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Ein Lexikon (auch mein Hyper-Lexikon) ist eine Art Literatur, in welcher das narrative Element der Erzählung fehlt. Man könnte sich zu den Einträgen im Lexikon Rahmenhandlungen vorstellen, wie sie etwa Sokrates in den Diaogen oder Galilei in den Diskursen verwenden, so dass sprechende Idioten in ihrer Konfusion immer erzählen, wie sie ihre Worte verwenden. Man kann sich auch ein gewöhnliches wissenschaftliches Stück Literatur vorstellen, bei welchem - wie bei einem easy-rider-Chopper - alles weggeschnitten wurde, was über Definitionen hinausgeht.
Ein Teil dessen, was mit der fehlenden Narration verloren geht, wurden in der Encyclopedia Britannica (1. Auflage 1768–1771) als alternative Darstellungen zur bis dahin üblichen Prosa-Chronik durch sogenannte Zeittafeln ersetzt.
Ich lese Zeittafeln als eine spezielle Form von Erzählungen, sie beruhen auf einer zurückblickenden Auswahl, die überdies oft Kategorien verwendet, die nur in der Rückschau möglich sind. Die Epochenbezeichnung "Renaissance" beispielsweise stammt aus dem 19. Jhd. und meint eine Zeit im 16. Jhd., in welcher die Epoche als solche und auch die vermeintliche Wiedergeburt wohl (noch) nicht erlebt wurde. Wenn ich also die Renaissance in einer Zeittafel der Jahreszahl 1600 zuordne, erzähle ich - mehr oder weniger bewusst - dass um 1900 gesehen wurde, dass um 1500 im damaligen Italien vieles wieder so gesehen wurde wie es 400 vor Christus im damaligen Griechenland gesehen wurde. Das ist ein zeit-typischer Anfang einer Geschichte, in welcher Beobachtungen beobachtet werden (können).
Eine mögliche Beobachtung besteht in einer Inversion: Im 19. Jhd. wurde anhand des Wissens über das 16. Jhd. das 4. Jhd. vor Christus rekonstruiert. Die Kategorien stammen in dieser Perspektive nicht aus dem 16. Jhd. und schon gar nicht aus dem 4. Jhd. vor Christus, sondern sind Projektionen, die ich durch den Epochenbegriff auch heute aktivieren kann - aber nicht muss.
Im Projekt will ich solche Projektionen durchspielen. Aktuell interessiert mich neben der Renaissance gerade der etwa zeitgleiche Merkantilismus, weil ich mich mit Geld befasse. Interessant finde ich, welche Epochen zu gleichen Zeit stattfinden, und was sie gegenseitig von sich erzählen.
Zeittafeln markiren Chronos
Ich stelle mir eine (Hyper-)Verschachtelung vor, die verschiedene Zugriffe und Auflösungen enthält. Ich fange also mit einer beliebigen konventionellen Zeittafel in verschiedenen Auflösungen an und schaue, wo Kategorien brechen. Natürlich haben die Zeittafeln immer eine Spalte mit Jahreszahlen. Diese Spalte repräsentiert den Primärschlüssel, sie dient also nur der Sortierung und macht im Prinzip keine kategoriellen Probleme - im Prinzip heisst: wenn ich Problematisierungen wie falsche Datierungen oder etwa das erfundene Mittelalter einmal ausser Acht lasse. Vorerst geht es also um Tabellen mit zwei oder mehr Spalten, die auf einem Zeitstrahl (Primärspalte) angeordnet sind.
Beispiel:
| Primärschlüssel | Epoche | Charakterisierung durch Gleichzeitigkeit | Berühmte Persona |
| 1500 | Renaissance (mehr) | Buchdruck (als Erfindung des Buches - Übergang Bibel Buch)
Reformation (Matin Luther) Entdeckung Amerikas |
J. Gutenberg
M. Luther C. Kolumbus |
Die konventionellsten Zeittafel bezeichnen wohl historische Ereignisse und Epochen, ich werde sie zunächst mit Personen und mit Technik verknüpfen. Dann soll aber auch sichtbar werden, welche Epochen von wo aus als Epochen gesehen werden und insbesondere, wie Epochen andere Epochen generieren, also wie etwa Re-Naissance auch gleichzeitig die (darin fingierte) Naissance produziert.
Liste angefangener Zeittafeln:
- Zeittafel Geschichte
- Zeittafel Epochen
- Zeittafel Technik
- Zeittafel Renaissance
Die Zeittafel Renaissance etwa macht einen Bezug zu Epoche, der durch Baustil von Kirchen charakterisiert wird, was dem Wesen der Renaissance kaum entspricht.
Es gibt eine Werkzeug-Erfindung und damit verbunden ein mechanisches Denken als Naturwissenschaft und eine Aufklärung usw. die durch Zeittadfeln "verbunden" arrangiert werden. In verschiedenen Kontexten werden dann verschiedene Bzüge gemacht, so dass beliebige Verbindungen entstehen, wie etwa dass Kolumbus in der Renaissance Amerika entdeckt hat.