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Als Münzgeld bezeichne ich - tautologischerweise - Geld in Form von Münzen. Das ist einerseits trivial, weil ich Geldmünzen in meinem Portemonnaie habe. Es ist aber nicht ganz so trivial, wie Münzen Geld geworden sind.

Eine naive Geschichte - die auf einem heutigen Verständnis von Geldmünzen beruht - macht glauben, dass Münzen immer schon Geld waren und folgert daraus und dem Fund von alten Münzen, dass es in frühen Kulturen Geld geben hat und dass dieses Geld kurant gewesen, also seinen eigenen Wert wert sei.

Autopoiese der Geldmünze

Dass Münzen Geld sei können, setzt Geld voraus. Zunächst ist eine Münze eine (meistens runde), geprägte Metallscheibe. Als solche hat die Münze natürlich wie jedes andere begehrte Ding einen Wert, der eine Quantifizierung des Begehrens ist. In entwickelten Gesellschaften wird jedes begehrte Ding zur Ware und sein Wert erscheint als Tauschwert. Zunächst ist die Münze wie jede andere Ware ein Gegenstand, der getauscht werden kann, weil er einen Gebrauchswert hat.

Münzen sind wie Barren Metallmengen, die so formatiert sind, dass man einerseits sofort und ohne wägen sieht, um welche Menge Metall es geht, und andrerseits auch, ob jemand nicht einen Teil des Metalles abgetrennt und abgezweigt hat, was man bei Münzen sofort sehen würde. Münzen dienen so dem Aufbewahren von Metall in einer Form, in welcher man es gut gegen andere Waren tauschen kann.

Metalle sind eine begehrte Sache

Steuern im Mittelalter (als Rationalisierung des Münz-Rechtes)
Von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert waren die Brakteaten fast im gesamten deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme des Rheinlands und des Alpenraumes) die vorherrschende Münzsorte. Diese dünnen, einseitig geprägten silbernen Pfennigmünzen setzten gewissermaßen den Prozess des Gewichtsverlustes der alten Pfennige fort. Brakteaten wurden von Zeit zu Zeit „verrufen“, das heißt für ungültig erklärt und von ihren Besitzern zurückgefordert, um sie gegen eine geringere Menge neuer Münzen umzutauschen. Der Abschlag konnte bis zu 25 % betragen. Dies war eine damals übliche Form der Steuererhebung.

Im deutschen Münzrecht war das Jahr 1356 ein entscheidendes Datum. Das Münzregal und damit das uneingeschränkte Münzrecht wurde für alle Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches in der Goldene Bulle von Karl IV. festgeschrieben. Die Kurfürsten leiteten daraus das Recht zum Prägen von Goldmünzen ab. Das war wohl ein politisches Manöver, das die Fürsten dem König verpflichten sollte. Es ist aber auch eine Deklaration zur Handelbarkeit von Münzrechten. In der Folge haben viele Fürsten ihre rechte verkauft.

Nach der Deutschen Reichsgründung 1871 ging das Münzrecht von den einzelnen deutschen Staaten an das Reich über.



