Différance
Derrida, Jacques: Die différance, in: Randgänge der Philosophie. Wien: Passagen, 29-52 (frz. "La différance", in: Marges de la philosophie. Paris: Minuit 1972) - Erste Verwendung des Begriffs
Derrida, Jacques: Die différance. Ausgewählte Texte. (Hrsg. P. Engelmann) Reclam 2004.
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ist Professor für Philosophiegeschichte an der Ecole NormaleSupérieure in Paris und vor allem Erfinder der Dekonstruktion. »Für mich ist unter allen philosophischen Tugenden Jacques Derridas die wertvollste seine Fähigkeit, einen kritischen Blick auf die Philosophie zu werfen.« Biographische Daten 1930: Geburt von Jackie Derrida, am 15. Juli in El-Biar in der Nähe von Algier. 1942: J. D. wird am ersten Schultag der Schule verwiesen, weil der Rektor denNumerus Claususfür Juden von 14% auf 7% herabgesetzt hat. J. D. träumt davon, professioneller Fußballspieler zu werden. Fällt im Juni 1947 durchsbaccalauréat. Zur gleichen Zeit intensive Lektüren (Rousseau, Gide, Nietzsche, Valéry, Camus). Veröffentlicht Gedichte in kleinen nordafrikanischen Zeitungen. 1947/48 Philosophieklasse am Lycée Gauthier in Algier. Einschreibung in dieclasse de lettres supérieuresdes Lycée Bugeaud in Algier. 1952-54 École normale supérieure. Freundschaft mit Louis Althusser. Erste Begegnung mit Marguerite Aucouturier. Ist zeitweilig in Gruppen der nichtkommunistischen extremen Linken aktiv. Schließt Freundschaft mit Foucault, dessen Vorlesungen er hört. 1956/57 Besteht im zweiten Anlauf die mündliche Prüfung deragrégationund erhält ein Stipendium alsspecial auditoran der Universität von Harvard. Im Juni 1957 heiratet er in Boston Marguerite Aucouturier. 1957-59 Militärdienst im Algerienkrieg. Häufige Treffen mit Bourdieu. 1960-64 Lehrt an der Sorbonne ("Allgemeine Philosophie und Logik": Assistent von S. Bachelard, G. Canguilhem, P. Ricour, J. Wahl). Erster Vortrag am Collège de France (über und in Anwesenheit Foucaults). Erste Veröffentlichungen inCritiqueundTel Quel. 1966 Nimmt an der Johns Hopkins University in Baltimore an einem großen Kolloquium teil, das eine spektakuläre Intensivierung der Rezeption bestimmter französischer Philosophen und Theoretiker in den USA einleitet. Lernt dort Paul de Man und Jacques Lacan kennen. 1967 Vortrag vor derSociété française de philosophie: "Die différance". Veröffentlicht seine ersten Bücher:De la grammatologie(Grammatologie,dt. 1974),La voix de la Phénomène. Introduction au problème du signe dans la phénoménologie de Husserl(Die Stimme und das Phänomen. Ein Essay über das Problem des Zeichens in der Philosophie Husserls, dt 1979). In der Folgezeit wachsende Anerkennung im Ausland (Wahl in mehrere Akademien [Academy for the Humanities and Sciences of New York, American Academy of Arts and Sciences, etc.], Preise (Nietzsche-Preis 1988), Ehrendoktortitel (Columbia, Essex, Leuven, New School, Williams College), in Frankreich dagegen zunehmender Ausschluß vom akademischen Betrieb. 1968 J. D. scheint bestimmten Aspekten der Bewegung vom Mai 68 zurückhaltend gegenüberzustehen. Hält im Juli auf Einladung von Peter Szondi eine Reihe von Seminaren an der Universität Berlin. Seit 1968 vermehrte Reisetätigkeit innerhalb und außerhalb Europas. 1971 Rückkehr nach Algerien. Vorträge und Lehrtätigkeit an der Universität von Algier. Vortrag beim Congrès des sociétes de philosophie de langue française in Montréal ("Signatur Ereignis Kontext"). 1972 Nietzsche-Kolloquium in Cérisy. Drei weitere Bücher, Sondernummern vonLettres françaisesundLe Monde. 1974 Ruft in den soeben gegründeten Éditions Galilées die Reihe "La philosophie en effet" ins Leben. 