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Die Redeweise "Zweckursache" hat dazu geführt, dass das Wort Zweck unklar - oft als Synonym zu Funktion oder Ziel - verwendet wird. |
Als Zweckursache bezeichne ich eine - für mich ganz unsinnige - Verallgemeinerung, die Aristoteles zugeschrieben wird, bei welcher das, was einem Gegenstandes als "Zweck" zugerechnet wird, als dessen eines "Ursache" aufgefasst wird.
Natürlich haben dann die Wörter einen spezifischen Sinn (den ich nicht teile), weshalb ich sie in Anführungszeichen setzte.
Beispiel:
Der "Zweck" eines Messers ist das Schneiden. Das "Schneiden" ist deshalb die "Ursache" dafür, dass es Messer gibt.
Etwas ausführlicher - aber nicht mehr genau im Sinn von Aristoteles - lautet die Geschichte so:
Ein Mensch will etwas schneiden und macht dazu ein Messer. Das Schneiden-Wollen ist der Grund dafür, dass er ein Messer macht.
Erläuterung:
Aristoteles interessiert sich nicht für das Herstellen. Er hat das Herstellen nur didaktisch verwendet. Im schien sich die Natur quasi wie ein Handwerker zu verhalten - nur ohne Bewusstsein.
Die Zweckursache begründet eine Teleologie, die von der heutigen (Natur)Wissenschaft, die nur kausale Ursachen kennt, abgelehnt wird.
N. Wiener hat dann diese Art Wissenschaft mit seiner kybernetischen Teleologie verworfen. Missverständnis eines Missverständnis!
N. Wiener hat die Regelung mit einem Sollwert beschrieben und dafür von einem Ziel des Automaten gesprochen.
Mathematiker sind für die meisten sprachlichen Missverständnisse schuld, weil sie ihr Zeugs mit Wörtern beschrieben haben, die in der Umgangssprache ganz anders verwendet werden.
E. von Glasersfeld sieht ein begriffliches Chaos ohnegleichen. Dazu gehört auch die Teleologie, die N. Wiener mit seiner Kybernetik ins Spiel gebracht hatte.
p>Hier geht es darum das begriffliche Chaos aufzuheben. Das gelingt nur, wenn ich Aristoteles und seine Nachfolger aussen vor lasse. Siehe dazu: Zweck, Ziel und FunktionAristoteles hat vier Ursachen:
causa materialis (Stoffursache)
causa formalis (Formursache)
causa efficiens (Wirkursache)
causa finalis (Zweckursache)
Beispiel:
Der Tisch
- Stoffursache (causa materialis): Das Holz
- Formursache (causa formalis): Die Gestalt des Tisches
- Wirkursache (causa efficiens): Der Schreiner, der ihn baut
- Zweckursache (causa finalis): Dass man daran sitzen kann
Aristoteles unterschied zwischen causa efficiens und causa finalis, um kausale Naturvorgänge und praktisch begründbare Handlungen zu unterscheiden.
Bei einem Widerfahrnis (Wilhelm Kamlah), d. h. einem nicht beeinflussbaren Ereignis, schlägt die Suche nach einer Finalursache fehl. Deutet man auch solche, für Menschen unverfügbare Naturgeschehnisse auf Grund von Finalursachen, so wird meistens theologisch ein göttlicher Heilsplan unterstellt. Die Heilsgeschichte findet dann ihr Ziel in einer Eschatologie.