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Konvention: Renaissance ist die Bezeichnung einer Epoche der Malerei und der Architektur oder in einer etwas anderen Perspektive als Bezeichnung einer kulturellen Bewegung zwischen den 14. und 17. Jhd., die einen bestimmten Mal- und Baustil zur Mode machte (siehe Zeittafel).
In der Kulturtheorie folgt die Klassik, in der politischen Theorie die Aufklärung

Die Renaissance ist eine Ausgeburt von Philosophen, die lieber von erdichteten Griechen abstammen wollten, als von den Arabern, die in der Reconquista verfrängt wurden

Die Bezeichnung Renaissance wurde 1855 von J. Michelet eingeführt und 1860 von J. Burckhardt in seinem Werk „Die Kultur der Renaissance in Italien“ geprägt. J. Burckhardt hatte den Ausdruck von G. Vasari aufgegriffen, der im 15. Jhd einige Künstlerbiographien schrieb und dabei das Wiederaufgreifen von Ideen der klassischen Antike ins Zentrum stellte. Die Vertreter selbst sahen die Renaissance natürlich nicht als Epoche, sondern als epoché, also als Beginn einer neuen Ära, einer Moderne, die sich von der Vormoderne vor allem durch ein aufgeklärtes, rationales Denken absetzte, das wir heute als bürgerlich bezeichnen könnten: republikanisch, laizistisch, technologisch, ökonomisch statt monarchistisch und religiös. Die Mal- und Baukunst sind also ganz unwesentliche Aspekte der Renaissance, auch wenn gerade dort eine spezifische schnörkellose Schlichtheit im Grosskotzigen sichtbar wird.

Renaissance bezeichnet also vor allem eine Auffassung oder Kategorisierung des 19. Jhd, nach welcher es ein dunkles Mittelalter gegeben hat. Die Renaissance sehe ich in diesem Sinne als Reflexion auf die Praxis, in welcher die Antike als Vorbild verwendet wurde.

Die Praxis zur Hoch-Renaissance (15. und 16. Jahrhundert):

Entdeckung Amerikas
Martin Luthers Reformation
Entwicklung des Buchdrucks
bild 1492
1517 (Thesen)
1450
bild grosse Namen:
A. Dürer (1471-1528)

Als Renaissance bezeichne ich, dass die Medicis ihren Zinskapitalismus durch die Erfindung einer griechischen Blütezeit ideologisierten, der dann in der Reformation quasi legitimiert wurde.

Als Renaissance bezeichne ich - auch - die Tat-Sache, dass zwischen (1200-1700) Technologie aus der Antike plagiagiert wurden. Diese Technologie steckte in Büchern, die in Klöstern geheimgehalten wurden, aber langsam durchsickerten, weil die Klöster vom Wissen Gebrauch machten. Die Bücher sind vor allem durch die islamischen Erorberer von Spanien nach Europa gekommen und wurden in der Reconquista von den Klöstern beschlagnahmt, weil sie "aufklärerisch" wirkten.

Als Aufklärung bezeichne ich die massenhafte Einsicht in diese Technologie, die gerade nicht durch den Buchdruck (ab - der später so wichtig gesehen wird - ermöglicht wurde, weil der Buchdruck eine viel umständlichere Art der Verbreitung von Wissen darstellte, als das Handwerk, obwohl dieses von Zünften ernorm gebremst wurde. Noch G. Leibniz und I. Newton setzten - 200 Jahre nach der Erfindung - nicht auf Bücher, sondern auf Korrespondenz. In den Büchern schrieben sie nicht, was sie wussten, sondern Andeutungen, was sich im Prioritätenstreit um die Infinitesimalrechnung vor allem für G. Leibniz rächte.


 

Ursprünge der Renaissance
Es gibt verschiedene Theorien, warum sich die Renaissance im Italien des ausgehenden Mittelalters entwickelt hat:

Assimilation des griechischen und arabischen Wissens
Das Wissen und die Ideen der Antike, die im Europa des Früh- und Hochmittelalters vergessen wurden, waren in Klosterbibliotheken, im arabischen Kulturkreis und Byzanz bewahrt worden. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv. Außerdem fiel während der fortschreitenden Reconquista auf der Iberischen Halbinsel den christlichen Eroberern eine Vielzahl an Werken griechischer und arabischer Autoren in die Hände. Alleine die Bibliothek von Cordoba soll 400.000 Bücher umfasst haben.

Gianfrancesco Poggio Bracciolini (1380-1459) in Florenz) war einer der wichtigsten Humanisten der italienischen Renaissance. Er ... in den Bibliotheken und Klöstern Deutschlands und Frankreichs nach antiken Texten zu suchen, die den frühen Humanisten bekannt waren, aber in Italien nicht mehr existierten. Er entdeckte lange verschollene Texte von Cicero, Tacitus, Quintilian, Vegetius, Marcus Manilius, Ammianus Marcellinus, Vitruv, Statius und Petronius und spezialisierte sich darauf, Fragmente anhand des Schreibstils bestimmten Autoren zuzuordnen und so verlorene Werke zu rekonstruieren.
Ab Juni 1453 war Poggio Leiter der florentinischen Kanzlei unter den Medici.


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