. Wenn Kommunikation als Mittel verstanden wird, versucht man den Kommunikationsprozess zu beenden, weil man den Zweck erreichen will. Man diskutiert beispielsweise, bis man die Lösung gefunden hat, das heisst bis ein Monolog entstanden ist. "Monolog" und "Dialog" sagt in diesem Sinne nichts über die Anzahl der beteiligten Personen, sondern etwas über die Anzahl der Sichtweisen. Im Dialog geht es darum, die Anzahl der Sichtweisen zu vergrössern, nicht darum, die richtige Sichtweise zu finden oder andere auf eine bestimmte Sichtweise hin zu überzeugen. Im Dialog interessieren sich die Teilnehmenden dafür, wie sie die Dinge oder ihre Um-Welt sehen und wie sie sie auch sehen könnten, weil andere es so tun. |
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Dialoge starten ohne Gestaltungsregeln und Gesprächsgegenstand, weil die Wahl des Gegenstandes und wie er behandelt wird bereits zur Kommunikation gehört. Ein möglicher Anfang ist die Reflexion des Anfanges: Wer hat zuerst was gesagt? Was habe ich zuerst gesagt? In einer gewissen Hinsicht sind aber Gegenstand und Gestaltung immer schon gegeben: Im Dialog spreche ich über mich und ich gestalte meine Rede nach meiner Art. Wenn ich mir meine Gestaltung bewusst machen will, helfen mir das Setting von David Bohm (Dialog-Containment) ebenso wie die Regeln der klassischen Conversation. Diese "Regeln" sind im Dialog keine gesetzten Regeln, die befolgt werden müssen, sondern analytische Strukturen der Selbstbeobachtung. |
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Dialoge kann man - durch das Wort - praktizierend üben. Die Dialogteilnehmer können sich gegenseitig durch die Unterhaltung eines bewusst gemachten Settings unterstützen, in welchem Dialoghaltungen entwickelt und gehegt werden (siehe Kasten Dialog-Seminar ).
Hinweise / Anmerkungen"Dialog" steht auch für die bewusste Inszenierung von Dialogübungen, die durch ein Setting bestimmt sind, das im Umfeld von David Bohm entwickelt und durch dessen Buch "On Dialog" verbreitet wurde. Es gibt viele Dialoggruppen, die diese Ideen entwickeln und praktizieren: Dialog im Aktsaal Kontexte (Forschung/Projekte) zum Dialog: Dialog im ELEKTROMAGNETISCHEN SOMMER 2009 von Radio LoRa
Arbogast Dialogprojekt - die Dialog-Seite des Seminarhaus Arbogast
Es gibt auch viele Ausbildungen/Trainings, die Dialog-Fähigkeiten vermitteln: Dialog-Seminar
Literatur / Links:Isaacs William: Dialog als Kunst gemeinsam zu denken
http://ncdd.org
Weiteres Umfeld: Epoché (Heideger)
J. Derrida und H.G. Gadamer sprechen - ablehnend und zustimmend - von einem inneren Dialog als einem hermeneutischen Verfahren. |
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[Dialogphilosophie] [dialogische Logik]
(Übetragen aus Benutzer_Diskussion:LKD, Anlass [2])
Du hast mir geschrieben, ich solle den Artikel über Grin lesen, aber ich kann ihn nicht finden Marina Wallier 18:44, 5. Jan. 2011 (CET)
Aha, ok, auch das habe ich jetzt gesehen. Find ich komisch, aber gut, wenn die Regeln so sind ... ist ja auch unbesehen gelöscht worden. Kein Problem für mich Marina Wallier 20:02, 5. Jan. 2011 (CET)
Mein "unbesehen" bezog sich auf das Buch, das durch "GRIN" abqualifiziert wurde. Aber eben - wenn das Verfahren so ist, ist es eben so: Man muss den Text nicht anschauen, GRIN genügt. Marina Wallier 01:33, 6. Jan. 2011 (CET)
(Ende Übetrag) --Rex250 10:48, 6. Jan. 2011 (CET)
Der ganze Artikel ist ein kunterbuntes Gemisch, in welchem ganz verschieden Ansätze zusammengeworfen werden. D. Bohm bezieht sich IMPLIZIT auf M. Buber, wo er das Wort Dialog gerade nicht als ZWEIgespräch auffasst, sondern das Wort als DIA LOGOS deutet, was etwa als DURCH das Wort (hindurch) übersetzt werden kann (Gut, ich habe das zuerst in einem Buch gelesen, das ich hier nicht zitieren soll/darf, aber ich kann ja sagen, dass dort auf das Buch von D. Bohm (Der Dialog, S.32f) verwiesen wird. Jedenfalls erscheint dieser Artikel als totaler Schrott, wenn man ein paar Seiten in einem der Dialogbücher gelesen hat. Marina Wallier 17:17, 6. Jan. 2011 (CET) By the way: Das wirft auch ein etwas schräges Licht darauf, wie gut die hier gepflegten Kontrollen (siehe oben Abschnitt GRIN) der Sache dienen.
