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Nation bezeichnet - u. a. bei F. Tönnies - eine "gewollte Gesellschaft" im Sinne einer gewollten Volkseinheit. Die Schweiz hat sich beispielsweise bei ihrer Gründung 1848 dadurch als eine Einheit der zuvor loose verbundenen Kantone definiert, dass dem Bund die Hoheit über die Währung und Militär gegeben wurde. Alles andere blieb in der Föderation bei den Kantonen. Als explizit ausgesprochen "Gewolltes" der Nation erscheint in diesem Fall die militärische Sicherstellung der Währung (und invers vielleicht mitgemeint, die Sicherstellung der Finanzierung des Militärs, das die Währung schützt).

Die private Nationalbank wird fast 60 Jahre später als kluge Strategie nachgereicht.

Dass sich Nationen oft und stark als völkisch definieren, beruht auf deren Ideologie, die sich wiederum in paramilitärischen Kooperationen (Mafia) entwickelt. Die Schweiz ist aber ein Musterbeispiel für die Ausnahme: vier Sprachen in geographisch deutlich getrennten Regionen. Man kann am Beispiel erkennen, dass alle Nationen ideologisch begründet sind, sich dagegen ausnahmslos als Währungsnationen konstituieren. Zur Ausnahmslosigkeit gehöhren natürlich die Ausnahmen von Ländern, die man gemeinhin gar nicht als Nationen begreift, wie die Fürstentümer von Lichtenstein und Monaco, die sich gerade ausschliesslich dadurch definieren, dass sie der nationalen Währung ihres völkisch-geographischen Raumes nicht unterstellt sind, sogar dann, wenn sie dasselbe Geld verwenden.


Differenztheoretisch kann Nation durch die Differenz zwischen Nation und Staat gesehen werden, indem auf der staatlichen Seite der Unterscheidung das Nationale wiedereintritt.
Nation (vor dem 14. Jahrhundert ins Deutsche übernommen) bezeichnet dann eine Menge Menschen, die über kulturelle Merkmale wie Sprache, Tradition, Sitten und Gebräuche eine Einheit bilden, während Staat einen (territorialen) Gewalthoheitsbereich bezeichnet. Der Staat schliesst zunächst nicht an die nationalen Eigenschaften an, benutzt diese aber in der Legitimationsideologie. Zunächst kümmert sich der Staat gerade nicht um nationale Einheiten, sondern begrenzt sich durch Macht, dann aber tritt das Nationale wieder ein, weil der Staat die Nation und deren Währung verteidigt.

Die eigentliche Nation ist in einem strengeren Sinn kulturell, sie ist das Produkt der Verfassung, die wir als Währung bezeichnen. Die Menschen bilden eine Nation, die dieselbe Währung haben.


Während wir die Gruppierungen nordamerikanischer Indianer als Stämme bezeichnen, bezeichnen sie sich - zumindest seit sie in Reservaten leben - als Nationen.

Die Nationes sind Korporationen in Verbindung mit den frühen europäischen Universitäten sowie die erste Form von studentischen Zusammenschlüssen.
Die Hauptfunktion der zunächst als Schutzbünde von Professoren und Scholaren vor allem im Ausland gegründeten Nationen der akademischen Korporation war im Grunde zweigeteilt. Eine Nation war zum einen eine Rechts- und Sozialgemeinschaft, welche die Interessen und Privilegien ihrer Mitglieder zu wahren suchte und ihnen einen Lebensunterhalt zu ermöglichte; zum anderen übernahm sie Aufgaben organisatorischer Art (Immatrikulation), der Mitgestaltung in Leitungsgremien sowie administrativen Arbeiten.

Die nationalistische Ideologie greift gemeinschaftliche Vorstellungen auf, während die Nation gerade gesellschaftlich begründet ist. Im Kern der Ideologie steht das Militär, das nationale Interessen verteidigt. Die Inszenierung des Krieges zwischen Nationen passiert als Sport.

Die Auflösung der Nation heisst vage Globalisierung ("wir sind ein Volk", "wir sitzen allen im gleichen Boot", usw). Dabei entgleitet der Nation die Hoheit über ihre Währung.


Kurze Geschichte oder Beispiele/Episoden zur Nation

Heiliges Römisches Reich (mittelalterliche Reich (deutscher Nation)) bis 1806 (Napoleon-Kriege) Der Zusatz "Deutscher Nation" (lat. Nationis Germanicæ) wurde seit dem späten 15. Jahrhundert zeitweilig gebraucht. Aufgrund seines vor- und übernationalen Charakters entwickelte sich das Reich nie zu einem Nationalstaat oder Staat moderner Prägung, sondern blieb ein monarchisch geführtes, ständisch geprägtes Gebilde aus Kaiser und Reichsständen mit nur wenigen gemeinsamen Reichsinstitutionen.

