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Als Medienbruch bezeichne ich einen Wechsel des informationstragenden Mediums innerhalb eines Informationsbeschaffungs- oder -verarbeitungsprozesses. Die Informationen suchende (oder verarbeitende) Person wird dadurch gezwungen, im Verlauf des Prozesses die Such- bzw. Verarbeitungsstrategie zu wechseln, um dem gerade vorliegenden Medium zu entsprechen. Man geht davon aus, dass durch einen Medienbruch in der Informationskette der Beschaffungs- oder Verarbeitungsprozess für Daten, Information und Inhalte erschwert, verlangsamt und unter Umständen auch in seiner Qualität gemindert wird.


http://mstueger.bplaced.net/html1/emergenz.html

Stüger Michael

Medienemergenz

Ein Zitat zu Anfang: Platon: Phaidros

So hast auch du jetzt als Vater der Buchstaben, aus Liebe das Gegenteil dessen gesagt, was sie bewirken. Denn diese Erfindung wird den Seelen der Lernenden vielmehr das Vergessen einflössen aus Vernachlässigung der Erinnerung, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von aussen vermittels fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden. Nicht also für die Erinnerung, sondern nur für das Erinnern hast du ein Mittel erfunden, und von der Weisheit bringst du deinen Lehrlingen nur den Schein bei, nicht die Sache selbst. Denn indem sie nun vieles gehört haben ohne Unterricht, werden sie sich auch vielwissend zu sein dünken, obwohl sie grösstenteils unwissend sind, und schwer zu behandeln, nachdem sie dünkelweise geworden, statt weise

Was Platon hier beschreibt, ist der Medienbruch zwischen gesprochenem Wort und Schrift. Und der redegewandte Philosoph kann an der Schrift nichts Gutes finden - sie ist eine Bedrohung für seine eigene Kunst. Sie sehen: Geschichte wiederholt sich - Medienbrüche erzeugen Euphorie und Angst gleichzeitig. Was aber steht dahinter?

Medienbruch und Veränderung der Gesellschaft

Altes Medium steht für: Unmittelbar, Wahr, Rein,......

Neues Medium steht für: Schein, Dekadenz, Verfall... =klassische Abwehrposition

Zwei Positionen

Ist das Vorgängige gut, kann die Veränderung nur schlecht sein,

Ist das Vorgängige ungenügend, kann Veränderung nur gut sein.

Ein Beispiel

Leitmedium der bürgerlichen Gesellschaft war das Buch. Um 1920 beginnt das Radio als erstes elektronisches Massenmedium diese Position einzunehmen. Nun tauchen tatsächlich zwei historisch argumentierende Positionen im Diskurs über dieses neue Medium auf.

Wird das Buch als Träger von Wissen und Bildung positiv bewertet, so wird im Umkehrschluss das Radio negativ für Bildungsprozesse gesehen.

Ist das Buch Symbol für eine elitäre Minderheit, so knüpfen sich an das neue Medium Radio Hoffnungen der öffnung und Demokratisierung von Bildungsprozessen.

Zitat

Fast im gesamten 20.Jht. haben Technikfanatiker das Ende der Bücher prophezeit, so Thomas Alva Edison im Jahr 1922:"Der Film wird unser Erziehungssystem revolutionieren. In ein paar Jahren wird er weitgehend, wenn nicht sogar vollständig den Gebrauch von Büchern ersetzen." Zehn Jahre später schrieb Benjamin Darrow, der Gründer der Radiouniversität School of the Air in Radio - The Assistant Teacher:" Das zentrale und wichtigste Ziel des Unterrichts aus dem Radio ist es, die Welt ins Klassenzimmer zu bringen, sich die Dienste der besten Lehrer nutzbar zu machen, die Ideen der grössten Führungspersönlichkeiten.... Die Ereignisse in der Welt per Funk zu verbreiten, das wird sein, wie wenn ein aufregendes und anspruchvolles Buch durch die Luft zu uns fliegt. 1945 schrieb William Levenson in Teaching Through Radio: Ein tragbares Radio wird im Klassenzimmer so selbstverständlich sein wie heute die Schiefertafel. Schulfunk wird als anerkanntes neues Medium ein selbstverständlicher Teil des Schullebens sein.

