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Friedrich Kittler (* 1943) ist Literaturwissenschaftler und Medientheoretiker. Er arbeitet zum Zusammenhang von Aufschreibesystemen, Technik und Militär.
Seit 2001 ist Friedrich Kittler stellvertretender Direktor des Hermann von Helmholtz Zentrums für Kulturtechnik und Mitglied der Forschergruppe „Bild Schrift Zahl“ (DFG). Friedrich Kittler steht für einen neuen Ansatz der Medientheorie, der ab den 1980er Jahren zunehmend populär wurde und von den technischen Medien ausgeht; Kittlers zentrales Projekt ist es, „den Menschenwissenschaften [...] ihr medientechnisches Apriori nachzuweisen“ (Hartmut Winkler), oder mit seinen eigenen Worten: die „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“, so der gleichnamige Titel einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1980.
Kittler sieht eine Autonomie der Technik und lehnt daher Marshall McLuhans Lesart der Medien als extensions of man ab: „Medien sind keine Pseudopodien, die der Menschenkörper ausfahren würde. Sie folgen der Logik der Eskalation, die uns und die Schrift-Geschichte hinter sich läßt“ (Kittler in Geschichte der Kommunikationsmedien. In: Jörg Huber, Alois Martin Müller (Hrsg.): Raum und Verfahren).
Konsequenterweise sieht er im Schreiben von Literatur, dem Schreiben von Programmen und dem Einbrennen von Strukturen in Silizium-Chips ein vollständiges Kontinuum: „Wie wir wissen und nur nicht sagen, schreibt kein Mensch mehr. [...] Heute läuft menschliches Schreiben durch Inschriften, die [...] mittels Elektronenlithographie in Silizium eingebrannt ist [...]. Letzter historischer Schreibakt mag es folglich gewesen sein, als in den späten Siebzigern ein Team von Intel-Ingenieuren [...] die Hardware-Architektur ihres ersten integrierten Mikroprozessors [aufzeichneten]“ (Kittler, Es gibt keine Software. In: ders.: Draculas Vermächtnis. Technische Schriften).
Kritiker weisen auf Kittlers Neigung hin, apodiktisch und dunkel zu formulieren. In der Zeit wurde sein jüngstes Buch verrissen, weil es „geneigten Leser in ungelichteter Düsternis zurücklassen“ würde [1]; der Psychoanalytiker Harald Weilnböck zitiert in der Zeitschrift Mittelweg 36 Kittlers Diktum: „Im Vergessen des Wortes Vergessen fallen Geäußertes und Äußerung zusammen. Der Taumel dieses Zusammenfalls ist die Wahrheit“, und fügt mit leisem Spott hinzu, dass die Lektüre dieses Satzes ihn intellektuell in einen ebensolchen „Taumel“ versetzt habe.
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