bytheway: Ich glaube mittlerweile auch verstanden zu haben, WAS ich zunächst erstaunt hat: Ich finde ziemlich schräg, dass die "Kontrolle" der Einträge nicht jenen Leuten überlassen wird, die sich auf der jeweiligen Seite beteiligen - und so eine Ahnung vom Thema proklamieren. An dieser Dialogseite haben sich ja offenbar schon ganz viele Leute beteiligt. Jetzt muss ich auch noch zugeben, dass ich nicht weiss, ob die Benutzer Rex250 und LKD an dieser Seite mitgearbeitet haben und ich deshalb mit "Schrott" deren Gefühl verletzt habe. Ich habe (möglicherweise etwas kurzsichtig) gedacht, sie hätten nur Formalitäten wie GRRIN und eigene Homepageverweise geprüft Marina Wallier 12:19, 7. Jan. 2011 (CET)
Schon der erste Satz: "ein Gespräch zwischen mehreren Personen ..." Gespräche haben es an sich, zwischen mehreren Personen stattzufinden, andernfalls heissen sie SELBSTgespräch. Marina Wallier 17:24, 6. Jan. 2011 (CET)
--Mpknurrhahn 10:13, 22. Sep. 2011 (CEST)
Dieser Wikipedia-Lexikon-Artikel enthält vor allem im Bereich des Bohmschen Dialogs eine Reihe offensichtlicher Irrtümer, unklare Formulierungen, überflüssige Einträge und persönlich gefärbte Wertungen. Vor allem findet sich kein einziger Beleg (Einzelnachweis) für die zahlreichen, meist sehr allgemein gehaltenen Äußerungen, denen stereotyp und redundant unbelegte „kritische“ Bemerkungen angehängt werden.
Aus Jancsary / Wilms (2008 bzw. 08) wird fast wörtlich zitiert, ohne diese Quellen als Einzelnachweise zu belegen.
Es ist auch kein stringenter, folgerichtiger Aufbau des Artikels ersichtlich.
Weder der Bohmsche Dialog, noch die postbohmschen Spielarten oder gar therapeutische Dialogformen sollten in einem allgemeinen Artikel über den Dialog derart breit ausgeführt werden. Vielmehr sollte kurz erörtert werden, was das Wesen „moderner“ Dialogformen gegenüber den tradierten ausmacht. Dabei würde es genügen, den Bohmschen Dialog oder andere moderne Dialogformen zu benennen. Dem Bohmschen- einschließlich den „postbohmschen“ Dialogformen sollte ein eigener Artikel gewidmet werden; ähnlich den (psycho)therpeutischen Dialogarten, von denen es zahlreiche gibt.
„Dia-logos“ mit „Fließen von Worten“ zu übersetzen, halte ich für problematisch. „Dia-logos“ bedeutet zunächst: „durch das Wort“. „Fließen von Worten“ kommt eher der Interpretation nach David Bohm nahe, der vom „freien Fluss von Sinn / Bedeutung“ -„free flow of meaning“ sprach – s. Bohm, David, 1985/1987, Unfolding Meaning. A Weekend of Dialogue with David Bohm, ed. by Donald Factor and David Bohm, Routledge Kegan & Paul, London, S. 175). In der lexikalischen Deutung von „dialogos“ als „Zwiegespräch“ scheint dagegen „dia“ mit „dyo“ = zwei übersetzt zu werden, was Bohm für nicht richtig hielt (Bohm, David, 2002, Der Dialog – Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen, hrsg. von Lee Nichol, Klett-Cotta, Stuttgart, S. 32f.), was aber der Interpretation von Martin Buber entsprechen würde.