Wikipedia:
Von Spätantike bis Frühmittelalter ging der Umlauf von Münzen in Europa stark zurück. Der Tauschhandel nahm zu, und größere Geldgeschäfte wurden oft mit ungemünztem Metall beglichen. Die Standardwährung bildeten der byzantinische Solidus und die Siliqua mit den verschiedenen Unterteilungen. Die germanischen Herrscher, die neue Reiche auf dem Boden des Weströmischen Reiches errichteten, erkannten meist die Prägehoheit der byzantinischen Herrscher an und imitierten deren Prägungen. Nur vereinzelt setzten sie ihren eigenen Namen, ihr Monogramm oder gar ihr Bildnis auf die Münzen.
Karl der Große führte um 792-793 eine Münzreform durch, die von der Gold- und Silberwährung hin zur einheitlichen Silberwährung führte. Siehe Schilling. Es wurde der Denar oder Pfennig als die nahezu ausschließlich geprägte Münze neu eingeführt. Vorangegangen war die Überlegung, dass Gold fast nur durch den Fernhandel zu beziehen war, während Silber in Europa nördlich der Alpen reichlich vorhanden war. Daher hob Karl die Goldbindung des Geldes auf [1] und führte den Silberdenar als reichsweit geltende verbindliche Währung ein. Als Münzgrundgewicht wurde das Pfund zu 367 g festgelegt, aus dem 240 Pfennige (Denare) geschlagen wurden,[1] was so in Karls Münzordnung festgelegt war. Ein Solidus bzw. Schilling waren 12 Denare; ein Pfund (libra), dessen Gewicht gegenüber dem antiken Maß erhöht wurde, entsprach 20 Solidi. Der angelsächsische König Offa von Mercien übernahm zur gleichen Zeit diese Regelung, die in England bis 1971 in Kraft war.
Das ursprünglich königliche Münzrecht weitete sich allerdings im Heiligen Römischen Reich zunehmend auf weitere weltliche und geistliche Würdenträger aus, was eine Vielzahl an unterschiedlichen Versionen des Pfennigs und eine allgemeine Verringerung des Silbergehalts der Münzen zur Folge hatte.
Von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert waren die Brakteaten fast im gesamten deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme des Rheinlands und des Alpenraumes) die vorherrschende Münzsorte. Diese dünnen, einseitig geprägten silbernen Pfennigmünzen setzten gewissermaßen den Prozess des Gewichtsverlustes der alten Pfennige fort. Brakteaten wurden von Zeit zu Zeit „verrufen“, das heißt für ungültig erklärt und von ihren Besitzern zurückgefordert, um sie gegen eine geringere Menge neuer Münzen umzutauschen. Der Abschlag konnte bis zu 25 % betragen. Dies war eine damals übliche Form der Steuererhebung.
Goldmünzen wurden im Hochmittelalter nur selten geschlagen. Erst im 13. Jahrhundert setzten verstärkte Goldprägungen ein. Diese Entwicklung ging von den italienischen Handelsstädten aus. In Frankreich und England waren Goldmünzen weiter verbreitet und die einzelnen Stücke deutlich größer als im Reich. Als weitere Entwicklung des 13. Jahrhunderts kam in Deutschland der Groschen als größere Silbermünze auf. Die Münzbilder des Groschens zeigten erstmals verstärkt auch Fürsten des jeweiligen Territoriums.
Im deutschen Münzrecht war das Jahr 1356 ein entscheidendes Datum. Das Münzregal und damit das uneingeschränkte Münzrecht wurde für alle Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches in der Goldene Bulle von Karl IV. festgeschrieben.[2] Die Kurfürsten leiteten daraus das Recht zum Prägen von Goldmünzen ab.
Das Privileg Goldgulden zu prägen, war 1340 erstmals der reichsfreien Stadt Lübeck zugestanden worden. Den Fürstbischöfen der Kurtrier und der Kurköln wurde dieses Privileg 1346 von Karl IV. bei dessen Krönung zum römisch-deutschen König verliehen.[3] Sie gründeten 1372 einen Münzverein und ließen den Goldgulden und als gemeinsame Silbermünze den Weißpfennig mit festgelegten Feingehalt prägen.[4][5] 1385/86 gründeten die rheinischen Fürstbischöfe und die Kurfürsten von Kurmainz und der Kurpfalz den ersten Rheinischen Münzverein, dem weitere folgten. Der Rheinische Münzverein ließ den rheinischen Gulden in Gold prägen. Dieser war Basis für viele regionale Währungen im gesamten Heiligen Römischen Reich und auf finanzieller Ebene das „einigende Band“ des Reiches.
Bis 1871 war die Münzgeschichte in Deutschland von großer Vielfalt geprägt, da viele Staaten ihr eigenes Geld ausgaben.


Ludwig III. (Thüringen) (1172–1190), Landgraf von Thüringen, Reiterbrakteat um 1180, Münzstätte Gotha oder Eisenach
Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, halber Schwertgroschen, Jahreszahl 1482, Mmz. Kleeblatt, geprägt in der Münzstätte Zwickau und in der Münzstätte Schneeberg http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnze http://de.wikipedia.org/wiki/Münze#cite_ref-Fengler_M.C3.BCnzpr.C3.A4gung_Berlin_20_2-0 http://de.wikisource.org/wiki/Goldene_Bulle_(Neuhochdeutsche_%C3%9Cbersetzung,_1713) http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/69&oldid=927556

Giralgeld als Geld bezeichnet wird, dass dann als "falsches" Geld erscheint.


aus Kenawi Falschgeld:

Der Staat als Wertgarant Theorien, daß die Münzen zuerst dazu benutzt wurden, um Söldner zu bezahlen, oder daß sie in einem weiteren Umfang für normierte Zahlungen durch und an den Staat dienten, sind mit dem Charakter und dem Erscheinungsbild der Münzprägung in Einklang zu bringen... Christopher Howgego44 (2000)

Der Vorteil gegenüber früheren Geldformen lag in der großen Menge standardisierter Stücke, deren Wert vom Staat garantiert war. Doch worin bestand diese Garantie? Nicht darin, dass der Staat (gemäß Knapps „Staatlicher Theorie des Geldes“) ein Gesetz erließ, in dem er den Wert der Münzen festgelegte. Ein solches Gesetz hätte keine Wirkung erzielt, denn nichts hätte ihn hindern können, dieses Gesetz später zu ändern. Vielmehr verschaffte der Staat seinen Münzen Wert, indem er sich verpflichtete, diese Münzen jederzeit bei Steuerzahlungen seiner Bürger zu akzeptieren. Indem die vordem in Naturalien entrichteten Steuern in Münzen umgerechnet wurden, wurde den Münzen ein Warenwert zugewiesen und so letztlich ihre Kaufkraft auf dem Markt festgesetzt.

Zum Geldschöpfer konnte der Staat nur werden, weil er Teil eines Geldkreislaufes war. Als Finanzier der Landesverteidigung brachte er das von ihm geschaffene Geld in Umlauf, als Steuereintreiber forderte er es von den Bürgern zurück. Ohne Geldforderungen an seine Bürger hätte er den Wert seiner Münzen nicht garantieren können.

Da jeder Marktteilnehmer steuerpflichtig war !!!
 
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