Memex        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]

Memex ist Mechanismus, den Vannevar Bush in seinem Aufsatz As We May Think begründet und beschreibt. V. Bush hat den Mechanismus als KI-Maschine gedeutet. Jenseits seiner Deutung hat er ein Konzept zur Mechanisierung des Registers vorgelegt, das später oft als Ursprung von Hypertext interpretiert wurde

      

"A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory.''
Zum Ende des zweiten Weltkriegs bilanziert Vannevar Bush die technischen Errungenschaften, die die Waffen- und Weltkriegsforschung hervorgebracht haben, und denkt eine aus unterschiedlichen Komponenten bestehende assoziative Gedächtnismaschine namens MEMEX (für MEMory EXtender), die dem Benutzer auf Knopfdruck einmal verbundene Parallelstellen innerhalb ihres gespeicherten Materials eröffnet: Die erste Idee des Hypertextes, der hier als nicht-lineares, dem menschlichen Gehirn nachgeahmtes Gedächtnis funktioniert. 50 Jahre später hat diese Idee weltweitgewebte Verbreitung gefunden, ohne dabei noch auf die mechanische, d.h. hebelgesteuerte, Hardware-Umsetzung, wie sie Bush entwarf, angewiesen zu sein. (Aus: Der Zettelkasten)

Die zentrale Idee von Memex besteht darin, dass in den Dokumenten mechanisierte Verweise auf andere Dokumente gespeichert werden. Bush stellt sich Mikrofiche vor, wir arbeiten jetzt mit Hyperlinks.


"Bush's 'Memex' ist ein (auf dem Papier entworfenes, nicht experimentell realisiertes) Informationssystem, das auf dem methodischen und technischen Stand dokumentarischen Wissens (Indexieren, kontrollierte Vokabularien, Relationierung und Mikroverfilmung) von 1945 aufsetzte, dieses allerdings mit der Radikalisierung der Idee der Verknüpfung ('association') kritisierte und erweiterte und damit einen richtungsweisenden Entwurf vorlegte, der bis heute die Ideen von Systemgestaltern befruchtet. Memex war als eine Maschine konzipiert, welche das menschliche Gedächtnis und sein Assoziationsvermögen erweitern und unterstützten sollte...Bush stellte sich eine Kamera vor, die an der Stirn befestigt sein sollte, und durch die alles, was im Verlaufe eines Tages das Interesse des Besitzers weckte, sofort aufgenommen und im Memex verfügbar gemacht werden sollte" (Kuhlen, S.67).

Vannevar Bush's Memex (1945) gehört in den Bereich des technisch-wissenschaftlichen Utopismus. Doch die Memex-Utopie gehört zu jenen Utopien, deren Grundgedanke zu überzeugend ist, um sie einfach ins Reich der Fabeln zu verbannen:

"The human mind...operates by association. With one item in its grasp, it snaps instantly to the next that is suggested by the association of thoughts, in accordance with some intricate web of trails carried by the cells of the brain" (Bush).

Für diesen Grundzug menschlichen Denkens und Verstehens stellte sich Bush eine adäquate maschinelle Unterstützung vor. Diese Vorstellung befruchtet bis heute die Begeisterung für Hypertext. Mit den Möglichkeiten der EDV ist nämlich das, was für Bush Utopie bleiben mußte, zu einer methodisch schwierigen, aber technisch längst realisierbaren Aufgabe geworden.


 
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