Hypokeimenon        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

"Ein Hypokeimenon ist das, was in einem individuellen Gegenstand seinen unveränderlichen Gehalt ausmacht. Eine Straße kann nass oder trocken sein, überfüllt, abgelegen, gut erreichbar oder hell beleuchtet, es bleibt immer eine (bestimmte) Straße. Der Begriff hypokeimenon kann mit „Subjekt“, „Substrat“ oder „Zugrundeliegendes“ übersetzt werden. Das Zugrundeliegende umfasst die Merkmale in einem Individuum, die regelmäßig auch in anderen Individuen derselben Gattung wiederzufinden sind. Ein Beispiel für ein Zugrundeliegendes ist ein bestimmter, einzelner Mensch, wie etwa „Sokrates“ oder ein einzelnes, bestimmtes Pferd. Von einem solchen Zugrundeliegendem kann nun etwas ausgesagt werden, was es näher bestimmt, wie etwa „Sokrates ist ein Mensch“ oder „Sokrates geht“. Das Zugrundeliegende ist das grammatisch-logische Subjekt einer Aussage. Ontologisch ist es ein Träger von Eigenschaften und Merkmalen. Ein Zugrundeliegendes ist unteilbar und der Zahl nach Eins, ein individueller Gegenstand als Ganzes, was zur Folge hat, dass es selbst nicht von einem anderen Gegenstand als Merkmal ausgesagt werden kann. Eine tiefer gehende Analyse des Begriffs mit der Unterscheidung nach Form und Materie findet sich in der späteren Schrift Über Entstehen und Vergehen (De generatione et corruptione I 4, 319b 6 – 320a 7)." (Wikipedia)

Als Hypokeimenon bezeichne ich in Anlehnung an Aristoteles' Kategorienschrift das Zugrundeliegende, das – als Substrat oder Subjekt – im Wechsel der Zustände beharrt. Es ist dasjenige, von dem etwas ausgesagt wird, es selbst wird aber nicht von einem anderen ausgesagt. Es ist an sich gänzlich frei von allen Bestimmungen (Eigenschaften), aber Träger von hinzutretenden Eigenschaften (Entität).

Ich verwende für "Hypokeimenon" das deutsche Wort Substrat und bezeichne damit
einerseits die umgangssprachlich bestimmungslose Materie, und
andrerseits das Referenzobjekt des grammatikalischen Subjekts.

Zur Wortgeschichte:
Das griechische Wort hypokeimenon hat Boethius mit subiectum ins Lateinische übersetzt. R. Descartes hat dann Subjekt auf die Ich-Person bezogen.

Meine Leseweise:
Aristoteles machte sich Gedanken über die Sprache oder über eine mögliche Grammatik. Dabei hat er ein paar "Begriffe" entwickelt, die sehr viele Deutungen zulassen, weil er sich seiner Kategorien in keinster Weise bewusst war.
Es ist heute üblich, ihm eine Ontologie zu unterstellen, weil man seine Texte so lesen kann. Hypokeimenon wird dabei als Substanz oder Materie interpretiert, - und eben nicht als Satzglied.

Ich begreife Hypokeimenon als Bezeichnung für den Gegenstand, der in einer Aussage beschrieben wird.
Beispiel:
Ein Engel hat Flügel
Es wird etwas über Engel gesagt. Und allgemeiner: Die Aussage ordent einem Hypokeimenon ein Prädikat zu. (mehr dazu unter Aristoteles' Kategorien)

Vier Aussageweisen> (Ontologisches Viereck
ist nicht in einem hypokeimenon
(Substanzielles)
ist in einem hypokeimenon
(Nicht-Substanzielles)
wird nicht von einem
hypokeimenon ausgesagt
(Individuelles)
1. erste Substanz
(das Individuum „Sokrates“)
2. individuelle Eigenschaft
(das an einem Pferd wahrgenommene „weiß“ oder
das an Sokrates wahrgenommene „sprachkundig“)
wird von einem
hypokeimenon ausgesagt
(Allgemeines)
3. zweite Substanz
(die Art „Mensch“ oder
die Gattung „Lebewesen“)
4. allgemeine Eigenschaft
(das „Weiße“ oder
die „Sprachkundigkeit“)

 
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