Der 30-jährige Krieg und der Westfälische Frieden zeigen Machtblöcke in Europa, die durch Benennungen wie Spanien oder Frankreich - von heute aus gesehen - als Nationen erscheinen. Im Friedensvertrag wurde speziell durch die Etablierung des Heilige Römische Reich die Staatsnation aufgehalten.
Die Idee des Nationalstaates rückte ab dem 18. Jahrhundert vollends in das Zentrum der Politik, als sich infolge großer Staatsverschuldung, hoher Steuern (Absolutismus, Merkantilismus) und heftiger Kriege (Österreichischer Erbfolgekrieg (1740–1748) Siebenjähriger Krieg (1756–1763)) die Situation der Bevölkerung stark verschlechtert hatte. In diesem Kontext fanden Ideen breiten Zulauf, die die Vorstellung von einer Nation als Gemeinschaft im Sinne eines idealisierten Selbstbildes betonten und sich vermischten (Demokratie, Patriotismus, Nationalismus, Sozialismus, Liberalismus). Für die schlechteren Lebensverhältnisse wurden im Sinne eines Feindbildes häufig ethnische oder kulturelle Minderheiten kollektiv verantwortlich gemacht. Kurz nach der Französischen Revolution kam es daher zu Terrorherrschaft und den Koalitionskriegen.
Der Nationalstaat wurde durch den restaurativen Charakter des Wienerkongresses nach den napoleonschen Kriegen nochmals aufgehalten, aber eigentlich lanciert. In den folgenden Jahren etablierten sich die Nationen.
Vor allem das Jahr 1830 wurde in dieser Hinsicht zu einer Zäsur:
1830 endete die griechische Revolution mit der Unabhängigkeit Griechenlands und der Gründung eines Nationalstaates, der auf der Verfassung von 1824 beruhte. Außerdem führte die belgische Revolution zur Unabhängigkeit Belgiens von den Niederlanden. Die belgische Verfassung wurde für die deutschen Liberalen zum Vorbild.
Novemberaufstand in Polen. Es kam in den polnischen Provinzen der drei polnischen Staaten recht regelmäßig immer wieder zu nationalpolnischen Aufständen gegen die jeweilige Fremdherrschaft. Besonders populär - auch bei den liberalen und nationalen Bewegungen des Auslandes - war der im Jahr 1830. Die Polen fanden sich nie mit der Aufteilung ihres Landes zwischen Russland, Österreich und Preußen ab.
In Frankreich kam es 1830 zur liberalen Julirevolution, die zum Sturz des 1824 eingesetzten Bourbonenkönigs Karl X. und zur Berufung des Bürgerkönigs Louis Philippe auf den französischen Thron führte. Diese Revolution hatte auch Auswirkungen auf Nachbarstaaten. Regionale Aufstände in einigen deutschen Staaten und in italienischen Regionen im Gefolge der Julirevolution führten vereinzelt zu Verfassungen in einzelnen Fürstentümern.
In Frankreich wurde Louis Philippe 18 Jahre später bei der Februarrevolution 1848 seinerseits gestürzt, nachdem er sich zunehmend der Politik der Heiligen Allianz angenähert hatte. Nach seiner Flucht ins britische Exil wurde 1848 in Frankreich die Zweite Republik ausgerufen. In den Staaten des deutschen Bundes wuchs trotz massiver Repression (siehe auch Karlsbader Beschlüsse) und Zensurmaßnahmen eine liberale und nationale Bewegung heran, an der die ab 1815 entstandenen Burschenschaften wesentlichen Anteil hatten und die schließlich in der Märzrevolution von 1848 zur Überwindung des von Metternich eingeführten Systems führte.
Die Idee eines gesamtdeutschen Staates etablierte sich trotz Niederschlagung der Märzrevolution im Jahre 1849 auch in konservativen Kreisen. Im Anschluss an den Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und den Deutschen Krieg 1866 entstand mit der Verfassungsgebung des Norddeutschen Bundes 1867 der erste Bundesstaat, der die deutschen Länder nördlich der Mainlinie umfasste. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 wurde 1871 das deutsche Kaiserreich unter preußischer Führung als Kleindeutsche Lösung (d. h. ohne Österreich) ausgerufen.

Nationalistische Nationalstaatspolitiker wollten häufig ökonomische Autarkie auf Kosten der Arbeitsteilung erreichen, um von anderen Nationalstaaten unabhängig zu sein. "Das Geld soll zuhause bleiben".


