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Die alte Variante
 
Zweck wird umgangssprachlich sehr verschieden verwendet. Ich verwende den Ausdruck in einem vergleichsweise begrenzten Sinn nur in Bezug auf zielorientiertes Verhalten. Eine Sache oder ein Gegenstand hat kein Ziel, also auch keinen Zweck.
"Als Zweck wird der Beweggrund einer zielgerichteten Tätigkeit oder eines Verhaltens verstanden." ==== (WP) Als Zweck (veraltend Behuf [aus mittelhochdeutsch behuof], altgriechisch τέλος telos, auch ἕνεκα, οὕνεκα héneka, hoúneka, lateinisch finis, englisch purpose) wird der Beweggrund (lateinisch movens) einer zielgerichteten Tätigkeit oder eines Verhaltens verstanden. ==== kein Plural: Sinn oder Beweggrund, den eine Handlung, ein Vorgang oder eine andere Maßnahme haben soll[2] Ziel, das mit einer Handlung, mit einem Vorgang oder mit einer sonstigen Maßnahme erreicht werden soll; Funktion, der etwas dienen soll ====
Umgangssprachlich sagt man etwa, ein Hammer haben den Zweck, Nägel einzuschlagen. Aber dar Hammer schlägt ja keine Nägel ein. Oder mn sagt, ein Wasserrad habe den Zweck eine Mühle anzutreiben. Aber das Wasserrad verhält sich nicht, es erfüllt eine Funktion innerhalb der Mühle.
 

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  Zweck
   - zweckmässig
  Ziel
  Sinn
  Funktion
  Gegenstandsbedeutung  
 
  Zweckursache
  Zweck-Mittel-Relation
  Selbstzweck
  Zweckentfremdung

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bildAls Zweck bezeichne ich ich das, womit ich ein Verhalten begründe, das auf ein Ziel gerichtet ist. Auf den Zweck eines Verhaltens zielt das Interrogativpronomen "wozu".

Beispiel:
Ziel einer medizinischen Operation kann sein, dass etwa ein entzündeter Blinddarmfortsatz entfernt und die Bauchdecke wieder geschlossen ist (Ziel-Zustand).
Der Zweck dieser Operation ist die Erhaltung der Gesundheit des Patienten oder spezieller formuliert, die Vermeidung von absehbaren Folgen der Entzündung, etwa eines Darmdurchbruches. Mit dem Zweck wird das Operieren begründet.

Hinweis:
Ziel und Zweck werden oft vermengt. Quasi-etymologisch stammt "Zweck" von der Zwecke, einem Nagel, mit welchem Zielscheiben an Wänden oder Bäumen befestigt wurden. Die Zwecke wurde durch das Zentrum der Zielscheibe geschlagen, so dass der Schütze auf die Zwecke zielte, woraus der Ausdruck Zweck für Ziel abgeleitetet wurde. Die Zwecke (zu treffen) ist das Ziel des Schützen, das zum Selbstzweck werden kann. In der militärischen Ausbildung ist der Zweck des Schiessens natürlich nicht eine Scheibe oder einen Nagel zu treffen.
Nochmals: Auf die Scheibe zu

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Wozu ist nicht warum! Mit wozu frage ich nach einer beabsichtigten (erhofften) Wirkung, mit warum frage ich nach (vermuteten) Ursachen.
Beide Fragen implizieren ein Verhalten, das ich nicht deuten kann.
Wenn ich mich frage, stehe ich quasi neben mir: Wozu oder warum - um Gottes Willen - mache ich das alles?
Auf warum antworte ich mit weil. Auf wozu antworte ich mit für dies oder das

Zweck beziehe ich auf eine Verhalten, Artefakte haben eine Gegenstandsbedeutung.

Sprachkritische Anmerkung:
Umgangssprachlich wird Zweck sehr oft anstelle von Gegenstandsbedeutung verwendet. Der Hammer hat dann einen Zweck, den er vom Hämmern, also vom Benutzen des Hammers erbt.
Wenn ich einen Hammer herstelle, habe ich eine bestimmte Verwendung des Hammers im Kopf, die ich als Zweck des Hammers bezeichne.
Die Gegenstandsbedeutung sieht von dieser spezifischen Funktion ab.

Beispiel:
Ich stelle ein Bild her. Dazu verteile ich Farbe auf einer Leinwand. Die Gegenstandsbedeutung ist das Bild-Sein des Gegenstandes. Wenn ich ein Bild herstelle, will ich mit dem Bild etwas zeigen, es ist ein Symbol für etwas, also ein Bild von etwas. Wenn das Bild ein Abbild ist, zeigt es sein Referenzobjekt. Das ist der Zweck dieses je konkreten Bildes. Ich will beispielsweise ein Bild von meinem Hund.

Zweck-Mittel-Relation, Funktion

Ordnung ist innen-, Organisation ist aussen-orientiert. Wir sagen umgangssprachlich, erstere hat Sinn, letztere hat Zweck. Die Ordnung einer Organisation ist sinnvoll, wenn die Organisation ihrem Zweck adaptiert ist.


 

Zweckursache ist ein Philosophisches Konzept, das die Wörter Zweck und Ursache für ganz andere Sachen verwendet als ich.

"Die Notwendigkeit, Zwecke zu generalisieren, widerspricht der Notwendigkeit, in komplexen Wertlagen opportunistisch zu handeln." (Luhmann, N. (1999) Zweckbegriff und Systemrationalität, S.200)

In der zwischen 1812 und 1816 erschienenen „Wissenschaft der Logik“ wie auch in der „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ von 1817 führte Hegel den Zweck neben Mechanismus und Chemismus als etwas Drittes ein, das mit jenen beiden anderen die objektive Welt ausmache. Der Zweck habe eine objektive, mechanische und chemische Welt vor sich, auf die sich seine Tätigkeit als auf ein Vorhandenes beziehe. Er sei innerhalb der Sphäre der Objektivität anzusiedeln, wenngleich immer noch „von der Äußerlichkeit als solcher affiziert“. Hiervon ausgehend gelangte Hegel zu der revolutionären Einsicht, dass es die menschlichen Tätigkeiten seien, die mechanische und chemische Technik nämlich, durch die der Zweck zum objektiven Faktum werde. Denn der Zweck schließe sich durch ein Mittel mit der Objektivität und in dieser mit sich selbst zusammen. Das Mittel aber sei die äußerliche Mitte des Schlusses, welcher die Ausführung des Zweckes ist. Im Griechischen heißt méchos Mittel, derer sich der Mensch dabei bedient, indem er Werkzeuge, Geräte, Apparate, Maschinen verfertigt. Der Begriff Maschine hängt eng mit diesem griechischen Wort zusammen.


 
[ Zweck in der Kybernetik ]
[ wp ] [ 15. 4.26 ]