"Erd-beere"        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]     

oder wie adjektivische Voranstellungen (Präfix, Kompositum) lesbar sind (vgl. die Beispiele tacit knowledge, funktionales System, Zeigedefinition.htm, Programmiersprachen, Ökologie)

Auf irgendeine unverstandene Art versteht jeder (der Deutsch spricht), was mit dem Ausdruck "Erdbeeren" gemeint ist. Auf dem Markt kann ich sagen, ich hätte gerne Erdbeeren, und ich kriege Erdbeeren. Der Referent des Ausdruckes ist gemeinhin (aufgrund einer mehr oder weniger impliziten Vereinbarung) bekannt.

Erd-Beeren sind aber keine Beeren, WENN man die Sache biologisch betrachtet, (also eine andere Perspektive wählt). Beeren wachsen dann nämlich gerade nicht bei der Erde, sondern an Sträuchern und haben wässeriges Fruchtfleisch und Kernen. Die adjektivische Vorsilbe sagt also, dass es sich gerade nicht um eigentliche Beeren handelt. Ich erkenne darin ein generelles Phänomen der deutschen Sprache. Vorsilben reflektieren die Position oder die Perspektive des Sprechers (beispielsweise sage ich heraus oder hinaus). Vorangestellte Eigenschaften dienen der begrifflichen Spezifizierung sehr verschieden. Erd-Beere heisst sowohl "Beere nahe der Erde", wie auch "Nicht-Beere".

             

 
Biologisch gesehen sind Erdbeeren Sammel-Fruchstände der Pflanzengattung Rosaceen. Die eigentlichen Früchte sind die Nüsschen, die auf dem roten, süssen Fruchtboden sitzen.

Natürlich ist das eine Frage der Definition. Der Biologe hat andere Klassifikationsinteressen, als der Marktfahrer. Im Konversations-Lexikon geht es oft darum, was Erdbeeren sind (dann gibt es eben viele Definitionen), während es hier darum geht, wie wir über Erdbeeren sprechen.

Jenseits der Definitionen geht es hier darum. dass unsere sprachlichen Vereinbarungen oft reflektieren, was wir über die Referenten wissen. Mit der Vorsilbe "Erd-" verweisen wir darauf, dass Beeren (hier im Sinne einer Verallgemeinerung der biologischen Definition, die auch im Alltagsbewusstsein leicht zu finden ist) gerade nicht bei der Erde, sondern an Sträuchern wachsen. Wir wissen ja im gleichen Sinne, dass "Baum"-nüsse keine Nüsse und "Wal"-Fische keine Fische sind.

       

 

LexiRom schreibt:

Erdbeere (Fragaria), Gatt. der Rosengewächse mit etwa 30 Arten in den gemäßigten und subtrop. Gebieten der Nordhalbkugel und in den Anden; Ausläufer treibende Stauden mit meist zwittrigen Blüten. Die meist eßbaren Früchte (Erdbeeren) sind Sammelnußfrüchte (Fruchtformen), die aus der stark vergrößerten, fleischigen, meist roten Blütenachse und den ihr aufsitzenden, kleinen, braunen Nüßchen bestehen.- Die formenreiche Wald-E. wächst im gemäßigten Eurasien häufig in Kahlschlägen. Eine Kulturform, die Monats-E. , blüht und fruchtet mehrmals während einer Vegetationszeit. Die Muskateller-E. (Zimt-E.) wächst im wärmeren Europa; die eßbaren Früchte sind birnenförmig verdickt. Aus Kreuzungen verschiedener Erdbeerarten entstand die Garten-E. (Ananas-E.) mit großen, leuchtend roten Früchten, die in vielen Sorten angebaut wird.

Fruchtformen, Grundformen der Frucht der Samenpflanzen, die nach Ausbildung und Art der beteiligten Organe in drei Haupttypen untergliedert werden: 1. Einzelfrüchte: Aus einer Blüte geht nur eine einzige Frucht hervor, die sich bei der Reife ganz oder teilweise öffnet und die Samen freigibt (Öffnungsfrüchte, Streufrüchte; z.B. Balgfrucht, Hülse, Schote und Kapselfrucht) oder in geschlossenem Zustand von der Pflanze abfällt (Schließfrüchte; z.B. Nuß, Beere, Steinfrucht); 2. Sammelfrüchte: Aus jedem einzelnen Fruchtblatt entsteht eine Frucht für sich (Früchtchen), jedoch bilden alle Früchtchen dieser Blüte unter Mitwirkung anderer Blütenteile (z.B. der Blütenachse) bei der Reife einen einheitl. Verband (Fruchtverband), der eine Einzelfrucht vortäuscht (Scheinfrucht) und sich als Gesamtheit ablöst. Nach der Ausbildung der Früchtchen werden die Sammelnußfrucht (z.B. Erdbeere), die Sammelsteinfrucht (z.B. Himbeere) und die Sammelbalgfrucht (z.B. Apfel) unterschieden; 3. Fruchtstände: Ganze Blütenstände, die bei der Reife (unter Mitwirkung zusätzl. Organe) das Aussehen einer Einzelfrucht annehmen und als Ganzes verbreitet werden (Scheinfrüchte). Fruchtstände können als Nußfruchtstand (z.B. Maulbeere), Beerenfruchtstand (z.B. Ananas) oder Steinfruchtstand (z.B. Feige) ausgebildet sein.

Beere, Fruchtform (bei bedecktsamigen Pflanzen) mit fleischiger, saftiger, seltener austrocknender Fruchtwand und einem oder mehreren Samen.


 
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