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Literatur


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Literatur über Gutenberg

S. Füssel: Johannes Gutenberg

Zur Person

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Bildquelle: Wikipedia
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Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (um 1400-1468) ist eine sagenhafte Figur, die für die Einführung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern und der Druckerpresse in Europa im 15. Jhd. steht. Die Verwendung von beweglichen Lettern - die in Asien schon länger bekannt war - revolutionierte ab 1450 die damals herkömmlichen Methoden des Buchdruckes, die auf Holzschnitten beruhte.

Über die Person ist wenig bekannt, sein Geburtsjahr ist so wenig bekannt, wie wo er aufgewachsen und in die Schule gegangen ist. Die existierenden Quellen hat S. Füssel (gbooks) aufgelistet und kommentiert. Bis 1440 sind es ein paar Rechtsstreiterein um Finanzierungsgeschäfte in Mainz und Strassburg, die wenig und wenig sichere Auskunft geben. Nicht einmal sein Familienstand ist bekannt. Gutenberg soll Wahlfahrtsuntensiellien, unter anderem Spiegel mit gegossenem Bleirahmen hergestellt haben. Insgesamt sind Finanzen und Partner dokumentiert, die über weite Teile keine Vortung zulassen. Für die Bibel oder die dafür nötigen Werkzeuge hat Gutenberg enorme Kredite aufgenommen, die mit 5 und 6% verzinst wurden. Was wir halbwegs verbindlich über ihn wissen, stammt aus allerlei rechtlichen Urkunden über seine finanziellen Verhältnisse, die ihn vor allem als "Geschäftsmann" ausweisen (In dieser Hinsicht war er ein Vorbild von C. Babbage). Er war einer der ersten Manufaktur-Kapitalisten, der in der Fugger-Zeit Bücher als Waren produzierte, was ihm wirtschaftlich und technisch leidlich gelungen ist.

Etwas bekannter ist seine Manufaktur, in welcher er Bücher - unter anderem seine berühmte Bibel - herstellen liess, wobei er verschiedene bekannte Verfahren neu kombinierte, die ihm teilweise als seine Erfindungen zugerechnet werden.

Sein "Hauptwerk", die Gutenberg-Bibel von 1452, zeigt - durch dessen ästhetische und technische Qualität - dass Gutenberg keineswegs den massenhaften Buchdruck im Sinn hatte, obwohl er mit den Büchern Geld verdienen wollte. Es ging ihm vielmehr darum, "schöne" Kopien herzustellen, wobei er sehr viel Aufwand betrieb, die besten Handschriften und Malereien zu kopieren. Wäre ihm an einer Verbreitung der Bibel gelegen, hätte er ganz sicher ganz anders gearbeitet: Einfache Schriften, kein aufwendiger Blocksatz und keine Ornamente, die er in Handarbeit herstellen liess. Dazu gibt es übrigens ein sogenanntes Musterbuch, das als tayloristisches Programm fungiert. Man würde dann wohl auch nicht von Drucker-Kunst sprechen.

Es ist nicht nur das fehlen von verlässlichen Quellen, sondern vor allem auch die unbedafte Geschichtsschreibung, die aus dem cleverern Handwerker, der immerhin Lesen konnte, eine Legende gemacht hat und ihm eine wesentliche Position zur kulturellen Entwicklung in der Renaissance zugewiesen hat. Zur populistischen Auffassung trägt auch die Gutenberg-Galaxis bei.

Gutenberg hat den Buchdruck ebensowenig erfunden wie J. Watt die Dampfmaschine. Beide haben durch ihre technischen Verbesserungen auf dem Markt Erfolg gehabt. Worin die Verbesserungen bestehen und worauf sie gründen, wird auch in der Technikgeschichte, wenn überhaupt, nur am Rande behandelt.

Die technischen und kulturellen Aspekte behandle ich unter dem Lemma Gutenberggeschichte(N).

Das Druckverfahren - das Gutenberg gerne geheim gehalten hätte - breitete sich in Europa in wenigen Jahren aus, inwiefern Gutenberg davon profitierte, weiss ich nicht. Die Technik war leicht zu kopieren und wurde von seinen Gesellen überall angeboten. Die Benediktiner holten das Wissen innerhalb von 10 Jahren nach Italien. Und auch sie dachten dabei kaum daran, dass das Volk lesen sollte.

Dass der Buchdruck sich für Massenmedien eignete, war nicht vorgesehen. Die Verbreitung war ein pandemischer Prozess des Flugblattes, vergleichbar mit der Verbreitung des Windows-PCs, hinter welchem auch nicht die Absicht steckte, ein Volksding zu werden. Gutenberg hatte vielleicht die gewieften Geschicke von B. Gates, aber die Zeit war nicht für ihn.


 
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