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Als Feedback bezeichne ich umgangssprachlich verkürzt sowohl den Prozess in einem Rückkopplungssmechanismus, in welchem eine Ausgangsgrösse wieder in den Mechanismus zurückgeführt wird, als auch den Signalfluss, der in diesem Prozess verwendet wird.

Das "Feedbacksignal" ist durch den Differenzbildner und den Regler vermittelt, besteht also aus mehreren Signalen, die im Regelkreisschema genauer dargestellt sind.


 

Feed backwards ist das Wesen der Regelung,
Feed forwards das Wesen der Steuerung (Feedfor(wards))

Wenn ich ein Bergtour mache, muss ich vorher-sehen (feed forwards), wie viel Nahrung ich mitnehmen soll. Unterwegs kann ich dann soviel essen, wie ich Hunger habe, also auf das Feedbacksignal meines Körpers reagieren (feed backwards) . Bei Leistungssportlern, etwa an der Tour de France, ist es genau umgekehrt: sie müssen keine Nahrung mitnehmen, also nicht vorhersehen, was sie brauchen, weil sie aus den Begleitautos "gefeedet" werden, sie dürfen aber unterwegs nicht warten, bis sie Hunger haben, sondern müssen vorher-sehen, wiel Nahrung ihr Körper braucht, um jederzeit die maximale Leistung bringen zu können. Das kann man als Regelung auf einer übergeordneten Ebene verstehen.


 

Meatphorisch wird von Feedback gesprochen, wenn eine Leistung im Nachhinein beurteilt wird, etwa wenn der Lehrer sagt: "Das hast Du gut gemacht!"

Feedback im Kommunikationstraining (Regeln)


 

Metakommunikation (aus den Crashkurs Systemtheorie)

Der Ausdruck "Feedback" wird auch in der Umgangssprache verwendet. Dort ist "Feedback" quasi unabhängig von der Systemtheorie ein modernes Wort für Rückmeldungen, wie sie etwa in sogenannten Veranstaltungsevaluationen gemacht werden:

Ich beginne mit dem Phänomen: Ein Kursteilnehmer sagt dem Kursleiter am Ende eines Kurses (unter anderem), was ihm nicht gefallen hat. Ich kann das normal finden, oder eben ein Phänomen darin sehen. Ich kann mich fragen, wozu das gut ist, oder warum der Kursteilnehmer das macht. Ich - und natürlich jeder Kursleiter - kann die Mitteilung auf verschiedenen Ebene verstehen. Es kann sein, dass der Kursteilnehmer einfach noch etwas Konversation treiben will, oder das er sagen will, was er alles weiss. Es kann sein, dass er den Kursleiter didaktisch belehren will, ihm also sagen will, was er besser machen könnte oder müsste. Der Kursleiter kann mit den Mitteilungen verschieden umgehen, er kann sie verdrängen oder beherzigen.

Ich kann diese Mitteilungen jenseits von Systemtheorie einfach "Feedback" nennen, oder das Phänomen in einem systemtheoretischen Sinn verstehen. Im ersten Fall werde ich mit dem Ausdruck eine Art "Kommunikation" zwischen zwei "offenen Systemen" beschreiben und allenfalls nach Motiven und Funktionen (warum und wozu) suchen. Im zweiten Fall frage ich nicht wozu die Mitteilungen gut sind, ich frage nicht nach deren Funktion, sondern ich frage mich, was da wie passiert. Wenn ich Feedback im Sinne der Systemtheorie wahrnehme, lokalisiere ich ein System mit einem Sensor und einem Effektor. Feedback bezeichnet dann einen Prozess innerhalb eines Systems.