Definition: Emergenz

Entstehen neuer Strukturen oder Eigenschaften aus dem Zusammenwirken der Elemente in einem komplexen System.

Diskussionskern

- Mediensysteme sind ausreichend komplex, um emergente Eigenschaften zu entwickeln

- Gegenposition: Emergenz bei Mediensystemen entsteht erst durch ihre Koppelung an soziale Systeme bzw. kognitive Systeme/Subjekte

Friedrich A. Kittler

Weil Werkzeuge immer von ihrem Benutzer her definiert sind, bliebe es beim alten Denkschema, das Maschinen grundsätzlich vom Menschen her denkt und die Umkehrung, dass nämlich Menschsein durch die verfügbaren Maschinen definiert wird, gar nicht erst in Betracht zieht. (aus F.A. Kittler: Farben und/oder Maschinen denken)

Niklas Luhmann

Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien." (Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien, Opladen1996 S.9)

Was ist nun mit der Technik?

Denn was das Militär an Kommando- und Kontrolltechniken für sehr komplexe strategische und taktische Operationen entwickelt hat, lässt sich ... in geeigneter Weise adaptieren für zivile Systeme der Steuerung und Verwaltung (Rudolf Maresch) Zielerfassungungen kommunizieren..

- Mit einem Subjekt (Wiener)

- Mit einer Maschine (Shannon)

Warum wir klicken (müssen)

Denn das wohl auffälligste einer formalisierten Maschinensprache ist ihre Befehlsstruktur. Und darüber sollten uns auch die schönsten Interfaces nicht hinwegtäuschen: Wer aus der Arbeit mit komplexen Maschinen nutzen ziehen möchte, muss sich diese Befehlsstruktur einfügen. Ein Mausklick kann zwar als Befehl an die Maschine verstanden werden etwas Bestimmtes zu tun, er ist umgekehrt aber auch eine nicht umgehbare Handlungsanweisung an den User, wie er seine Begehrlichkeiten zu stillen hat.

Diskussionskern2

- Technische Medien sind eine Erweiterung der Vergegenständlichung von Menschen (Cyberidentities...) und auch eine Erweiterung seiner Kommunikationsmöglichkeiten

- Gegenposition: Technische Medien schränken auch den geübten User auf technische Handlungsschemata ein, während sie den Technikverweigerer ganz aus den kommunikativen Prozessen ausschliesst


D. Baecker unterscheidet vier Gesellschaftstyben, die er als Reaktionen auf Medienbrüche interpretiert.

Tribalgesellschaft hat Sprache
Antike Gesellschaft hat Schrift
Moderne Gesellschaft hat Buchdruck
Computergesellschaft hat Computer

Ich verstehe diese Anordnung als seltsame Extrapolation der Buchdruck-Ereignis-Gesellschaft in der Theorie von N. Luhmann. Bei N. Luhmann ist der Buchdruck der Ausgangspunkt für alles, was davor und danach auch noch vorkommt.

Bei D. Baecker wird Sprache und Schrift als Medium bezeichnet. Man könnte lesen: gesprochene Sprache, aber auch dann ist das Medium von einer völlig anderen Qualität, weil keine artefaktische Technik vorhanden ist. Die Abgrenzung ist beliebig und suggeriert Wilde, die ums Feuer sitzen, seinen eine Gesellschaft.


http://books.google.ch/books?id=SGl7VcYItTYC&lpg=PA118&ots=KkkkoxPJGm&dq=medienbr%C3%BCche%20baecker&pg=PA5#v=onepage&q&f=false
 
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