Hierüber möchte ich als Ratsuchender mehr wissen! Die Geschichte sollte bis in die moderne Zeit reichen. Dabei wäre es wichtig, Unterschiede herauszuarbeiten. Etwa beginnend mit dem Sokratischen Dialog wären Beispiele für Dialogformen verschiedener Epochen aufzuführen. Für die moderne Zeit könnten der Dialog nach Martin Buber, der Dialog nach David Bohm und Postbohmsche Dialogformen (z.B. nach Isaacs, nach Dhority/Hartkemeyer) erwähnt werden.
Ein weiteres Einteilungsprinzip wäre der Dialog nach verschiedenen Gattungen (z.B. Dialog in der Literatur, Dialog in der Psychotherapie, Dialog im Kontext Religion / Politik / Gesellschaft).
Die Kunst des Artikels bestünde darin, historische und Gattungsaspekte sinnvoll zu verknüpfen. Da ich selber weder ein Experte im Verfassen von Lexikon-Artikeln, noch ein solcher zum Dialog bin – ich habe lediglich einige Kenntnisse zum Bohmschen Dialog – wäre ich hierin überfordert.
Meiner Auffassung nach sollte der Bohmsche Dialog (sowie die Postbohmschen Dialogformen nach Isaacs, Dhority/Hartkemeyer) in einem eher allgemein zu haltenden lexikalischen Artikel über „Dialog“ nicht derart breit aufgeführt werden. Ich könnte mir gut einen eigenen Artikel über „Dialog nach David Bohm“ vorstellen, in dem auch Postbohmsche Dialogformen zu behandeln wären; ähnlich über therapeutsche Dialogformen, von denen der Dialog nach Rogers nur einer unter vielen anderen ist.
Die Einträge sollten aber richtig,verständlich, klar sein und durch „Einzelnachweise“ belegt werden. Das vermisse ich hier und ich möchte im Folgenden einiges klarstellen.
Sind mit „in seiner letzten Lebensphase“ die letzten zehn, die letzten zwanzig Lebensjahre Bohms gemeint? Bohm (1917–1992) lernte Krishnamurti (1895–1986) persönlich im Jahr 1961 kennen, er war damals 44 Jahre alt, und arbeitete mit ihm bis zum Jahr 1984 zusammen. Nach mehr als zwanzig Jahren kam es zum Bruch, als Krishnamurti Bohm bei einem Treffen in Ojai / Kalifornien vorwarf, er habe sich trotz seiner langjährigen Beziehung zum nicht von seinen Konditionierungen befreit (Peat, David, 1997, Infinite Potential. The Life and Times of David Bohm, Helix Books, Addison-Wesley, Reading, MS/USA, S. 285.). Zwar hatten die beiden Denker während der nächsten zwei Jahre bis zum Tod Krishnamurtis 1986 noch Kontakt, doch konnte von einem intensiven Austausch zwischen ihnen nicht mehr die Rede sein (Peat, 1997, S. 298, 329f.). Also blieben für die Entwicklung des Dialogkonzepts nur die Jahre bis 1984 ...
Aus welchen Quellen geht hervor, dass Bohm sich zunehmend Fragen nach dem Bewusstsein des Menschen und der Natur zwischenmenschlicher Verständigung zugewandt habe, wo finden sich Belege dafür? Allerdings ist die Aussage vor allem durch das „zunehmend“ so allgemein gehalten, dass sich Belege (also „Einzelnachweise“, wie sie normalerweise in Wikipedia zu finden sind) schwerlich finden lassen. Ein Beleg könnte möglicherweise der im folgenden Abschnitt erwähnte Artikel Bohms „Über Kommunikation“ sein, aber dieser stammt aus dem Jahr 1970, also wohl eher nicht aus Bohms letzter Lebensphase ...
