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C. Snow prägte den Ausdruck mit seinem Buch Die zwei Kulturen

C. Snow unterscheidet Natur- und Geisteswissenschaften dadurch, dass erstere erkläre und letztere verstehe, und etwas saloper dadurch, ob ihre Vertreter mit Differentialgleichungen umgehen können.
Die eigentliche Unterscheidung von C. Snow sehe ich darin, dass Naturwissenschaften eigentliche Wissenschaften und damit ohne Inhalte - oder formal - sind. Naturwissenschaft interessiert sich für den formalisierbaren Aspekt, der sich in sogenannten Naturgesetzen ausdrücken lässt.
Für die physikalische Beschreibung ist GLEICH gültig, ob ein Kind vom Balkon oder ein Apfel vom Baum fällt. Für die biologische Beschreibung ist GLEICH gültig ob Zellen eines Menschen oder eines Igels beobachtet werden.

Geisteswissenschaften - die eben gar keine Wissenschaften sind - haben einen Gegenstand, dessen Bedeutung sich nicht in Formeln aufheben lässt. Sie brauchen Sinn, den sie auch in Hochabstraktionen nicht los werden.

Man könnte - und C. Snow würde wohl - Philosophie im kruden Sinn der Wissenschaftstheorie - als Oberbegriff verwenden. Dann würde durch die Philosophie bestimmt, welche Aussagen in welchen Wissenschaften zulässig sind. Das ist das, was C. Snow macht. Er erkennt sein Problem darin, dass für verschiedene Wissenschaften ganz andere Regeln gelten, so dass eine gemeinsame Sprache unmöglich ist.

Die Redewweise von getrennten Kulturen übertünkt, dass der Ausdruck Wissenschaft für unvereinbare Ansätze verwendet wird.


 

Ich verwende den Ausdruck "zwei Kulturen" allgemeiner als C. Snow, aber in Anlehnung an seinen Ansatz für verschiedene Beobachtungsgegenstände, die kategoriell nicht vereinbar, sondern komplementär sind.

Es geht mir hier - sozusagen von einem geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus - darum Technik und Naturwissenschaft zu trennen. Gemeinhing gilt die Technik als Anwendung, obwohl sinnenklar ist, dass Technik - wie auch immer verstanden - älter ist und dass sehr viele Erkenntnisse der Physik von Ingenieuren stammen. Die Geschichte, in welcher die unvereinbaren Kulturen vereint werden, ist eine Inversion, in welcher sich die Wissenschaft verselbständigt und danach eine Priorität behauptet.

Die Kybernetik und dann die Informatik werden gemeinhin als Wissenschaften begriffen, obwohl die Wortbildung auf ik die Differenz zur Logie markieren. In diesen Fächern ist der Übergang sozusagen im Prozess beobachtbar. Die Beschreibung der Technik wird so allgemein oder abstrakt, dass sie - oft - gar nicht mehr auf Technik bezogen wird. Siehe dazu Technik und Wissenschaft.


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