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Grössenart und Grösse sind zwei Wörter, die in der Schulphysik invers zur Alltagsprache verwendet werden. Die alltagssprachliche Redeweise, wonach es verschiedene (Tier)Arten gibt, unterstellt die Arten dem generellen Bezeichner "Tier", das heisst, alle Tierarten gehören zu den Tieren. Die Grössenarten der Physiker dagegen sind den Grössen übergeordnet. Länge als Grössenart beinhaltet verschidene Grössen wie Höhe, Abstand oder Durchmesser, das heisst, dass verschiedene Grössen zu einer Grössenart gehören.

Hier geht es also um zwei ganz verschiedene Grössenarten.

Ich unterscheide verschiedene Grössenarten, die je einem Vergleichsverfahren entsprechen. Grössenart bezeichnet dabei Operationen, während Grösse etwa über Eigenschaften der Gegenstände sagt. Ich messe beispielsweise den Durchmesser eines Tellers. Weil ich dabei einen Massstab verwende, spreche ich von der Grössenart "Länge in Metern", während jeder Teller eine bestimmte Grösse hat, die ich in Metern, respektiv in Bruchteilen davon angebe.

Mit Art meine ich in Grössenart eine Art des Vergleichens, die sich von anderen Arten unterscheidet und die in einem kategoriellen Sinn nicht ersetzbar ist. In der Praxis - die Physiker natürlich nicht betrifft und von welcher sie auch nicht betroffen sind, weil sie sich für solche Grössen nicht interessieren - vergleiche ich zwei Warenpreise nicht durch eine Messung. Deshalb ist für mich der Preis eine anderer Grössenart als die Länge.

Und wo ich Grössen durch Messungen erhabe, unterscheide ich die Art des Messens. Ich messe beispielsweise die Regenmenge nicht als Wassermenge in Litern, sondern als Höhe eines Wasserstandes in einem gegebenen Behälter, die ich in Zentimetern angebe.

Der Umfang eines Kreises hat eine Länge, die ich mit dem Massstab messe, wenn ich kein Pi kenne, indem ich den Kreis abwickle, wozu ich viele praktische Verfahren kenne. Ich kann beispielsweise eine Schnur auf den Kreis legen, die ich danach neben den Massstab legen kann.

Auf diesem praktischen Weg wird auch klar, inwiefern eine Zeitdauer "lang" sein kann. Die Zeigerspitze einer Uhr legt einen Weg auf einem Kreis zurück, den ich in Metern messen kann.


 

In der Sprache der Physiker wird Länge in Metern gemessen, die Länge hat ihrerseits verschiedene Ausprägungen:
Breite, Höhe und Länge eines Quaders, Durchmesser eines Rohrs, Spannweite eines Vogels, Niederschlagshöhe, Wellenlänge usw. sind alles Größen der Grössenart „Länge“. Sie können alle mit der Länge eines Masstabes verglichen werden.

Den formellen Physikern entschwinden der konkrete Massstab und das gemessene Objekt in den abstrakt-transzententen Konzepten wie Länge und Durchmesser. Es ist sozusagen der Witz der aristotelischen Physik, die Grössen zugunsten der Grössenarten zu eliminieren.

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Sprachkritische Anmerkungen:
Es gibt in der laxen Sprache der Physik noch weitere Unterscheidungen, auf die ich hier nicht eingehen will, die aber die Begriffsproblematik verdeutlichen:
Verhältnisgröße, bezogene Größe, extensive Zustandsgröße, intensive Zustandsgröße, Prozessgröße, Energiegröße, Feldgröße
Wenn man von einer Energiegrösse spricht, sagt man "Grössen"grösse" ... und setzt darauf, dass der andere versteht, wie es gemeint sein könnte.
Ein schreiendes Beispiel gibt die Wikipedia:
"Als Energiegrösse (auch: Leistungsgrösse) wird eine physikalische Grösse bezeichnet, die den energetischen Zustand eines physikalischen Systems, eines Feldes oder von Teilen davon beschreibt. Zu den Energiegrössen gehören unter anderem: die Energie."


 
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