Auch Behauptung, dass der Bohmsche Dialogansatz in intensivem Austausch mit Judda Nariahna entwickelt wurde, ist hier nicht belegt. Sie lässt sich auch nicht belegen, nicht nur weil sie – abgesehen von der hier überflüssigen (weil im Wikipedia-Artikel über Krishnamurti nachzulesenden oder dort zu ergänzenden) Klarstellung zum Namen Krishnamurtis sehr allgemein gehalten wird, sondern weil sie bestenfalls nur einen Teil der Wahrheit widerspiegelt, meiner Auffassung nach aber insgesamt unrichtig ist. Sie unterschlägt nämlich die Rolle des Freudschen Psychoanalytikers und Gruppenpsychotherapeuten Patrick de Maré (1916–2008) für den Bohmschen Dialog. Dieser lehnte sein Gruppentherapiekonzept eng an den Pionier der Gruppenpsychotherapie, S. H. Foulkes (1896 1976) (Foulkes, S.H. (1974) Gruppenanalytische Psychotherapie, Kindler Taschenbücher, München) an, weitete es jedoch auf Großgruppen mit mehr als 20 Teilnehmenden aus. Es war de Marés Soziotherapie- und Koinoniakonzept (Nichol, Lee, 2002, in Bohm, David, Der Dialog – Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen, hrsg. von Lee Nichol, Klett-Cotta, Stuttgart, S. 12.) von dem Bohm nicht nur inhaltliche Aspekte, sondern auch Aspekte der Rahmenbedingungen (De Maré, Patrick, Robin Piper & Sheila Thompson,1991, Koinonia – From Hate, through Dialogue, to Culture in the Large Group, Karnac Books, London, New York, S. 15f.) übernommen hat. Bohms Teilnahme vor allem an einer „Theoriegruppe“ de Marés hat ihm diese Kenntnisse vermittelt, sie gaben ihm den Impuls, diese Konzeption in den später von ihm gegründeten Dialoggruppen zu erkunden. (Peat,1997, S. 286 290f)
Überdies: Bohm wies „seinem“ Dialog klare Zielsetzungen zu. Er machte auch Aussagen zu Rahmenbedingungen („Setting“), wie zum Beispiel, Gruppengröße, Sitzordnung, Anzahl und Dauer der Sitzungen etc. kurz: er gabt recht eindeutige methodische, sogar auch gewisse inhaltliche Hinweise. Das alles wäre für Krishnamurti undenkbar gewesen. Seine ihm zugeschriebene Aussage „Es gibt keine Methode, es gibt nur Achtsamkeit“ deutet an, wie Krishnamurti über Methoden dachte. Diese sind für ihn lediglich Anpassungen an etwas Vorgedachtes, regen bloß zur Nachahmung an und sind deshalb wertlos (Krishnamurti, Jiddu, 1995, Du bist die Welt. Reden und Gespräche, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, S. 50).
Sicher mögen auch Gedanken aus Gesprächen von Bohm mit Krishnamurti in Beiträge Bohms zum Dialog eingeflossen sein; Lee Nichol (2002, S. 11) nennt zwei Aspekte – „kollektives Denken“ und das „Paradox vom Beobachter und dem Beobachteten“, die anderen stammen nach Nichol von de Maré und gingen aus der Konferenz in Mickleton hervor. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Beobachter und Beobachtetem, einem zentralen Problem der Quantenphysik, beschäftigte Bohm schon lange bevor er in Kontakt mit Krishnamurti kam (Bohm, David, 1982, Preface. An introduction to Krishnamurti’s work, in Krishnamurti, Jiddu & David Bohm (1999) The Limits of Thought. Discussions, Routledge, London, New York). Sie war neben Krishnamurtis spirituellem Ansatz zur Lösung der Probleme der Menschheit eine der Ursachen, die Bohm dazu brachte, sich auf Krishnamurti einzulassen: "What particularly aroused my interest was his deep insight into the question of the observer and the observed. This question has long been close to the centre of my own work, as a theoretical physicist, who was primarily interested in the meaning of the quantum theory." (Bohm, 1982, S. 1 ,bezogen auf einen Ausdruck aus dem Internet)
Das eine von insgesamt nur zwei Zitaten, in denen Bohm Krishnamurti in „Der Dialog“ erwähnt, handelt denn auch von diesem Problem, zu dem Bohm eine durchaus von der Aussage Krishnamurtis „Der Beobachter ist das Beobachtete“ abweichende These anbietet (Bohm, David, 2002, S. 134 138), die er auch in anderen Beiträgen wie zum Beispiel in Thought as a System (Bohm, David, 1992/2008, Thought as a System, Transcription of a seminar held in Ojai, Californi, 31 Nov. to 2 Dec. 1990, ed. by David Bohm, Routledge, New York, S. 213; 210 214) oder in einem Interview (Davies, P.C.W. & J.R. Brown, Hrsg., 1986/1993, Der Geist im Atom. Eine Diskussion der Geheimnisse der Quantenphysik, Insel, Frankfurt am Main, Leipzig, S. 143 145) zum Ausdruck bringt.
