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Medienbruch und Medienwechsel bezeichnen einerseits verschieden dramatische Akzentuierungen derselben Sache, die ich hier behandle und andrerseits ein ganz andere organisationwissenschaftliche Sache, die ich unter Medienwechsel behandle.
Die hier gewählte Zuordnung zu den Ausdrücken ist beliebig, ich muss in beiden Fällen jeweils deutlich machen, wie ich die Ausdrücke verwende.

Als Medienbruch bezeichne ich - in Anlehnung an die Luhmannsche Systemtheorie - die Hervorbringung eines neuen "Mediums" innerhalb der "Kommunikation" (beide Begriffe gemäss der luhmannschen Terminologie).
D. Baecker unterscheidet vier Gesellschaftstypen, die er als Reaktionen auf solche Medienbrüche interpretiert.:

  • Tribalgesellschaft hat Sprache
  • Antike Gesellschaft hat Schrift
  • Moderne Gesellschaft hat Buchdruck
  • Postmoderne Gesellschaft hat vernetzte Computer
  • Kritik
    Ich verstehe diese Anordnung - was ich unter Medienlehre noch ausführliche erläutere - als seltsame Extrapolation der Buchdruck-Ereignis-Gesellschaft in der Theorie von N. Luhmann. Bei N. Luhmann ist der Buchdruck der Ausgangspunkt für alles, was davor und danach auch noch vorkommt, weil darin seine Kommunikation quasi handfest wird.
    Dass auch Sprache als Mediumbruch bezeichnet wird, suggeriert Vor-Menschen, die noch jenseits einer Kommunikationsgesellschaft ums Feuer sitzen, wie S. Kubrick sie vor der Götterdämmerung gezeigt hat. Medium bedeutet bei jedem Bruch etwas anderes, soll also gerade keinen (Ober-)Begriff darstellen. Das wäre wohl auch eine viable Interpretation des Konzeptes Medium bei N. Luhmann insgesamt. "Medium" steht - ohne Deutung - für die nichtmarkierte Seite, während die markierte Seite, die ihre Form als quasievolutionäre Schichtung wechselt, Medium als jeweilige Differenz mitbestimmt.
    In anderen Medienlehren erscheint Sprache als Medium, dass sich in verschiedenen Verwendungen zeigt. Bei Platon (Phaidros) etwa als Schrift , die dem Erinnern zulasten der Erinnerung dient. Bei B. Brecht etwa als Radio im Sinne der heutigen sozialen Medien, wo alle plötzlich wissen müssten, was zu sagen wäre.

    Medientechnisch ist das eine interessante Unterscheidung: schreiben versus ein Mikrophon, das schreibt. Bislang war (auch bei Hr. Luhmann) die Meinung, dass MAN anders spricht als schreibt, WEIL das Medium ein anderes sei.

    Den wesentlichen Medienwechsel, der quer zu der gemeinten Schichtung steht, sehe ich in der Unterscheidung Zeichnen versus Schreiben als Formen des Abbildens mit der jeweils gleichen Technik. Dabei ist klar, dass ich den Hörsinn mit Zeichnungen nicht erreichen kann, also das Sprechen als hörbar gemachten Text verstehe. In diesem Sinn ist Schrift genetisch älter als Sprechen: logisch haben die Menschen zuerst geschrieben und erst dann gesprochen.


    [ postulierte Konvergenz ]
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