Kontingenz        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Kontingenz heisst ganz allgemein restriktierte Wahlmöglichkeit. Es gibt ein begrenztes Angebot. Der Ausdruck wird in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht.

Die Hypertextteile bilden ein Kontingent, auf welches der Hypertexter zurückgreifen kann. Das heisst, er kann beliebige Textreihenfolgen zusammenstellen, aber er kann nur die vorhandenen Textteile verwenden.

siehe auch doppelte Kontingenz


In der Philosophie wird der Ausdruck seit Aristoteles sehr verschieden verwendet. Bei Aristoteles steht er für zufällig im Gegensatz zu wesentlich, bei bestimmenden Merkmalen. Man kann den Menschen definieren als "ungefiederten Zweibeiner". Mit dieser Definition wird der Mensch klar von andern Lebewesen abgegrenzt, aber sie sagt nichts "Wesentliches" über den Menschen aus. Sie ist zufällig oder eben kontingent. Kontingent heisst hier: So kann man es ohne Wesensschau aus praktischen Gründen sehen. (Anmerkung: Weil Zufall oft auch als Gegensatz zu Notwendigkeit verwendet wird, herrscht bezüglich Kontingenz begriffliches Chaos).

In der Soziologie wurde der Ausdruck von N. Luhmann populär gemacht: Dort steht er (im Sinne des Luhmannschen Konstruktivismus) für Konstruktionen, die wir uns von der Wirklichkeit machen. Man kann die Welt ziemlich beliebig sehen, aber nach N. Luhmann ist nicht jede Sicht möglich. Es gibt ein Kontingent von Sichtweisen - wobei es N. Luhmann wichtig erscheint, das Kontingent auch auszuschöpfen, statt immer nur dieselbe Sicht zu verwenden: es könnte auch anders sein. Soziologie soll die Gesellschaft als eine unter vielen möglichen wahrnehmen, die weder notwendig noch beliebig ist. Selbst die Wahrnehmung der Welt ist kontingent, sie beruht auf Unterscheidungen und Konstruktionen, welche auch anders gemacht werden könnten.

Im Chartertourismus wird mit Kontigenten von Flugplätzen und Hotelzimmern gehandelt. Jemand kauft 100 Plätze, ohne zu wissen für wen. Die Plätze werden zufällig besetzt.


LexiRom: 1. Zufälligkeit, Möglichsein (im Gegensatz zur Notwendigkeit; Philos.). 2. die Häufigkeit zusammen vorkommender od. sich gleich verhaltender psychischer Merkmale (Statistik, Psychol.)