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Ein Hypertext ist ein Konglomerat von spezifisch verbundenen Text-Teilen. Die Verbindungen heissen (Hyper)-Links. Die Menge der Hypertextteile heisst Hypervokabular.

Hypertexte sind Textgrundlagen, die im Wissen konstruiert werden, dass der Hyper-Leser selbst entscheidet, was er wann und in welcher Reihenfolge liest, also Grundlagen für Hypertext-Texte, bei welchen die Unterscheidung zwischen Autor und Leser aufgehoben ist, weil der jeweils gelesene Text, also der Hypertext-Text erst im Hyper-Lesen selbst entsteht.

Hypertext hat viele Väter: Vannevar Bush hat bereits in den 40er Jahren eine Art Hypersystem mit Mikrofilmen vorgeschlagen. In den 60er Jahren realisierte der Computer-Maus-Erfinder Douglas Engelbart fast naheliegenderweise Hyperapplikationen, da man mit der Maus eben Bildschirmfelder anklicken kann. Der Ausdruck "Hypertext" wurde von Ted Nelson geprägt, der auch in den 60er Jahren begonnen hat, ein Literatur-Archivierungssystem zu entwickeln. Allgemein bekannt wurde Hypertext, nachdem Apple 1987 ihre Hypercard-Software auf den Markt gebracht hatte.

Einen technisch orientierten Überblick gibt beispielsweise Schnupp: Hypertext, der auch die gängigsten Applikationen vorstellt. J.D. Bolter: Writing (1991) beschreibt den Einfluß von Hypertext auf die Textgestaltung und von E. Barrett (1988, 89,92) gibt es mittlerweile drei thematisch umfassende Aufsatzsammlungen.


Zur Geschichte von Hypertext

Weil die Hypertextteile durch ”Links” verbunden sind, gilt auch der CIA-Agent Vannevar Bush, der bereits in den 40er Jahren ein Archivsystem mit Links auf Mikrofilmen vorgeschlagen hat, als einer der Erfinder von Hypertext. Und weil Hypertextmaschinen mit Computermäusen funktionieren, wird modischerweise fast jede cursorsensitive Bildschirmoberfläche als Hypertext bezeichnet und dementsprechend der Computer-Maus-Erfinder Douglas Engelbart naheliegenderweise zu den Vätern des Hypertextes gezählt, da man mit der Maus eben auch in einem Hypertext Bildschirmfelder anklicken kann. Engelbart hat in der Tat auch die erste eigentlich Hypertextmaschine vorgestellt. Die Namensgebung NLS (oN Line System) zeigt aber deutlich, dass er an der Maschine, nicht am Text interessiert war. So müsste man natürlich alle, die irgendetwas Relevantes zum Computer beigetragen haben, auch in die Ahnenreihe von Hypertext stellen. ”Links” und ”Mäuse” sind Erfindungen, die auch ganz unabhängig von Hypertext genügend Sinn machen, schliesslich dient die Maus ganz generell der Cursorsteuerung, während jeder hinreichend grosse Computerdialog auf Links zu Datenbanken beruht. Dann aber gäbe es auf Computern nur Hypertext, was gleichviel ist wie kein Hypertext.

Und wenn wir schon bei den Erfindern sind: Dass Ted Nelson, der in den 60er Jahren begonnen hatte, ein Literatur-Archivierungssystem auf dem Computer zu entwickeln, den Ausdruck ”Hypertext” prägte, gehört auch zur Erfindergeschichte, die nicht recht weiss, zu welcher Idee sie Geschichte ist. Auch Xanadu, das Projekt von Nelson, beschäftigt sich nicht mit Text, sondern mit einer ”network storage engine”, einem ”file-server programm for linked compound documents” (Nelson 1987). Wo Hypertext wirklich erfunden wurde, ist so unbekannt, wie wo die erste Programmiersprache vom Himmel gefallen ist. Als die technischen Voraussetzungen vorhanden waren, war in beiden Fällen auch die Sache und vor allem ein völlig willkürlicher Name da. Auf die nicht erstaunliche Tatsache, dass es keine Geschichte über den Anfang der Programmiersprache gibt, obwohl die Programmiersprache die wohl wichtigste Komponente der Computer ist, habe ich schon früher hingewiesen (u.a. Todesco, 1992:67). Vernünftigerweise sollte man auch keine Erfinder von Hypertext erfinden. Entdeckt, das heisst wirklich erfunden, wird Hypertext erst allmählich, nämlich als neue Form der Sprache und als neues Paradigma der Kognitionstheorie, was ich in den nächsten Kapitel genauer diskutieren will ... (Todesco: Effiziente Informationseinheiten im Hypertext).


Hypertext als benutzerfreundliche Recherche-Technik

P. Schnupp vertritt diese Position am deutlichsten. Seine Einführung zum Thema beginnt mit den Worten: "Das Bedürfnis, aus dem Hypertext entstand, ist das gleiche, welches von der Datei zur Datenbank führte" (S. 15). So wie die Datenbank bei strukturierten Daten gegenüber der Einzeldatei neue Möglichkeiten der Datenabfrage erschloß, will Hypertext "die interaktive Recherche in umfangreichen Textbeständen erleichtern und beschleunigen" (S. 15).

Neu sind für Schnupp bei Hypertext vor allem die intuitiven, kein tieferes EDV-Wissen voraussetzenden Recherche-Techniken. "Ähnlich wie die Spreadsheets (Tabellenkalkulation, d.A.) dem individuellen Benutzer die Programmierung numerischer Anwendungsaufgaben zugänglich machten, bringt Hypertext ihm die selbständige Erstellung und Pflege umfangreicher Textarchive. Wie bei Daten wird auch bei Texten erst durch deren Verknüpfung ein großer Teil des in ihnen gespeicherten 'Wissens' zugänglich" (S. 16).


Hypertext als Weiterentwicklung stark strukturierter Texte

R. Kuhlen vertritt diese Position am deutlichsten. Über die Linearität von Text schreibt er: "Linearität beruht aus texttheoretischer Sicht auch auf der richtigen Verwendung mikrotextueller, Kohäsion erzeugender Mittel" (S. 30). Dazu gehören z.B. deiktische Ausdrücke, ausdrückliche Leseanweisungen oder Ausdrücke wie "dies wurde schon im ersten Kapitel problematisiert". Die Zusammenhänglichkeit linearer Texte ergibt sich also immer auch aus Linearität sprengenden Mitteln. Diese Linearität sprengenden Mittel werden in Hypertexten "zum Prinzip erhoben". Aus Texten mit textimmanenten, Kohäsion erzeugenden Mitteln werden "informationelle Einheiten" (Kuhlen) mit EDV-technisch ausführbaren Verknüpfungsankern. Die hypertextspezifischen Verknüpfungen leisten dabei nichts grundsätzlich Neues. Es sind keine willkürlichen, sondern semantisch begründbare, argumentative Verknüpfungen. Neu ist deren EDV-unterstützte Ausführbarkeit.


Nielsen's Definition:
Jakob Nielsen is the author of Hypertext and Hypermedia, a fine overview of the field which could be considered as a companion volume to this study. In "The Art of Navigating Through Hypertext," he writes:
Hypertext is non-sequential writing: a directed graph, where each node contains some amount of text or other information. [...] [T]rue hypertext should also make users feel that they can move freely through the information according to their own needs. This feeling is hard to define precisely but certainly implies short response times and low cognitive load when navigating. (298)

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