[wiki-de.genealogy.net/Geld_und_Kaufkraft_ab_1750]

Gold-Probleme

Mit dem Einsetzen der Kreuzzüge und der Wiederaufnahme des Orienthandels floss dann wieder Gold ins Abendland. Besonders durch den Handel mit Nordafrika (Maghreb) konnten die Kaufleute mit europäischem Silber günstig afrikanisches Gold z.B. aus dem Goldland Bambouk im heutigen Mali kaufen. Um das im Silberhandel oder dem noch lukrativeren Salzhandel erworbene Gold mit Gewinn wieder abzusetzen, waren Goldmünzen das geeignete Medium. Gold hatte in Europa gegenüber Silber einen erheblich besseren Kurs (1:10 bis 1:12 in Europa gegenüber 1:6 bis 1:8 im Maghreb). Auf diese Weise wurden gute Gewinne gemacht, und zugleich gelangte auch ein wertstabiles Zahlungsmittel auf den Markt. Denn mit der Intensivierung des Fernhandels entstand das Bedürfnis nach einem größeren Nominal. Der seit über fünf Jahrhunderten allein geprägte Denar oder Pfennig genügte diesen Anforderungen nicht mehr.

Es waren folgerichtig die drei großen oberitalienischen Mittelmeer-Handelsmächte, die mit der großangelegten Prägung von Goldmünzen den Anfang machten: 1252 gab Florenz mit dem Fiorino d'oro den Anstoß zur Ausprägung von Goldmünzen im westlichen Europa. Von Venedig wurde seit 1284 die zweite gesamtabendländiche Goldmünze, der Zecchino, oder Ducato, im gleichen Münzfuß herausgegeben. Demgegenüber war der Genovino der dritten Handelsgroßmacht Genua weniger erfolgreich.

Der Florentiner Gulden hatte ein Gewicht von 3,537 g und sollte in reinem, also 24-karätigem Gold ausgebracht werden. Allerdings war dies bei den damaligen technischen Möglichkeiten nicht ganz durchführbar, so dass der Feingehalt etwas darunter lag, bei ca. 23¾ Karat, was ein Feingewicht, also reines Goldgewicht, von ca. 3,5 g bedeutete. Dies sollte dem Wert eines Rechnungspfundes von 240 Pfennigen entsprechen. Auf der Vorderseite des Floren war eine große Lilienblüte (lateinisch: flos) abgebildet, das Stadtsymbol von Florenz, auf der Rückseite der Stadtheilige Johannes der Täufer. In Florenz selbst wurden die Floren mit gleichem Münzbild und Feingehalt bis 1533 geprägt.


Kurze Münzen-Geldgeschichte

Der Denar (lat. denarius, von deni: je zehn) war ein antikes, mittelalterliches und neuzeitliches Münznominal, anfänglich noch feinsilbern und von mittlerem Wert, durch inflationäre Prozesse immer geringwertiger werdend und schließlich kupfern. Er galt ursprünglich als „Zehnfaches“ eines Ganzen, nämlich als Zehnfaches der römischen Gewichts- und Geldeinheit, des Bronze-As. Er war der antike Vorläufer des deutschen Pfennigs und des noch heute gebräuchlichen Münz- bzw Währungsnamens Dinar.

Frühe römische Denarii trugen als Mehrfaches eines Ganzen darum – neben den As-Münzen und deren Teilstücken – ebenfalls eine Wertangabe, und zwar die Wertzahl X (für 10 Asse) im Gepräge. Einige spätere Denarii trugen dann die XVI in Bezug auf die nunmehr gewichtsmäßig verringerten 16 Bronze-Asse, wobei es um etwa 130 v. Chr. auch noch zu einer Metallpreisverschiebung zwischen Silber und Bronze kam. Dementsprechend hatte der frühe Halbdenar (Quinarius nummus) die Wertzahl V sowie der frühe Silbersesterz als Vierteldenar die Wertzahl IIS (in Dokumenten oft auch als HS geschrieben) für „2½“. Die Nominal-Wertangaben wurden allerdings ab etwa 100 v. Chr. wieder weggelassen. Erst bei einigen späten römischen Bronzeprägungen erscheinen wiederum römische Zahlenwerte auf Follis-Münzen, offenbar als Vielfache des Wertes von Zählpfennigen (denar communes), die allerdings auch als Gewichtsangaben eines Bronze-Münzfußes interpretiert werden können.


Parallelwährungen

Der Denar war (wie der Aureus) praktisch bis etwa 200 n. Chr. im gesamten römischen Staatsgebiet das einheitliche, dominante Zahlungsmittel. Jedoch gab es gleichzeitig in einigen Provinzen noch ältere Regionalwährungen, die z. B. auf der griechischen Drachme oder dem hebräischen Schekel beruhten. Die Regionalwährungen wurden in Rom als Tributzahlung meist sehr gern genommen. Ihr Verrechnungskurs war so gestaltet, dass sie nach Umschmelzung und Neuausprägung immer noch einen einträglichen Schlagschatz einbrachten. So galt z. B. der Cistophorus der Provinz Asia als Regionalgeld offiziell drei Denare, obwohl drei Denare rund 1 Gramm weniger Silber enthielten. So konnten 100 Cistophori für 300 Denare getauscht und in 347 neue Denare umgemünzt werden.
 
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