Auch im zweiten Fall kann ich als Kursteilnehmer oder als Kursleiter "betroffen sein" oder die Situation von aussen sehen. Ich beobachte zunächst den Kursteilnehmer als System, das heisst ich betrachte mich als Kursteilnehmer. Ich stelle fest, dass sich in mir eine Ist-Soll-Wert-Differenz ergeben hat, und dass ich diese mit einer bestimmten Massnahme kompensiere(n will). Ich könnte meine Erwartungen so ändern, dass sie zu meinen Kurserfahrungen passen, oder ich kann bestimmte Sätze an den Kursleiter richten. Beides sind Massnahmen. Als Sensor fungiert meine Zufriedenheitserwägung, als Effektor fungiert beispielsweise meine Massnahme, etwas bestimmtes zu sagen. So wie eine Heizung heizt, sage ich, was ich zu sagen habe. Der Kursleiter gehört nicht zum System, ihn kann ich ja mit Systemoperationen nicht ändern, er ist ein Teil der Umwelt. Nach der Massnahme frage ich mich, ob meine Massnahme meine Ist-Soll-Wert-Differenz verkleinert hat oder nicht. (An diesem Punkt unterbreche ich die Analyse).

Ich beobachte als nächstes den Kursleiter als System, das heisst ich betrachte mich als Kursleiter. Vielleicht bin ich ein Kursleiter, der Kritik nicht gerne hat. Dann stelle ich angesichts bestimmter Rückmeldungen eine Ist-Soll-Wert-Differenz in mir fest. Ich frage mich, mit welcher Massahme ich diese Differenz abbauen kann. Ich habe verschiedenen Möglichkeiten. Ich könnte die Kritik anders deuten, etwa so, dass sie nicht mich, sondern irgendeinen andern Umstand betrifft, oder ich kann solche Meldungen als Hinweis auf nicht richtig funktioniernende Sensoren betrachten. Ich könnte auch mein Verhalten ändern und überprüfen, ob meine Massnahme meine Ist-Soll-Wert-Differenz reduziert. Der Kursteilnehmer gehört nicht zum System, ihn kann ich mit Operationen innerhalb des Systems nicht ändern. (Auch hier unterbreche ich, ich werde später hier weiterfahren).

Ich beobachte als nächstes ein System, in welchem der Kursteilnehmer und der Kursleiter vorkommen. Dazu brauche ich natürlich eine Aussensicht, weil ich mich jetzt nicht mehr identifizieren kann. Ich muss also eine Systemfunktion sehen, die nicht an einen der beiden Menschen gebunden ist, ich betrachte also ein "soziales" System. Ich muss also von aussen sehen, welche Sollwerte das System wie regelt. Wenn der Kurs beispielsweise im Rahmen einer betrieblichen Weiterbildung stattfindet, haben unter anderen die Inhaber des Betriebes ein Interesse an Effizienz und Effektivität. Aber wie kann der Kursteilnehmer diese Sensorfunktion erfüllen? Wenn die Kursteilnehmer zahlende Kunden sind, kann sich eine Schule auch andere Sollwerte als Bildung geben. Die Schule muss dann beispielsweise immer genügend Kunden haben. Die Kritik eines Kursteilnehmers kann dann als negative Werbung gesehen werden.

Die systemtheoretische Perspektive verschiebt also den Focus. In der Aussensicht entsteht eine bewusste Diskussion des Zweck des Systemes, und die je spezifische Innensicht sagt viel mehr über die beteiligten Menschen als über den Kurs. Eine systemtheoretisch plausibler Zweck einer sogenannten Feedbackrunde besteht beispielsweise darin, dass sich die Teilnehmenden ihre Erwartungen und Vorlieben bewusst machen. Feedback ist dann innerhalb der einzelnen Menschen angesiedelt und gibt ihnen selbst Auskunft über ihren eigenen Systemzustand.

Ich werde auf die kommunikativen Aspekte dieser Perspektiven später ausführlich zurückkommen, hier geht es vorerst nur um die Terminologie der Begriffe. Dass die Systemtheorie nur systeminterne Prozesse beschreibt, ist eine Konsequenz der operationellen Geschlossenheit der Systeme.


 

FAQ ist DIE Kritik.


 
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