Deutungszusammenhang        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

Als deutender Beobachter nehme ich Phänomene in Deutungszusammenhängen wahr. Insofern die Deutung die Handlung orientiert, kann man auch von Handlungszusammenhang sprechen. Der Ausdruck Handlungszusammenhang suggeriert Handlungstheorien, während der Ausdruck Deutungszusammenhang Weltgeisttheorien suggeriert. Hier ist beides nicht gemeint, hier geht es - in pragmatischer Hinsicht - nur darum, den deutenden Beobachter im Rahmen einer Tätigkeitstheoriezu charakteriesieren.

Beispiel:

Im Deutungszusammenhang "Kunst" gibt es das Phänomen "Kunstwerk". Bevor die Werke als Kunst gesehen wurden, gab es den Deutungszusammenhang "Kunst" nicht. Das Phänomen "Werk" war dann beispielsweise gutes Handwerk. Den Uebergang zwischen Handwerk und Kunst bezeichne ich als Kunsthandwerk.
Wenn jemand für ein Stück bemalte Leinwand ein Million Franken bezahlt, ist das im Deutungszusammenhang der Handwerk nicht "verstehbar". Sinnvoll beschreiben lässt sich dieses Verhalten aber im Deutungszusammenhang "Kunst".

Anmerkungen:

Deutungszusammenhänge sind Interpretationsrahmen, die ein deutender Beobachter verwendet, um eine kohärente Deutung zu schaffen. Jedes Phänomen steht in einem Deutungszusammenhang. Deutungszusammenhänge orientieren und ordnen die Wahrnehmung (und Beschreibung) des deutenden Beobachters. Deutungszusammenhang und Phänomen konstituieren sich gegenseitig.

Deutungszusammenhänge postuliert der deutende Beobachter, um Phänomene sinnvoll beschreiben zu können. Deutungszusammenhänge orientieren und ordnen die Beschreibung von strukturellen Koppelungen zwischen eigentlichen Systemen.

Bestimmte Arten von Signalaustausch, kann ich als Beobachter als strukturell gekoppelte Verhalten im sprachlichen Bereich beschreiben. Sprache bezeichnet dann einen Deutungszusammenhang, durch welchen ich als Beobachter Kategorien gewinne, um die strukturelle Koppelung sinnvoll deuten zu können.

Hinweis:
N. Luhmann spricht von "funktionalen Systemen", wo er Deutungszusammenhänge als gesellschaftlich institutionalisierte Subsysteme begreift.

Nach H. Maturana (145) werden Handlungszusammenhänge durch den Diskurs semantischer Koppelungen von Beobachtern erzeugt, um das Verhalten von Systemen als sinnvolles zu beschreiben (verstehen). Im Vortrag Explanations and Reality spricht H. Maturana von einem "explanatory path" oder einer "domain of coherent expirience


 
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