triviale Maschine        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     
 

Den Ausdruck triviale Maschine (und vor allem den Ausdruck "nicht triviale Maschine") verwendet H. von Foerster in Anlehnung an A. Turing, um den Begriff Komplexität zu erläutern. Er übernimmt damit die begriffliche Konfusion, die A. Turing gestiftet hat. (von Foerster: Wissen und Gewissen:357ff (in: Mit den Augen des andern).

In "Konstruktion der Wirklichkeit" (Einführung in den Konstruktivismus:60) verwendet H. von Foerster die Turing-"Maschine" zur Erläuterung der trivialen Maschine:

Die sogenannt trivialen Maschinen verändern ihren operationellen Eigenzustand nicht, das heisst, sie realisieren immer die geleiche Funktion.

Funktionen:

A: x + 2

    

Werte

x = 2, y = 4
x = 3, y = 5
x = 4, y = 6

Die sogenannt nicht trivialen Maschinen verändern ihren operationellen Eigenzustand, das heisst, sie realisieren verschiedene Funktionen in Abhängigkeit ihrer Geschichte.

Funktionen:

A: x + e
B: x + e
C: u + 3

    

Werte (nach Reset von B und C auf NULL und x konstant 2)

(1:) x = 2, u =  2 e=   5 y =   7
(2:) x = 2, u =   7 e= 10 y = 12
(3:) x = 2, u = 12 e= 15 y = 17
(3:) x = 2, u = 17 e= 20 y = 22

    

Werte (nach Reset von B und C auf NULL und x variiert

(1:) x = 2, u =   2 e=   5 y =   7
(2:) x = 3, u =   8 e= 11 y = 13
(3:) x = 3, u = 14 e= 17 y = 19
(3:) x = 4, u = 21 e= 24 y = 26
(4:) x = 2, u = 26 e= 29 y = 31
(5:) x = 3, u = 32 e= 35 y = 37

     

 

Die sogenannt "nicht trivialen Maschine" ist natürlich in dem Sinne trivial, als sie - wie die "triviale Maschine" - eine Maschine ist, also einer genau festgelegten Regel folgt. Ein Beobachter, der den Mechanismus nicht kennt, also eine Blackbox vor sich hat, hat sehr geringe Chancen etwa durch Experimentieren die Logik einer "nicht trivialen Maschine" zu finden (von Foerster: Wissen und Gewissen:163).

Das Konzept der "nicht trivialen Maschine" ist eine primitive Kritik am Behaviorismus. Mit dem Behaviorismus teilt das Konzept, dass Blackboxes komplex erscheinen können, gegen den naiv verstandenen Behaviorismus wird argumentiert, dass sich das Verhalten von Blackboxes nicht voraussagen und steuern lasse. Behaviorismus macht aber natürlich statistische Aussagen.


Bemerkungen von H. von Foerster, der die Ausdrücke "Maschine" und "System" natürlich ganz anders verwendet als ich es in diesem Lexikon tue. Eine Maschine "ist" für ihn offenbar eine Beziehung, ein System "ist" für ihn offenbar eine Maschine, also auch eine Beziehung, und eine Beziehung ist für ihn offenbar eine mathematische Funktion. Offenbar heisst hier, dass ich das in den folgenden Textauszügen so lese (jeder liest eben, was er liest. Schreiben Sie mir bitte, wenn Sie das anders lesen können):

"Eine triviale Maschine ist durch eine eindeutige Beziehung zwischen ihrem 'Input' (Stimulus, Ursache) und ihrem 'Output' (Reaktion, Wirkung) charakterisiert. Diese invariante Beziehung ist 'die Maschine'. Da diese Beziehung ein für allemal festgelegt ist, handelt es sich hier um ein deterministisches System; und da ein einmal beobachteter Output für einen bestimmten Input für den gleichen Input zu späterer Zeit ebenfalls gleich sein wird, handelt es sich dabei auch um ein vorhersagbares System" (von Foerster: Wissen und Gewissen:206f (in: Zukunft der Wahrnehmung: Wahrnehmung der Zukunft)).

Triviale Maschinen werden nicht nur durch ihre Synthese bestimmt, ebenso gut sind sie durch Analyse bestimmbar. Da ihre Operationsregeln unverändert bleiben, d.h. von ihrer Vergangenheit unabhängig sind, sind sie ausserdem voraussagbar! (Heinz von Foerster KybernEthik im Text Lethologie (1993) auf Seite 138

Der Ausdruck Maschine bezieht sich in diesem Zusammenhang auf wohldefinierte funktionale Eigenschaften einer abstrakten Grösse, und nicht in erster Linie auf ein System von Zahnrädern, Knöpfen und Hebeln, obwohl solche Systeme jene abstrakten funktionalen Grössen verwirklichen können. (Heinz von Foerster Wissen und Gewissen im Text Zukunft der Wahrnehmung: Wahrnehmung der Zukunft (1993)

Alle Maschinen, die wir konstruieren oder kaufen, sind hoffentlich triviale Maschinen. Ein Toaster sollte toasten, eine Waschmaschine waschen, ein Auto sollte in vorhersagbarer Weise auf die Handlungen seines Fahrerrs reagieren. Und in der Tat zielen alle unsere Bemühungen nur darauf, triviale Maschinen zu erzeugen oder dann,wenn wir auf nicht-triviale Maschinen treffen, diese in triviale Maschinen zu verwandeln. (Heinz von Foerster, Wissen und Gewissen im Text Zukunft der Wahrnehmung: Wahrnehmung der Zukunft (1993)