Währungseinheit        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

Der Ausdruck "Geldeinheit" wird in der Ökonomie ziemlich diffus verwendet, oft um Werte verschiedener Währungen einheitlich darzustellen, ein typischer Fall war etwa der ECU, als es den Euro noch nicht gab, eine künstliche Korbwährung, die sich aus einstimmig festgelegten Anteilen der Währungen der Mitglieder des Europäischen Währungssystems (EWS) am Währungskorb errechnete.
Auch der Ausdruck Währungseinheit wird oft recht salopp, oft synonym zu Geldeinheit verwendet. Oft ist auch von Recheneinheiten die Rede.

Als Währungseinheiten bezeichne ich - tautologischerweise - die Einheiten, die in der Währung festgelegt werden. Es sind Grössen mit einem währungsabhängigen Eigenname wie etwa Franken oder Dollar. Die Währungseinheiten werden verwendet, um Geld- und Kreditmengen zu bewerten.

Beispiele
Franken, Euro, Deutsche Mark

Eine bestimmte begriffliche Konfussion ist darin begründet, dass das materielle Geld, also jede Banknote eine bestimmte Geldmenge repräsentiert, die in den jeweiligen Währungseinheiten auf den Banknoten angegeben wird. Eine Zwanzigfrankennote "ist" in diesem praktischen Sinn zwanzig Franken. Aber genauer formuliert, ist sie ein Stück Geld, das den Wert von 20 Währungseinheiten hat. so wie beliebige Waren auch diesen Grössenwert haben können.

Ein begriffliches Problem verursacht dabei das Wort Wert, das einerseits für Variablenwert steht, also für die Grösse einer Grösse oder für die Ausprägung einer Eigenschaftsdomäne, und andrerseits in der Sprache der Ökonomie für etwas, was durch den Preis repräsentiert wird. Ich sage etwa, ein bestimmtes Stück Gold sei 20 Franken oder 10 Kilo Brot wert, weil ich es gegen 20 Franken oder 10 Kilo Brot tauschen würde. Der Wert einer Variable ist etwas anderes als ein ökonomisch gemeinter Wert.

Wenn ich für 10 Kilo Brot 20 Franken bezahle, ist das der Preis des Brotes. Weil das ein guter oder ein schlechter Preis sein kann, muss ich das Brot jenseits des Preises nochmals bewerten. Wert ist dann die Verdinglichung dieses Bewertens.

Wer Geld und Währung nicht unterscheidet, wird auch Kredit für Geld halten, weil auch Kredit in Währungseinheiten ausgedrückt wird.

Wer Geld mit Währungseinheiten verwechselt, müsste auch den Urmeter mit der Längenmasseinheit Meter verwechseln. Das tut natürlich niemand, weil materielle Meterstäbe nur zum Messen verwendet werden, während Banknoten sowohl Geld sind als auch Grössenwerte einer Grösse.

Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass die Währung (die Verfassung) prinzipiell natürlich nur die Einheiten und die Geldformen festlegen kann, aber nicht, welchen Tauschwert eine bestimmte Einheit hat, wenn sie nicht auf eine bereits etablierte Geldsorte Bezug nehmen kann. Wenn eine neugegründete Zentralbank eine Währung definiert und dann eine Banknote von 20 Währungseinheiten herausgibt, muss sich irgendwie ergeben, was damit gekauft werden kann. Das heisst, dass die Währung zunächst eine abstrakte Preisvorstellung beinhaltet, die sich dann am Markt einpendeln muss.

In der Praxis entwickelter Staaten spielen natürlich Devisen eine Rolle. Die USA hat aber beispielsweise den nationalen Goldpreis monopolisiert, um eine einfache Wertfestlegung machen zu können.

Man kann sich das leicht anhand von Geldgründergeschichten bewusst machen. Irgendein grosser Herrscher aus einer nicht dokumentierten Zeit hat Dinare erfunden. Und etwas später hatten alle seine Untertan Dinare und wussten auch, was sie wert waren. Wie das aber passiert ist, bleibt normalerweise im Dunkeln. Die Standardvariante dazu verwendet sogenanntes Kurantgeld, das ja kein Geld im Sinne des Wortes, sondern eine gewöhnliche Ware ist. Der erste Dinar war dann einfach eine Goldmünze mit dem Warenpreis des Goldes, und das ist entscheidend, mit der Prägung 1 Dinar. Auf diese Weise ist jedem klar, was 1 Dinar kostet, nämlich etwa gleich viel, wie die entsprechende Menge Gold. Gold hatte natürlich überall ganz verschiedene Preise, der Smithschen Sage nach, je nach Angebot und Nachfrage.

Etwas später hatte der schlaue Herrscher dann anstelle der Goldmünzen Blechmünzen geprägt und - wer weiss wie - durchgesetzt, dass diese Blechmünzen virtuell, als-ob-Goldmünzen behandelt wurden. Auf diese Weise hat sich eine Referenzwährung ergeben, so dass andere Münzen dann immer als relative Dinare ausgegeben werden konnten.

Ein moderneres Beispiel ist der Euro. Die EZB hat sich bei Euro auf den ECU berufen, der als Geldeinheit - was etwas anderes ist, als eine Währungseinheit - eine Art Durchschnitt der durch den Euro aufgehobenen Währungen in Bezug auf einen Warenkorb war. In einem bereits etablierten Währungssystem kann eine neue Währung in Relation zu einer anderen Währung gesetzt werden, indem sich die Zentralbank zu einem Devisenkurs verpflichtet.

Diese insgesamt ziemlich komplexe Geschichten begünstigt die naive Vorstellung, wonach Geld vor der Währung existieren musste, und dass damit verbunden, seltsame Geldbegriffe, und vor allem auch, dass Kredit nicht nur etwas mit Geld zu tun haben könnte, sondern selbst Geld sei, weil er in Währungseinheiten ausgedrückt wird. Die meisten Ökonomen bezeichnen deshalb Giralgeld als Geld - auch solche, die wissen dass Walfische keine Fische und Erdbeeren keine Beeren sind.


 
[wp]