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von Foerster, Heinz: Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke. Frankfurt 1997

Eine Festschrift mit den wichtigsten Aufsätzen von Förster, hrsg. von Schmidt, S. J. ( fast identisch mit: Sicht und Einsicht, das ein Register hat). Illustr. 214 g. 396 S. 4. A. 1997. Suhrkamp-Tb. Wissenschaft stw 876. SFr. 26.00, ISBN 3-518-28476-2

Klappentext:
Wenn es in diesem Jahrhundert so etwas wie eine zentrale intellektuelle Faszination gibt, dann liegt sie wahrscheinlich in der Entdekkung des Beobachters. [...] Das Faszinosum wie auch das Skandalon der Entdeckung des Beobachters liegt in dem Umstand, daß man Blindheit und Einsicht aller kognitiven Prozesse zusammen als die eine Seite einer Medaille erkennen muß, deren andere Seite wir nicht kennen. Zwischen Blindheit und Einsicht können wir hin und her wechseln. Für die Beobachtung erster Ordnung, die Beobachtung von Sachverhalten, genügt das allemal. Erst auf der Ebene der Beobachtungen zweiter Ordnung, der Beobachtung von Beobachtungen, fällt auf, daß Sachverhalte immer nur Sachverhalte für einen Beobachter sind und daß der Beobachter nicht sieht, was er nicht sieht. Aufklärung, Ideologiekritik, Hermeneutik und Psychoanalyse machen sich dies zunutze. Aber das Problem liegt tiefer. Das Problem liegt darin, wie Heinz von Foerster bündig formuliert, daß der Beobachter nicht sieht, daß er nicht sieht, was er nicht sieht.

Inhalt:
- Bernhard Scott: Heinz on Foerster. Eine Würdigung 9-16
- Dirk Baecker: Kybernetik zweiter Ordnung 17-25
Ueber das Konstruieren von Wirklichkeit 25 - 49
Kybernetik einer Erkenntnistheorie 50 - 71
Kybernetik 72 - 77
Gedanken über Kognition 77 - 102
Gegenstände: Greifbare Symbole für (Eigen)Verhalten 103-115.
Bemerkungen zu einer Epistemologie des Lebendigen 116 - 133
Unordnung/Ordnung 134 - 148
Molekular.Ethologie 149 - 193
Zukunft der Wahrnehmung 194 - 210
Ueber selbstorganisierende Systeme 211 - 232
Prinzipien der Selbstorganisation im sozialen und betriebswirtschaftlichen Bereich 233 - 268.
Epistemologie der Kommunikation 269 - 281
Verstehen verstehen 282 - 298
Was ist Gedächtnis, dass es Rückschau und Vorschau ermöglicht? 299 - 336
Die Verantwortung des Experten 337 - 346
Implizite Ethik 347-349
Mit den Augen des andern 350 - 363
Betrifft: Erkenntnistheorien 364-370
- Schriftenverzeichnis von Heinz von Foerster 385

Zitate

"Der Leser bestimmt den Inhalt der Nachricht"
 
undifferenzierten Kodierung im Nervensystem (56)
 
„Gegenstände: Greifbare Symbole für (Eigen)-Verhalten" (103ff)
 
In seinem Aufsatz „Bemerkungen zu einer Epistemologie des Lebendigen" gibt er 12 fortschreitende Argumente, wobei das 12. explizit das 1. begründet, womit der Kreis geschlossen wird (123).
 
"...wenn wir Herrn X ein Gemälde zeigen und er dieses öbszön nennt, wissen wir eine Menge über Herrn X, aber sehr wenig über das Gemälde" (197)
 
„Eine triviale Maschine ist durch eine eindeutige Beziehung zwischen ihrem 'Input' (Stimulus, Ursache) und ihrem 'Output' (Reaktion, Wirkung) charakterisiert. Diese invariante Beziehung ist 'die Maschine'. Da diese Beziehung ein für allemal festgelegt ist, handelt es sich hier um ein deterministisches System; und da ein einmal beobachteter Output für einen bestimmten Input für den gleichen Input zu späterer Zeit ebenfalls gleich sein wird, handelt es sich dabei auch um ein vorhersagbares System" (206f)
 
„Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten grösser wird!" (234)
 
Die Beschreibung ist nicht das Beschriebene, die Karte nicht das Territorium (Korzybski), die Speisekarte ist nicht das Essen (303)
 
"Wahrheit erzeugt Autorität: 'Es ist, wie ich sage', Objektivität beseitigt Verantwortung: 'Ich sage, wie es ist' " (353)
 
"Als er aber erkannte, dass er blind war, da konnte er sehen!" (363). [ verwendet in: "Das Unbegreifliche sind nicht unsere Texte, das Unbegreifliche sind wir. In Anlehnung an den Wiener Psychiater Viktor Frankl, der von einem seiner Patienten sagte: ..., gilt für mich: "Seit ich weiss, dass man mit Text nichts mitteilen kann, kann ich Texte verstehen" (Todesco: Hypertext (Delfin) ]

 15   Objekte sind Eingenwert des Nervensystems. Ich kann ein Objekt aus verschiedenen Perspektiveb angehen (verschiedene Beleuchtungen etc) am Schluss sehe ich immer, was es wirklich ist, ich schwinge auf dem Eigenwert ein.
 51   jede Erkenntnistherorie ist eine kybernetische Theorie
 54f   Unterscheidung Beschreibung/Realität, wobei nur noch die Beschreibung Thema ist, weil sie errechnet wird
 55   Maschinenzustände ("Struktur") statt Repräsentation (von Stehpult)
 67   Wittgenstein - Ethikdiskurs
 68   In jedem meiner Gespräche über, sagen wir, die Wissenschaft ... bin ich bemüht, mein Sprachgebrauch so im Griff zu haben, dass Ethik impliziert ist.
 72   Unentscheidbarkeit
 72   Kybernetik: Def und Geschichte wird als Konzept für nicht übliche Maschinen (Automaten) eingeführt. Kritik: neben Energie sollen auch abstrakte Symbole die pysikalischen Zustände eines Systems ausmachen (kein Abb-Konzept)
 74   Lokalisierung von Verantwortung ist unmöglich geworden (das ist ein Motiv für Verwaltungsapparate) Kunstgriffe: Pontius, Objektivität ,..
 75   "zweckfreie" Sprache (durch thematisierung von rekursiven Prozessen (??))
 80f   Antropomorphismus-Kritik
 83   Def: Information: Dämon (kleines Männchen) als Implikation von naiven Modellen der Informationsverwaltung in Speichern
103   Gegen-Stand als stabiles Verhalten
135   Hypotheses Non Fingo - Metaloge
137ff   Entopie / Maxwells Dämon = Turing Maschine
144   Sprache als Wahl und als Ursache von Ordnung (Kritik: Hier wird die Ordnung der Abbildung mit der Ordnung des Abgebildeten verwechslt - was natürlich nicht gegen die Wählbarkeit der Sprache spricht ). Da Sprechen handeln ist, ist klar das Sprache Ordnung stiftet !!
147   Lügner-Paradox
149   Maschinentheorie (mit endlichen Zuständen / Funktionen
233   Imperativ ua. s.
234   Manager = manus = Handschelle
235   Russels Menge
237f   Blinder Fleck
241   Paradoxie, Barbier u,
244   Maschinen, triviale, ..
269   über Signal und Information
272   Signal und Information
301   Speichern und Abrufen
303   Speisekarte Triviale Maschine, Wissen,
366   Wittgenstein 5.1361: "Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube".


 
[Metalog]

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