Klassifikation        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Eine Klassifikation ist eine Operation, die Objekte anhand einer Definition einer Klasse zuordnet.

Beispiel:
Ich klassifiziere Wale als Säuger und nicht als Fische, weil meine Definition von Fisch ein eierlegendes Tier verlangt, das keine Lunge hat. Würde ich Fisch dagegen als im Wasser lebend und ein Schwanzflosse habend definieren, würde ich Wale zu den Fischen zählen.


T. Adorno über Klassifikation:

"Allgemeine Begriffe von den einzelnen Wissenschaften auf Grund von Abstraktion oder axiomatisch geprägt, bilden das Material der Darstellung so gut wie Namen für Einzelnes. Der Kampf gegen Allgemeinbegriffe ist sinnlos. Wie es mit der Dignität des Allgemeinen steht, ist damit aber nicht ausgemacht. Was vielen Einzelnen gemeinsam ist, oder was im Einzelnen immer wiederkehrt, braucht noch lange nicht stabiler, ewiger, tiefer zu sein als das Besondere. Die Skala der Gattungen ist nicht zugleich die der Bedeutsamkeit. Das war gerade der Irrtum der Eleaten und aller, die ihnen folgten, Platon und Aristoteles voran.
Die Welt ist einmalig. Das bloße Nachsprechen der Momente, die immer und immer wieder als dasselbe sich aufdrängen, gleicht eher einer vergeblichen und zwangshaften Litanei als dem erlösenden Wort. Klassifikation ist Bedingung von Erkenntnis, nicht sie selbst, und Erkenntnis löst die Klassifikation wieder auf (Dialektik der Aufklärung:196)

Kritik von Todesco:
Was Adorno hier sagt, fassen wir in anderen Worten:
Klassifikationen werden pragmatisch geleistet. Wenn ich beispielsweise ein 4. Volksschulklasse bilde, weise ich dieser Klasse die Objekte zu, die der ad-hoc-Definition "alle Kinder (Obergegriff), die in demselben Einzugsgebiet wohnen und zehnjärig sind (Kriterium)" genügen.
Selbstverständlich meine ich nicht, dass diese ad-hoc-Definition irgendeine "stabile, ewige, tiefe Bedeutung" habe, ich verwende sie nur im gegeben Kontext zur Klassifikation.
Umgekehrt folgt daraus, dass ich pragmatisch ad-hoc-Definitionen leiste, keineswegs, dass alle meine Definitionen nur immer für den Einzelfall gelten. Ganz im Gegenteil, meine Definitionen gelten für mich immer, wenn nicht ein Einzelfall gegeben ist, wo ich vernünftigerweise nach andern Kriterien klassifiziere - oder die Definition durch Exhaustion (Holzkamp) akzeptierbar halte.