1975 Gründet zusammen mit Freunden, Kollegen und Studenten die Gruppe zur Erforschung der philosophischen Lehre. Beginn der Lehrtätigkeit in Yale. Beginn der sog. Yale School (H. Bloom, P. de Man, J. Derrida, Geoffrey Hartman, J. H. Miller) und der Auseinandersetzungen um die "Invasion" der"deconstruction in America". 1979 Ergreift mit einigen anderen die Initiative zur Organisation derGeneralstände der Philosophie, die an der Sorbonne abgehalten werden. Erste Reise nach Schwarzafrika zum Kolloquium in Cotonou. 1980 Verteidigung einerThèse d'Étatan der Sorbonne. Ph. Lacoue-Labarthe und J.- L. Nancy organisieren das Kolloquium"A partir du travail de JacquesDerrida"in Cérisy. 1981 Gründet mit Jean-Pierre Vernant und einigen Freunden dieGesellschaft Jan Hus(Hilfe für verfolgte tschechische Intellektuelle). Wird in Prag verhaftet und erst nach einer energischen Intervention François Mitterrands und der französischen Regierung von der Tschechoslowakei freigelassen ("ausgewiesen"). 1983 Gründung desCollège international de philosophie, zu dessen erstem Direktor J. D. gewählt wird. Wahl in dieÉcole des hautes études en sciences sociale. 1984 Vortrag im Seminar von Jürgen Habermas und Eröffnungsvortrag des Joyce-Kolloquiums in Frankfurt. 1986 Zusammen mit dem amerikanischen Architekten Peter Eisenmann Arbeit an einem Entwurf für den Parc de la Villette. 1989 Eröffnungsansprache bei dem von der Cardozo School of Law in New York veranstalteten Kolloquium über "Deconstruction and the Possibilities of Justice". 1990 Seminare an der Wissenschaftsakademie der UdSSR und der Universität Moskau. Eröffnungsvortrag bei dem von S. Friedlander an der University of California (Los Angeles) organisierten Kolloquium über Die Endlösung und die Grenzen der Repräsentation. 1992 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge. 2001 Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main |
Derrida streitet mit H. Gadamer über den inneren Dialog
"Wenn wir als Hypothese den Gegensatz zwischen Sprechen und Sprache für SO ABSOLUT STRENG halten, ist die différance nicht nur das Spiel von Verschiedenheiten in der Sprache, sondern die Beziehung des Sprechens zur Sprache, der Umweg, den ich gehen muß, um zu sprechen, das schweigende Unterpfand, das ich geben muß und das auch für die allgemeine Semiologie gilt, indem es alle Beziehungen des Gebrauchs zum Schema der Botschaft, zum Code regelt." (Aus: Derrida, Die différance)
Was ich Dekonstruktion nenne, kann natürlich Regeln, Verfahren oder Techniken eröffnen, aber im Grunde genommen ist sie keine Methode und auch keine wissenschaftliche Kritik, weil eine Methode eine Technik des Befragens oder der Lektüre ist, die ohne Rücksicht auf die idiomatischen Züge des Gegenstandes in anderen Zusammenhängen wiederholbar sein soll.
Die Dekonstruktion hingegen befaßt sich mit Texten, mit besonderen Situationen, mit der Gesamtheit der Philosophiegeschichte, innerhalb derer sich der Begriff der Methode konstituiert hat.
Wenn die Dekonstruktion also die Geschichte der Metaphysik oder die des Methodenbegriffs befragt, dann kann sie nicht einfach selbst eine Methode darstellen.
Die Dekonstruktion setzt die Umwandlung selbst des Begriffes des Textes und der Schrift voraus. ... Ich nenne eine Institution ebenso wie eine politische Situation, einen Körper oder einen Tanz >Text<, was offenbar zu vielen Mißverständnissen geführt hat, weil man mich beschuldigte, die ganze Welt in ein Buch zu stecken. Das ist offensichtlich absurd."
Derrida in einem "Falter"-Interview 1987 u.a. zu Dekonstruktion: (in: Falter, Wiener Stadtzeitung, Beilage zum "Falter" Nr. 22a/87, laufende Nummer 302, S. 11 u. 12, Florian Roetzer "Gespräch mit Jacques Derrida")