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(für-)wahrnehmen

Als deutender Beobachter nehme ich meine Um-Welt als von Gegenständen bevölkerte Welt wahr, das heisst, ich sehe Gegenstände in Umweltzusammenhängen, die mir Deutungen erlauben. Ich sehe - um in meine bisherigen Beispielen zu bleiben - etwa einen Mähdrescher im Weizenfeld, eine Jacht auf hoher See, eine Weberin am Webstuhl, ein Oelheizung im Keller, usw. Bei bestimmten Gegenständen nehme ich ein Verhalten wahr, das ich in Relationen, beispielsweise in Kausalitäten, setzen kann: Ich beobachte, dass der Mähdrescher das Weizenfeld und die Weberin das Tuch verändert (Anmerkung 1). Ich beobachte, dass die Segeljacht vor dem Wind fährt und die Oelheizung äusserlich kein Verhalten zeigt.

Meine Wahrnehmungen passieren mir (Anmerkung 2). Einige davon mache ich zu Phänomenen. Dabei mache ich mir die Beobachtung als solche "bewusst", indem ich meine Aufmerksamkeit auf etwas hinwende (Anmerkung 3). Ich kann dabei einen Gegenstand isolieren, ich kann dabei aber auch das Milieu des Gegenstandes focusieren. Angesichts einer Segeljacht vor dem Wind kann ich mich fragen, wie die Jacht und deren Besatzung funktioniert, ich kann mich aber natürlich auch fragen, wie das Phänomen Wind entsteht. Ich muss als Phänomen nicht wählen, was ich zunächst als Gegenstand oder als Vordergrund betrachte. Im Falle der Heizung muss ich sogar erkennen - wohl mir sagen lassen - was ich funktional überhaupt sehe, weil sie sich ja weder sichtbar verhält, noch zeigt, wozu sie gut sein könnte. Wenn ich die wahrgenommene physische Heizung zum Phänomen mache, muss ich über eine Funktionalität erschliessen, was ich überhaupt beobachte.

     

Dann kann ich verschiedene Wechselwirkungen beobachten. Ich kann sehen, dass die Jacht vom Wind getrieben wird, dass der Mähdrescher auch fährt, wenn es nicht windet, dass der Weizen im Mähdrescher in Korn und Stroh zerlegt wird. Ich sehe, dass das Verhalten der Weberin zu Tuch führt, dass sie dabei Garn im Tuch verschwinden lässt. Ich sehe, dass das Tuch entsteht, dass der Webstuhl dafür benutzt wird. Schliesslich kann ich in meiner Um-Welt Menschen sehen. Ich kann deren Aussagen auf Gegenstände und die Relationen in meiner Um-Welt beziehen, über die ich selbst auch sprechen kann. Und daran, dass andere Menschen über die Gegenstände und deren Verhältnisse gleich sprechen wie ich, kann ich erkennen, dass sie dieselben Gegenstände in derselben Welt erkennen.

Als deutender Beobachter beobachte ich, dass andere Menschen auch beobachten, dass sie - wie ich - Aussagen über sich und über ihre Um-Welt machen. Ich beobachte, dass sie Phänomene beschreiben und Erklärungen zu den Phänomen konstruieren.


Anweisungen:

Ueberlege, welche Aspekte des Beobachters sinnvollerweise als Phänomene betrachtet werden.

    

Ich wähle natürlich nur als Phänomen, wozu mir sinnvole Erklärungen überhaupt möglich scheinen.


 

Beispiel:
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Metakommunikation

Diese Auffassung von beobachten ist quasi vor-phänomenologisch, weil ich damit noch nicht beschrieben habe, was ich zum Phänomen mache. Man könnte die Formulierungen missverstehen: Man könnte sie als ontologisches Postulat über eine Praxis auffassen, die der Theorie vorgelagert, also unabhängig von jeder Theorie jeder Theorie vorausgeht. (Anmerkung 5).


 
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