In dem (oben erwähnten) frühen Artikel Bohms „Über Kommunikation“ wird Krishnamurti nicht erwähnt oder zitiert. Das muss allerdings nicht bedeuten, dass Bohm nicht auch Gedanken Krishnamurtis, aus dem Austausch mit ihm zum Ausdruck gebracht hat. Nichol (2002, S. 15) ist der Meinung, dass dieser Artikel „einen Einblick in Bohms frühe Formulierung“ böte und dieser Artikel „wegweisend in seiner Behandlung des ‚Zuhörens’“ sei: "ein Zuhören, bei dem gerade das „Miss-verstehen der geäußerten Absicht zu einer neuen Bedeutung führen kann, die „auf der Stelle“ gschaffen wird“".
Ich wage nicht zu beurteilen, ob dies ein Gedanke ist, der in intensivem Austausch mit Krishanmurti entstanden ist. Es ist möglich, das Dialogkonzept Bohms erschöpft sich aber nicht darin. Mein Eindruck ist eher, dass Bohms Nähe zu Krishnamurti die Entwicklung des Bohmschen Dialogkonzepts gebremst hat. Denn noch im Jahr 1984 des Bruchs mit Krishnamurti in Ojai gründete Bohm eigene Dialoggruppen, die freilich nichts mehr mit dem Frage-und-Antwort-Spiel der früheren Veranstaltungen mit Krishnamurti (die Bohm nach dem Tod von Krishnamurti noch eine Zeitlang fortführte) zu tun hatten. Besonders nach den Erfahrungen in den Patienten- und Seminar-Gruppensitzungen von de Maré scheint mir Bohm regelrecht befreit zu sein, seinen eigenen Ansatz zu verfolgen, der nach Peat, 1997 (285, 291) nun seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Meiner Auffassung nach ist der Abschnitt "Grundgedanke" in dieser Form überflüssig. Zum wirklichen Grundgedanken des Bohmschen Dialogs sagt er nichts aus – für Kritiker an Krishnamurti (als dessen Freund auch ich mich nicht bezeichnen möchte) allerdings sehr wohl. Zunächst sollte hier der Grundgedanke Bohms zum Dialog vorurteilsfrei und ohne persönliche Wertungen skizziert, belegt und nicht mit Kritik an K. verwoben werden. Kritischen Aspekten zum Bohmschen Dialogkonzept sollte ein eigener Abschnitt gewidmet werden. Darin könnte durchaus das Verhältnis Bohm-K. und seine etwaigen Auswirkungen auf den Dialog kritisch hinterfragt werden.
Hier sind durchaus richtige Aspekte des Grundgedankens Bohms zum Dialog zu finden, doch steht die Erkundung der Lebensgeschichten, wie sie etwa im Verlauf des gruppenpsychotherapeutischer Dialogs eine Rolle spielen kann, nicht im Zentrum des Bohmschen Dialogprozesses. Darin geht es primär um die Erkundung des Denkens und der damit verbundenen Emotionen und Gefühle, der sogenannten „mentalen Modelle“. Zwar kann die Erkundung der Lebensgeschichten im Verlauf des Bohmschen Gruppendialogprozesses eine Rolle spielen und es kann dadurch zu einer Art Therapie-Effekt kommen, doch ist dieser nach Auffassung von Bohm (2002, S. 96) zweitrangig.
Wie sich bei Projektbeteiligten nachlesen lässt (z.B. Hartkemeyer & Dhority, 1996; Isaacs, o.J.) war es weder Zielsetzung des Projekts, eine lernende Organisation zu schaffen, noch den Dialog als Methode in Unternehmen anzuwenden. Vielmehr ging es darum, die praktischen Möglichkeiten des Dialogs als Gruppenprozeß zu erforschen und die Kenntnisse darüber in konkreten gesellschaftlichen Arbeitsfeldern zu vertiefen. (Hartkemeyer & Dhority 1998, S. 60)
Oder, wie es im „Jahresbericht 1992 93“ bei Isaacs (Isaacs, William, ohne Jahresangabe, The Dialogue Project Annual Report 1993-94, The MIT Center for Organizational Learning) heißt "die Validität des Dialogs zu erforschen und einen Beitrag zur Entwicklung von Kenntnissen für die Anwendungspraxis des Dialogprozessen zu leisten". (dt. Autor dieses Artikels)
Dort ist auch nachzulesen, dass sich die Anwendung des Dialogs als „Eckpfeiler des organisationalen Lernens“ – diese ist nur einer von vier Aspekten – erst im Verlauf des Projekts abzuzeichnen begann.
