Hermann Hollerith        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Literatur:

Zur Person

       

Hermann Hollerith (1860-1929) erhält ein Patent auf eine elektromagnetische Sortier- und Zählmaschine zur Auswertung von Lochkarten.

Bemerkungen

"Solche Automaten beruhen auf der Entdeckung, dass die manipulierbaren Schalter eines Automaten, beispielsweise Relais oder Transistoren, sowohl als Speicher von primär interessierenden Ergebnissen wie auch für die Steuerung des Automaten selbst benutzt werden können. Die ersten dieser Automaten reagierten wie Jacquards Webstühle auf Lochkarten. Aber sie unterschieden sich steuerungsmässig in einem wesentlichen Punkt von den Webstühlen. Der Steuermechanismus des Webstuhles war nicht veränderbar, er war auf eine Funktion festgelegt. Die Lochkarten solcher Webstühle enthielten lediglich Angaben darüber, wie der gewobene Stoff aussehen soll, aber keinerlei Angaben, die den Steuerungsmechanismus veränderten. Auch die Volkszählungsmaschine von H.Hollerith, die die Lochkarten berühmt machte, war aufeine vorgegebeneVerwendung festgelegt. Die Lochkarten enthalten nur Daten, keine Programme. Die "Daten" der Volkszählung, die H.Hollerith auf dollarnotengrosse Karten lochen liess, weil die Banken schon damals genügend Ablagekästen dafür liefern konnten, begründeten die sogenannte "Datenverarbeitung". Holleriths Daten waren durch Umkodierung von natürlichsprachlichen Beschreibungen entstanden, sie waren also digitale Abbildungen. J.Jacquards Webstuhlkarten dagegen enthielten keine Symbole, sie entsprachen einer analogen Abbildung. Die Lochkarten erlaubten oder verhinderten durch entsprechende Lochung, dass der jeweilige Kettfaden des Webgutes mustergemäss gehoben wurde. Dem praktischen Verstand erscheint die Jacquard-Lochkarte als Programm zur Maschinensteuerung (58), aber natürlich "steuern" in demselben Sinne auch Holleriths "Daten"-Karten die Maschine zu einem gewünschten Resultat. In beiden Fällen verändert sich die Maschine durch nachgeführte Beschreibungen, aber programmiert im engeren Sinne werden beide Maschinen nicht.
Die Unterscheidung zwischen Daten und Programmen verlangt eine Lochkartenmaschine, wie sie von G.Tauscheck 1930 vorgestellt wurde. Mit der "Programm-Lochkarte", welche zunächst als Stecktafel auftrat, konnte Tauschek die Maschine so verändern, dass sie die "Daten-Lochkarten" auf verschiedene Arten verarbeiten konnte, während Jacquards und Holleriths Maschinen ihre Daten nur in einer Weise verarbeiteten. Wesentlich ist, dass die Programme, die bestimmten, wie die Daten-Lochkarten verarbeitet wurden, selbst auch auf einer Art "Lochkarten" gespeichert waren. Durch die Einführung dieser zweiten Art von Lochkarten wurde die Steuerung einerseits explizit von den Daten getrennt und andrerseits praktisch gezeigt, dass Programme wie Daten gespeichert werden. Diese Steuerungslochkarten, die in den ersten Computern verwendet wurden, wirken als festgelegte Schalter auf manipulierbare Schalter in den Automaten" Todesco 1992:81f.