Die starke Betonung des methodischen Vorgehens passt allerdings nicht ohne weiteres zu den Grundansichten von Bohm und dessen Wurzeln bei ... Jiddu Krishnamurti.
Wie lässt sich diese Behauptung belegen? Bohm selbst betrachtete den Dialogprozess als eine Methode oder Technik, von der er allerdings sagt, dass sie nicht „erfolgreicher ist als andere Formen sozialer Interaktion“ (Bohm, David, Donald Factor & Peter Garrett, 1991, Dialogue – A Proposal, zit. nach der Übersetzung von Helga Pfetsch, S. 9.). Woraus schließen die AutorInnen, dass die Wurzeln von Bohms „Grundansichten“ bei Krishnamurti lägen? Wo finden sich Belege für die Aussage? Inwieweit sich beide Denker gegenseitig beeinflussten, bedarf einer sorgfältigen Analyse, die meines Erachtens bisher nicht – auch nicht in der Biografie durch David Peat geleistet wurde, aber wissenschafthistorisch und -theoretisch sehr aufschlussreich werden könnte.
Bei Isaacs spielt dann auch der Dialogbegleiter (Fascilitator) eine tragende Rolle, der bei Bohm überhaupt nicht vorkommt.
Auch bei Bohm gibt es einen Dialogbegleiter (Facilitator), zumindest sollte er zu Anfang einer neu gegründeten Dialoggruppe zugegen sein, sich aber im Verlauf der Gruppensitzungen allmählich überflüssig machen (z.B. Bohm et al., 1991, S. 7 unter dem Stichwort „Leitung“).
Von einem „Dialog nach Hartkemeyer“ kann meiner Auffssung nach nicht gesprochen werden. Wohl aber von einem solchen nach Dhority & Hartkemeyer. Freeman Dhority sowie Martina und Johannes Hartkemeyer sind seit den 90er-Jahren bis heute gemeinsam im Dialogprojekt tätig, nachzulesen etwa bei Hartkemeyer, Martina & Johannes F. & L. Freeman Dhority (1998) Miteinander Denken. Das Geheimnis des Dialogs, Klett-Cotta, Stuttgart, S. 18 26.
Der Ansatz des MIT ... kam über Freeman Dhority zum Ehepaar Martina und Johannes Hartkemeyer, das dieses Grundkonzept mit Ihrem Dialogprojekt im deutschsprachigen Raum bis heute verbreitet.
Auch die „Verbreitung“ des Dialogkonzepts ist ein gemeinsames Werk von Dhority und Hartkemeyer. Freeman Dhority ist bis heute im Projekt-Team des Dialogprojekts tätig; das Buch von 1998 ist ein gemeinschaftliches Werk aller drei; an dem Buch von 2005 (Hartkemeyer, Johannes F. & Martina, 2005, Die Kunst des Dialogs. Kreative Kommunikation entdecken. Erfahrungen, Anregungen, Übungen, Klett-Cotta, Stuttgart) war Freeman Dhority beratend beteiligt.
Zunächst sahen sie Dialog als eine lehr- und lernbare Methode der Kommunikation in Gruppen an, die ein gemeinsames Verständnis ermöglicht. Später propagierten Hartkemeyer & Hartkemeyer den Dialog als Methode zur Verdeutlichung des Denkens über die „Realität" und des gemeinsamen Lernens.
Wieder fehlt jeglicher Beleg für diese Behauptung. Möglicherweise verfolgt sie den Zweck, die These der Wikipedia-AutorInnen einbringen zu können, dass etwas nicht zusammenpasse. Hartkemeyer sowie Hartkemeyer & Dhority interpretieren den Dialog bis heute als eine lehr- und lernbare Methode.
Die starke Betonung des gemeinsamen Lernens statt des Bewusstwerdens der eigenen Gedanken und der sie begleitenden Emotionen passt nicht ohne weiteres zu den Grundansichten von Bohm und dessen Wurzeln bei ... Jiddu Krishnamurti.
Was ist mit dieser – wieder nicht belegten These gemeint? Inwiefern „passt“ was nicht zu den Grundansichten Bohms? Bohm et al. (1991, S. 1) begreifen Lernen "nicht als Konsumieren von Informationen oder Doktrinen, die von einer Autorität vorgelegt werden, und auch nicht als Überprüfen und Kritisieren einer Theorie oder eines Programms, sondern vielmehr als Teil eines Entfaltungsprozesses des kreativen Miteinanders unter Gleichgestellten."
„Entfaltung“ ist hier nur im Kontext mit Bohm aus der Quantenphysik abgeleiteter Hypothese der „impliziten Ordnung“ zu verstehen. Das Lernen im Dialog nach Dhority / Hartkemeyer wird nicht anders interpretiert.
Die [sic!] Ausbildung zum Dialogbegleiter und die von ihnen propagierten Kernfähigkeiten zum Führen eines Dialogs ... wird eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Daran anknüpfend haben Hartkemeyer & Hartkemeyer dann konsequenter Weise diesbezügliche Ausbildungswege entwickelt, die bis heute am Markt von ihnen angeboten werden. Diese überdeutliche Betonung des methodischen Vorgehens passt nicht ohne weiteres zu den Grundansichten von Bohm und dessen Wurzeln bei Judda Nariahna, genannt Jiddu Krishnamurti.
Mir ist unklar, warum die „Passungenauigkeitsthese“ hier wiederholt wird. Wollen die AutorInnen auf diese Weise, eine Unvereinbarkeit des Dhority / Hartkemeyer-Dialogkonzepts mit dem Bohmschen Konzept nachweisen? Eine fundierte Kritik wäre selbstverständlich erwünscht. Sie sollte zumindest klarer ausgeführt und belegt werden, also von Mutmaßungen und persönlichen Wertungen frei sein.
Vielleicht ist hier der Hinweis für die AutorInnen hilfreich: Dhority und Hartkemeyer wollen keine in sich konsistente neue Dialogtheorie vorlegen. Bohm und Buber sind für sie stellvertretend für andere ideengeschichtliche Wurzeln des Dialogs die bedeutendsten (Hartkemeyer & Dhority, 1998, S. 47; Hartkemeyer, 2005, S. 31-35); sie knüpfen lediglich an diese Denker an, deren unterschiedliche Konzeptionen ihnen sehr wohl bewusst sind. Aber auch nach meiner Auffassung gibt es trotz der vordergründigen Widersprüchlichkeit der Auffassungen von Bohm und Buber zum Dialog Beziehungsaspekte, die durchaus praxisrelevant werden können.
Der Religionsphilosoph Martin Buber wird zwar von Hartkemeyer & Hartkemeyer oftmals zitiert, aber dabei niemals mit dem dazugehörigen Kontext betrachtet.
Das mag so sein. Der Leser erwartet aber unter der Überschrift „Dialog nach Martin Buber“ eine Beschreibung eben diesen Dialogs und wird sich fragen, was diese Aussage an dieser Stelle mit dem Thema zu tun hat.
Bohm, Isaacs und Hartkemeyer & Hartkemeyer geht es um gemeinsames Denken in Gruppen mit Blick auf gemeinsame Lernwege hin zur Lernenden Organisation.
Auch diese Aussage gehört nicht zu einem lexikalischen Eintrag zum Dialog nach Martin Buber. Zumindest im Hinblick auf Bohm sowie Dhority und Hartkemeyer trifft an dieser Aussage nur zu, dass es im Dialog um gemeinsames Denken geht. Letztlich über das Denken als Ursache der Fragmentierung mit dem Ziel, diese Zersplitterung zu beseitigen. Die damit verbundenen Lernprozesse zielen aber durchaus nicht auf die Schaffung einer lernenden Organisation (siehe oben); es sei denn, die gesamte Gesellschaft wird als eine solche betrachtet. Im Abschnitt „Ein begrenzter Dialog“ in Der Dialog setzt sich Bohm (2002, S. 92-99) übrigens anhand zweier Beispiele recht kritisch mit dem Dialog im Unternehmensbereich auseinander: er schließt ihn nicht aus, aber hält ihn für „begrenzt“.
Wie Hartkemeyer & Dhority (1998, S. 137-252) sowie Hartkemeyer (2005, S. 67-312) an zahlreichen Beispielen belegen, wird der Dialog in zahlreichen Praxisfeldern, vom familiären Alltag über Schulen und Universitäten bis hin zu multinational tätigen Unternehmen eingesetzt. Dass er auf lernende Organisationen ausgerichtet sei, lässt sich in dieser Literatur nicht nachweisen. --Mpknurrhahn 10:01, 22. Sep. 2011 (CEST)